Mission: Impossible – Phantom Protokoll

Zum bereits dritten Mal kehren Ethan Hunt und seine Impossible Mission Force auf die Leinwand zurück. Regisseur Brad Bird wirkt allerdings vom Innovationsdrang der Filmreihe überfordert. 

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Manchmal muss man die Vergangenheit einfach hinter sich lassen. Das dürfte sich auch Brian De Palma gedacht haben, als er die in die Jahre gekommene Serie Kobra, übernehmen Sie (Mission: Impossible, 1966-73) zu einem zeitgemäßen Actionfilm adaptierte. Wo es einst um subtile Spannung ging, setzte De Palma auf spektakuläre Actionszenen. Nicht umsonst zogen einige Kritiker Parallelen zwischen Mission: Impossible (1996) und den James-Bond-Filmen. Das Protzen haben beide regelrecht kultiviert.

Wer an Mission Impossible, aber auch an seinen Fortsetzungen Freude haben will, der muss erst einmal die Welt dieser Filme akzeptieren. Geschwindigkeit ist hier die Maxime. Nur ein Pedant hält sich da mit den holzschnittartigen Figurenzeichnungen und der löchrigen Dramaturgie auf. Die Selbstverständlichkeit, mit der der Held andere Identitäten annimmt und fremde Sprachen derart fließend spricht, dass selbst Einheimische den Unterschied nicht merken, kann man als Zuschauer entweder realitätsfern finden oder einfach als gegeben hinnehmen.

Mission Impossible - Ghost Protocol 1

In Mission: Impossible – Phantom Protokoll (Mission: Impossible – Ghost Protocol), der mittlerweile dritten Fortsetzung, sitzt Superagent Ethan Hunt (Tom Cruise) etwa als Dimitri in einem russischen Gefängnis, ohne dass irgendjemandem aufgefallen wäre, dass es sich hier um einen Ausländer handelt. Hält man sich nicht lange mit solchen Kuriositäten auf, eröffnet sich auch die wahre Qualität der Mission Impossible-Filme: Handwerklich solides Actionkino, das mit jedem neuen Regisseur auch sein Image runderneuert.

Phantom Protokoll vertraut auf die bewährte Rezeptur aus internationalen Schauplätzen, ausgefallenen technischen Gimmicks und aufwändig inszenierten Einbruchsszenen. Logisch, dass mit jeder Fortsetzung auch zunehmend der Einfallsreichtum des Regisseurs gefragt ist, um bekannte Handlungselemente dennoch frisch erscheinen zu lassen. Brad Bird, der bisher vor allem Animationsfilme wie Die Unglaublichen (The Incredibles, 2004) und Ratatouille (2007) drehte, wählt dafür jedoch einen recht banalen Weg. Er verschlimmert und vergrößert einfach das Problem, dem sich die Impossible Mission Force um Ethan Hunt annehmen muss. Nach einer Explosion im Kreml werden die Mitglieder der Einheit als Terroristen gejagt und suchen vor den Kulissen von Budapest, Dubai und Mumbai nach einem wild gewordenen Professor, der einen globalen Atomkrieg anzetteln will.

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Das Problem von Mission: Impossible – Phantom Protocol ist, dass er mit der ständigen stilistischen Neuerfindung der Serie nicht richtig mithalten kann. De Palma huldigte seinerzeit ein weiteres Mal seinem Vorbild Hitchcock, John Woo inszenierte eine Hongkong-Oper in Zeitlupe, und JJ Abrams drosselte das Tempo seiner Vorgänger und fand ein Melodram, wo zuvor nur Pyrotechnik tobte.

Dem gemäßigten, mehr auf den Menschen konzentrierten Kurs von Abrams bleibt Bird treu. Das heißt nicht, dass Phantom Protokoll sich vor extravaganten Actionszenen scheut. So gibt es etwa eine beeindruckende Kletterpartie auf dem Burj Khalifa in Dubai, dem momentan höchsten Gebäude der Welt, oder einen virtuosen Faustkampf auf den verschiedenen Ebenen eines High-Tech-Parkhauses.

