Miss March

Seine Jungfräulichkeit an ein Playmate zu verlieren: Dieser Männertraum reicht für ein Pseudo-Roadmovie mit verhindertem Sex, schmerzhaftem Sex und seltsamem Frauenbild.

Miss March

Die Faszination, die vom „Playboy“ und seinen angeblichen oder realen Produktionsbedingungen ausgeht, muss enorm sein. Zwar ist die kulturelle Bedeutung der Hefte zu vernachlässigen – die berühmten Interviews, wegen derer man den „Playboy“ angeblich nur lese, hallen nur höchst selten in Lebenswelten jenseits der Zeitschrift nach –, dennoch hinterlassen Hugh Hefner und seine „Bunnies“ eine breite Spur popkultureller Referenzen und Reverenzen.

Zweimal war Hefner so jüngst auch selbst auf der Leinwand zu sehen, jüngst in House Bunny (The House Bunny, 2008) und nun in Miss March. Beide Male darf er den in Würde alternden Patriarch geben und sogar die eine oder andere Lebensweisheit präsentieren. Die Frauen in seiner „Playboy Mansion“ sind selbstredend glücklich; in House Bunny wird das mit einem Hauch subtiler Ironie inszeniert, Miss March dagegen kennt eine solche Form der Distanz nicht.

Eine der beiden Hauptfiguren, Tucker (Trevor Moore), ist nicht nur regelmäßiger Leser des „Playboy“, sondern hat sich aus der langjährigen Lektüre des Magazins seine persönliche Lebensphilosophie gebildet, die ihm, seinen beschränkten geistigen Möglichkeiten zum Trotz, vor allem eins bringen soll: viel Sex. Sein bester Freund Eugene (Zach Cregger) hat Tuckers Meinung nach viel zu wenig Sex: Auf dem Weg zur ersten Nacht mit seiner Freundin Cindi (Raquel Alessi) hat er einen Unfall und erwacht erst vier Jahre später, immer noch jungfräulich, aus seinem Koma. Cindi ist in der Zwischenzeit „Miss March“ geworden, und so brechen die beiden jungen Männer alsbald zur „Playboy Mansion“ auf.

Miss March

Was folgt, gibt sich als Roadmovie und Reise zu sexueller Erweckung aus, wie das auch Road Trip (2000) oder jüngst Spritztour – Sie verlassen jungfräuliches Territorium (Sex Drive, 2008) gemacht haben, aber von einer echten Entwicklung ist da natürlich keine Spur. Die Straße ist allenfalls retardierendes Element auf dem Weg zwischen einzelnen Szenen ohne dramaturgische Bedeutung, die fast immer höchstens unfreiwillig komisch sind.

Vielleicht funktioniert der Film in seinem amerikanischen Ursprungsland besser, wo nicht nur Sexualität oft noch mit mehr Tabus belegt ist, sondern auch der „Playboy“ als Medium präsenter ist. Mit Sicherheit sind aber die beiden Hauptdarsteller, die zugleich gemeinsam für Drehbuch und Regie verantwortlich zeigen, dort durch ihre Show The Whitest Kids U’ Know bekannt.

Miss March

Moores und Creggers Versuche, sich in ihrem Humor an den Gebrüdern Farrelly auszurichten, werden leider nie wirklich mit der Konsequenz zu Ende gebracht, die nötig wäre. Einige Szenen deuten das brachiale und anarchische komische Potential des Drehbuchs durchaus an, das nicht zuletzt mit der Furcht vor Sexualität spielt.

Ein Vortrag über Enthaltsamkeit bis zur Ehe, den Eugene und Cindi am Anfang des Filmes vor Kindern halten, wird unter dem Geschrei des Publikums zu einer Warnung vor den Folgen sexuell übertragbarer Krankheiten – die beiden zeigen unter anderem schön großformatige Bilder von Ekzemen auf einer Leinwand. Am anderen Ende des Sexualisierungsspektrums steht ein Freund von Tucker, der nur über Sex rappt und ständig von schönen, willigen Frauen umgeben ist: Er nennt sich „Horsedick.MPEG“ (Craig Robinson).

Miss March

Bei aller Provokation und Drastik fehlt dem Film leider jede Perspektive über den auch zu selten zugespitzten Moment hinaus, er geht nie weit genug in der Entlarvung männlicher Fantasien von Verfügungsgewalt über die Frauen. Cregger und Moore laufen nur fortwährend mit erstarrten Gesichtszügen und staunend aufgerissenen Mündern durch die Aneinanderreihung pornographischer Fantasien, denen sie auf ihrer Fahrt begegnen – ein lesbisches Paar mit osteuropäischem Akzent gehört natürlich auch dazu.

Miss March schafft es, Frauen auf den Status reiner Objekte sexueller Lusterfüllung zu reduzieren, und dennoch die beiden männlichen Protagonisten noch dümmer aussehen zu lassen als ihre weiblichen Gegenüber. Schlimmer ist am Ende allenfalls noch, dass die sexistischen und so verklemmten wie zugleich sexualisierten Weltbilder der Hauptfiguren belohnt werden, ohne dass eine Wandlung der beiden auch nur angedeutet wurde. Stattdessen darf Hugh Hefner ein wenig die Philosophie hinter dem „Playboy“ schönreden – „There’s a bunny in each and every woman in the world“.

Und die Marketingabteilung von Playboy Enterprises, Inc., freut sich darüber, dass selbst der wenig zugeneigte Kritiker Miss March gegenüber keine andere Wahl hat, als immerzu und immer wieder den Namen von Hefners Zeitschrift zu nennen. Dieser Text macht da keine Ausnahme.

Trailer zu „Miss March“


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