Mirrors

In Alexander Ajas Film Mirrors kann bereits ein Blick in den Spiegel tödlich enden – nicht nur für Narzissten eine echte Horror-Vorstellung.

Mirrors

Der Franzose Alexandra Aja gilt nach seinen letzten beiden Filmen bei nicht wenigen Genreliebhabern neben Rob Zombie und Eli Roth als die neue, große Hoffnung des modernen Horror-Kinos. Mit dem unbarmherzigen Haute Tension (2003), der hierzulande auf dem Fantasy Filmfest begeisterte Publikumsreaktionen auslöste, verschaffte sich der damals gerade einmal 25jährige Aja Gehör. Es folgte der scheinbar unausweichliche Ruf Hollywoods, wo sein Remake des Wes-Craven-Mutanten-Schockers The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen (The Hills Have Eyes, 2006) zumindest an der Kinokasse funktionierte.

Auch Mirrors, Ajas zweite US-Produktion, ist eine Kopie. Der Film basiert lose auf dem koreanischen Into the Mirror (Geoul sokeuro, 2003). Für diesen ist wie im Übrigen für viele asiatische Horrorgeschichten der starke Einfluss übernatürlicher Elemente charakteristisch. Rational nicht erklärbare Phänomene wie Geistererscheinungen nutzten Filme wie The Ring (Ringu, 1998) oder The Grudge (Ju-on, 2003) für ihr zumeist recht effektives Spiel mit menschlichen Urängsten. Es war gleichsam ein sanfter, unblutiger Grusel, was sich von Ajas bisherigen Arbeiten wiederum nicht behaupten lässt. Der junge Regisseur setzte bislang auf gnadenloses Terror-Kino mit zum Teil drastischen Splatter-Einlagen. In Mirrors kommt somit zusammen, was nur oberflächlich betrachtet zusammen gehört.

Mirrors

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der desillusionierte Ex-Polizist Ben Carson (Kiefer Sutherland). Nach dem Tod seines Partners, den er mitzuverantworten hat, versucht der Familienvater sich mit Alkohol und Tabletten zu betäuben. Von seiner Frau Amy (Paula Patton) und den Kindern Michael (Cameron Boyce) und Daisy (Erica Gluck) lebt er mittlerweile getrennt. Um finanziell über die Runden zu kommen, ist er gezwungen, einen schlecht bezahlten Job als Nachtwächter anzunehmen.

Bei seinen nächtlichen Rundgängen durch das baufällige, alte Kaufhaus Mayflower, in dem vor Jahrzehnten ein verheerendes Feuer wütete, entdeckt Ben in den riesigen Zierspiegeln mysteriöse Handabdrücke und für ihn unerklärliche Reflexionen. Mit der Zeit werden die Spiegelbilder immer bedrohlicher. Einmal scheint es, als stünde er selbst in Flammen. Später glaubt er gar schmerzverzerrte Hilfeschreie zu hören. Das alles, da ist Ben sich sicher, hängt mit den Spiegeln zusammen, auf denen ein tödlicher Fluch liegt. Dazu passt auch das Schicksal von Bens Vorgänger Gary (Josh Cole). Wie der Zuschauer bereits in der Einleitung erfährt, nahm sich der Wachmann das Leben – mit einer Glasscherbe aus einem Spiegel.

Mirrors

Abgesehen davon, dass Ajas Film eigentlich „Reflections“ heißen müsste, da die Gefahr nicht nur von Spiegeln sondern von Reflexionen jeglicher Art ausgeht – im Finale verwandeln sich selbst Wasserpfützen in tödliche Fallen –, krankt die Geschichte vor allem an ihrer fehlenden Stringenz. Aja und sein Co-Autor Grégory Levasseur konnten sich offenkundig bis zuletzt nicht entscheiden, ob sie eine mysteriöse Geister-Geschichte, einen okkulten Action-Thriller oder doch lieber einen harten Splatter-Film drehen sollten. Das Ergebnis dürfte nunmehr aufgrund seiner atmosphärischen Inkonsistenz weder Anhänger des übernatürlichen Horrors noch Freunde einer härteten Gangart wirklich zufrieden stellen.

Beispielhaft für die immer wieder auftretenden stilistischen Brüche erscheint die Szene, in der Bens Schwester Angela (Amy Smart) von den dunklen Mächten attackiert wird. Die drastische, äußerst blutige Bebilderung ihres Ablebens wirkt inmitten der ruhigen ersten Stunde wie ein Fremdkörper. Der Schockeffekt ist kalkuliert und dennoch bereits nach wenigen Minuten wieder vergessen. Zudem bleibt die Motivation für eine derart explizite Gewaltdarstellung im Dunkeln. Dass Aja damit lediglich die Erwartungen seiner Fangemeinde erfüllen wollte, lässt sich als eine mögliche Erklärung nicht ganz von der Hand weisen.

