Metropia

Der schwedische Regisseur Tarik Saleh inszeniert eine typisch Orwell’sche Vision als State-of-the-Art-Animationsfilm. Metropia gelingt dabei vor allem eines: Veranschaulichung innerer Angst.

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Wir sehen den Fabrikarbeiter Roger (Vincent Gallo), der anders als die Mehrheit noch ein Fahrrad statt der U-Bahn als Verkehrsmittel benutzt. Jeden Tag quält er sich in Metropia durch die verlassenen, verdreckten Straßen auf der Erdoberfläche. Schlafen kann er schon lange nicht mehr.

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Bei seinem verzweifelten Versuchen, sich von der dominanten Masse abzusetzen, merkt Roger langsam, dass er als Einzelner zu schwach ist, um sein Leben nach eigenen Vorstellungen fortzuführen. In seinem Kopf haust eine menschliche Stimme, die ihm immer wieder Ideale und Anweisungen eintrichtert. Roger trifft eine Entscheidung: Er macht sein Lustobjekt, die junge Nina (Juliette Lewis), zur Gefährtin, schließt sich ihren Wegen an, versucht mit ihr zu korrespondieren. Gemäß dem Neo-Noir-Aspekt des Films stellt sie sich schon bald als Femme fatale heraus, ihre Beweggründe bleiben bis zum Schluss mystisch aufgeladen und uneindeutig.

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Doch nicht nur die Figuren sind typisch für ein dystopisches, vom Film noir geprägtes Science-Fiction-Setting. Das U-Bahn-System, genannt „Trexx“, ist wie ein überdimensionales Netzwerk an Strömen und Richtungen aufgebaut und umspannt ganz Europa. Es steht sinnbildlich für das eigene Netzwerk im Gehirn, dessen Manipulation im Film nachhaltig inszeniert wird. Die Stimme, die Roger empfängt, ist in Wirklichkeit die eines Mitarbeiters der Kontrollbehörde, der dafür verantwortlich ist, dass sein „Objekt“ nicht auf dumme Gedanken kommt und eigene Wege geht. Ermöglicht wird das Ganze durch ein Shampoo namens „Dangst“, das beim Einreiben in die Kopfhaut mit den Haarwurzeln in Kontakt gerät und diese als Antennen funktionieren lässt. Totale Überwachung dank Hygieneartikeln.

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Das Bild des gedankenmanipulierenden Shampoos bleibt beim Betrachter nicht zuletzt deswegen in Erinnerung, weil die Anatomie der Figuren entsprechend designt wurde. Mit unverkennbaren Zügen des jeweiligen Realschauspielers ausgestattet, ist der Kopf der animierten Figuren im Vergleich zum Rest des Körpers überproportioniert. Der Kopf, der Geist ist das Hauptmotiv des Films, ist bei den einen der Motor zum Überleben und bei den anderen das Objekt der Kontrolle. Dementsprechend ist die Bildsprache von Metropia von immer wieder erscheinenden Medienflächen geprägt: tausende Bildschirme, eine Vernetzung von Innen und Außen, Spektakel zur Stimulation der Betrachter im Film – viele Stilmittel, die ganz direkt auf große Genrebeiträge wie Blade Runner (1982) oder Nineteen Eighty-Four (1984) verweisen; am Schluss sogar etwas überdeutlich, wenn sich im Auge des Protagonisten eine Explosion spiegelt.

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Die Stimmung von Metropia ist überaus konsequent umgesetzt. Zwischen den animierten, dunklen Bildern, deren nuancierter Kontrast nur auf der Blu-ray deutlich sichtbar ist, leuchten nur wenige „Highlights“ auf. Die Figuren schieben sich im Trott durch einen ausweglosen Kerker an finsteren Räumen und Gängen, sprechen fast wie benommen. Der gelungene Wechsel von (künstlicher) Weitsicht und Nahaufnahmen der Gesichter der Protagonisten lässt den Zuschauer die teilweise etwas sprunghafte Handlung noch recht gut nachvollziehen. Was nach etwas lang erscheinenden 80 Minuten bleibt, ist ein detailverliebtes, bewusst schwermütiges Bild einer gar nicht mal so utopisch erscheinenden Gesellschaft. 

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