Mit Herz und Hand

Nicht nur im Traum kann man fliegen: Ein schnelles Motorrad und viel Willenskraft verleihen dem fast siebzigjährigen Burt Flügel und lassen seine Zweifler Staub fressen.

Mit Herz und Hand

Burt Munro (Anthony Hopkins) ist Neuseeländer und ein Sonderling wie aus dem Bilderbuch: Ein alter Mann Ende Sechzig, dem das graue Haar wirr ins Gesicht hängt und dessen winziges Wohnhaus Museum, Werkstatt und Rumpelkammer zugleich ist. Auf einem staubigen Regal stapeln sich unzählige Motorradkolben. „Opfergaben an den Gott der Geschwindigkeit“ steht in krakeliger Schrift darunter auf das Holz geschrieben. Über vierzig Jahre ist es her, dass Burt sich seinen ersten Traum erfüllt hat und ein damals brandneues Motorrad kaufte – eine „Indian Scout“ Baujahr 1920. Seitdem ist Burt damit beschäftigt, seine „Indian“ geduldig zu frisieren, Kolben für Kolben zu gießen, um sich auch den zweiten und letzten Traum zu erfüllen. Er will auf der schnellsten Motorradrennstrecke der Welt, einer Salztonebene in Bonneville/Utah, einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen. Als die „Indian“ zu seinem 68. Geburtstag endlich bereit für das große Rennen ist, lässt sich Burt weder von Spöttern noch von seinem schwachen Herzen aufhalten und macht sich auf die lange Reise in die USA.

Mit neuseeländischem Charme und liebenswürdiger Kauzigkeit gewinnt er dort zunächst die Sympathien seiner Reisebekanntschaften und erobert schließlich auch den ersehnten Platz im Motorradpantheon. Sein Weg wird stets von einem wolkenlosen Himmel begleitet, die Sonne hört niemals auf zu scheinen. Wetter und Licht stellen dabei nicht nur die klimatische Entsprechung zu Burts sonnigem Gemüt dar, sondern verleihen dem Geschehen einen warmen, nostalgischen Schimmer, den selbst Auto- und Motorradpannen, Herzprobleme oder die Evozierung des Vietnamkriegs in Person eines trampenden Soldaten auf Heimaturlaub kaum zu trüben vermögen.

Mit Herz und Hand

Auch Regisseur, Drehbuchautor und Wahlneuseeländer Roger Donaldson hat sich mit Mit Herz und Hand (The World’s Fastest Indian) einen alten Traum erfüllt: Die erste Fassung des Drehbuchs über den neuseeländischen Volkshelden schrieb er bereits 1979, aber erst über zwei Jahrzehnte und eine Handvoll Hollywood-Blockbuster später (u.a. Dante’s Peak, 1996; Der Einsatz, The Recruit, 2003) ist die Gelegenheit endlich da, den Stoff aus seinen Jugendtagen zu verfilmen. Doch im Gegensatz zu seiner langwierigen Entstehungsgeschichte oder Burts gebrechlicher „Indian“ rollt der Film so gut geölt auf sein Happy End zu, dass trotz narrativer Geschwindigkeitsdrossler keine wirkliche Spannung aufkommen will. Zwar interpretiert Anthony Hopkins die Figur der widerspenstigen Frohnatur Burt Munro hervorragend und vermag so dem Film Glanzpunkte zu verleihen. Abgesehen davon, ist Mit Herz und Hand jedoch nichts weiter als eine verklärte Hochglanzerinnerung an vergangene Zeiten.

 

Kommentare


Marc

Seit langem mal wieder ein Film den ich mir anschauen möchte. Ansonsten empfand ich das Kinoprogramm in letzter Zeit eher lanweilig und einfallslos.

Marc






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