Mirrors

Waren Haute Tension und FilmThe Hills Have Eyes noch von einer permanenten Verunsicherung und Angst durchzogen, reduziert sich der Horror in Mirrors auf isolierte Schockmomente, die zumeist mit Ansage eintreffen. Besonders deutlich wird das während Bens nächtlichen Rundgängen durch die Kaufhausruine. Ein kurzes Aufheulen der Tonspur verbunden mit einem schnellen Umschnitt auf einen der bösen Spiegel erzeugt längst noch kein echtes Unbehagen, vielmehr führt die ständige Wiederholung des immer gleichen Strickmusters alsbald zu Abnutzungserscheinungen. Anstatt das besondere Verhältnis der Menschen zu Spiegeln und ihrem Spiegelbild zu erforschen – bereits in der Antike galten Spiegel als „bösartig“, da sie angeblich die Seelen von Lebenden und Toten einzufangen vermochten – flüchtet sich der Film mit zunehmender Laufzeit in einen lauten und unfreiwillig komischen Okkultismus-Plot, bei dem man besser nicht darüber nachdenkt, ob das alles noch einen Sinn ergibt.

Sutherlands schematische Rolle sieht dabei den Wandel vom entfremdeten Familienvater zum entschlossenen Einzelkämpfer vor, der sich am Ende in bester Jack-Bauer-Manier ans Aufräumen macht. Das bringt zumindest einige amüsante, wenngleich unbeabsichtigte Querverweise auf 24 (seit 2001) mit sich. Ansonsten kann Mirrors selbst unter dem Trash-Aspekt nicht wirklich punkten. Dafür ist er zu aufwändig produziert und technisch zu perfekt.

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Kommentare


Flo

Interessante Kritik. Allerdings geht mir der Schritt von "the hills have eyes" zu "mirrors" ein wenig zu schnell. Wird doch "P2- Schreie im Parkhaus" als Referenzwerk nicht erwähnt. Zwar führt Aja nicht Regie, ist allerdings, wie bei allen anderen genannten Filmen, am Drehbuch beteiligt. Demnach hat er auch hier seine Finger im Spiel. Wenn man nun "P2" als weiteres Vergleichsprodukt heranzieht, ergibt sich ein Bild, das in sich durchaus schlüssig ist. Spart doch der genannte Thriller explizite Szenen ebenso aus, wie Ajas Neuer. Die Zahl der brutalen Szenen mit Splatteranleihen ist verschwindend gering. Auch ist die farbliche Gestaltung beider Werke ganz ähnlich - was ebenfalls auf eine Entwicklungslinie schließen lässt.
Natürlich hat "mirrors" seine Schwächen, dennoch kommt er keineswegs so überraschend, wie es hier den Anschein hat.


Jo

Hallo
hab den Film gestern in der Überraschungsprämiere gesehen. Also bin leider nicht der Fan düsterer Horror Geschichten, dennoch sehe ich mir auch so was an.
Die Kritik spiegelt im wahrsten Sinne des Wortes den Film wieder. Mit Kiefer Sutherland dachte man könnte der Film eigentlich nur gut werden. Dennoch entwickelte sich spätestens ab der stelle wo Bens Schwester stirbt zu einer Fahrs. Fehlende Spannung und Sinn wurden dann mit Erotik überspielt. Je obscurer der Verlauf um so weniger hat die Hauptdarstellerin an!
Und der Schluss, na ja. es fehlte der Coole Ah ha Effect den ich mir gewünscht hätte. Verstanden hab ich den Film. Hätte mir aber mehr aus den Szenen im Kaufhaus erwartet und der Spledder hätte auch wegbleiben können.
Also der Film bekommt von mir nur 2 von 10 Punkten. Top Schauspieler in ner schlechten Horrorshow.
Wer den unbedingt sehen will sollte aber auf die DVD warten, das Geld im Kino ist zu schade!!!


Andreas

Ich habe mir den Film gerade angesehen und muss sagen, dass diese Kritik wirklich sehr subjektiv geschrieben ist. Ich als nicht Genre-Liebhaber habe mich wirklich gegruselt und die Schockelemente haben ihre volle Wirkung entfacht. Vielleicht sollte man nicht immer versuchen alles in altbekannte Schubladen zu packen, um es sich erklären zu können.


Jan-Karl

Schließe mich den Vorschreibern an. Vielleicht einen passenderen Vergleich finden.
Der Film ist nicht so scheinbar übertrieben wie THHE, er geht einen ganz anderen Weg und unterhält durch eine Atmosphäre in die man sich gerne ziehen lässt. Ich hatte schon eine seltene Nähe zu den Rollen und der Handlung. entsprechend heftig haben die argen Szenen gewirkt.






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