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Doch Hunt ist hier nicht mehr ganz der breitbeinige, selbstgefällige Angeber, sondern auch ein verletzlicher, von einem Trauma gezeichneter Mensch. Zwischen Verfolgungsjagden und Planungen großer Coups lenkt Bird immer wieder den Blick auf die Dynamik innerhalb der Gruppe. Der zufällig bei der IMF untergekommene Brandt (Jeremy Renner) scheint etwa auf mysteriöse Weise mit dem Tod von Hunts Frau in Verbindung zu stehen.

Neben dem sichtbar gestiegenen Einsatz von CGI-Technik zeichnen sich dann doch einige Eigenheiten in Birds Inszenierung ab. Allen voran der Humor, der überwiegend dem britischen Schauspieler und Komiker Simon Pegg (New York für Anfänger, How to Lose Friends & Alienate People, 2008) zuzuschreiben ist. Als Neuzugang der IMF hat er ein sicheres Gespür dafür, in jeder Situation das Falsche zu sagen und in regelmäßigen Abständen auch zu tun. Während die anderen Figuren mit ihren persönlichen Schicksalen dem Film immer wieder einen ernsten Unterton verleihen, sorgt Pegg für den Comic Relief.

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Phantom Protokoll ist zweifellos ein Leinwandspektakel mit Unterhaltungswert. Nach den ersten drei recht gelungenen Teilen scheint der Umgang mit den immer gleichen Motiven mittlerweile allerdings allzu routiniert. Da fehlt es Bird dann am Mut seiner Vorgänger, die Mission Impossible mit jedem Mal in eine ganz neue Richtung getrieben haben. 

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Kommentare


Florian Diehl

Hallo,

gehe ich fehl, oder hat sich der Rezensent hier verzählt? Es gibt doch schon 3 Mission Impossible Filme: der Zweite war von John Woo gedreht...


Michael Kienzl

Hallo Florian,

es gibt zwar insgesamt 4 Filme, aber nur 3 Fortsetzungen.


Stefan Jung

Weiß nicht, ob ich Teil 3 so gutheißen würde, wie Du es tust. M.E. hat man dort viel stärker die CGI als solche ausmachen können, als im aktuellen, was mich sehr gestört hat. Auch der Versuch beim Dritten, melodramatische Szenen hervorzuheben, fand ich gar nicht gelungen. Da verpufften leider Philip Seymor Hoffmans schauspielerische Qualitäten. Finde Teil 4 tatsächlich den am meisten gelungenen nach DePalmas erstem Teil 1996. Woos Version kann man mögen, muss man aber nicht, Actionfeuerwerk in Reinform aber die Story und Figuren bei M:I-2 waren wirklich anödend nervig, v.a. Cruises Selbstinszenierung, sehr peinlich!
Benji (Simon Pegg) war übrigens schon beim dritten Teil dabei, also kein "Neuzugang". Ist ja auch n Kumpel von J.J. Abrams (siehe Star Trek), der auch wieder hier mitproduziert hat. Aber als Regisseur taugt Brad Bird allemal mehr als Abrams, hab mich im aktuellen Teil keine Sekunde gelangweilt. Super Blockbuster-Kino, auch wenn ichs nicht erwartet hätte :)


Michael Kienzl

Na ja, Geschmäcker sind eben verschieden. Ich finde den 3. Teil, wie eigentlich alle Filme der Reihe, durchaus kritisierbar, gerade was die melodramatischen Momente angeht (die es bei Woo ja auch schon gibt). Insgesamt hat mich Abrams aber mehr überzeugt als Bird.

Und wegen Benji: Der war zwar im 3. Teil schon mit dabei, ist aber erst im 4. Mitglied der IMF. Darauf bezog sich der "Neuzugang".


sk

ich werfe jetzt mal in die Runde, dass mir Teil 4 von der ganzen Franchise bislang am besten gefallen hat. Nur die letzte Sequenz fand ich schwach. Ich würde in der Inszenierung keinen Mangel an Innovation sehen, sondern eine absolute Konzentration. Zum Teil ist das sehr klassisch, auch in Anlehnung an die TV-Serie.


Stefan Jung

@ sk: stimme Dir da zu. Magst Du aber noch sagen, warum du ihn sogar noch besser als DePalmas Teil fandest? Der war doch auch sehr klassisch, wenn auch nicht so lustig :)






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