Mensch, Dave!

Ein von Außerirdischen gesteuertes Raumschiff in Menschengestalt irrt durch New York City. Als „Men in White“ ist Eddie Murphy mit an Bord –  und das in doppelter Ausführung.

Mensch, Dave!

Der Gedanke, sich pro Film auf nur eine Rolle zu beschränken, scheint Eddie Murphy gänzlich fremd. So stand Hollywoods Star-Komiker im letztjährigen Komödien-Desaster Norbit (2007) gleich in drei unterschiedlichen Rollen vor der Kamera. In seinem weltweit überaus erfolgreichen Remake des Jerry-Lewis-Klassikers Der verrückte Professor (The Nutty Professor, 1996) und dessen Fortsetzung schlüpfte Murphy dank Rick Bakers Make-up-Künsten sogar in sechs respektive sieben verschiedene Charaktere. Zu den weiteren Filmen mit multiplen Murphy-Auftritten zählen unter anderem Wes Cravens Horror-Romanze Vampire in Brooklyn (Vampires in Brooklyn, 1995) und die Culture-Clash-Komödie Der Prinz aus Zamunda (Coming to America, 1988) von John Landis.

Mit letztgenanntem verbindet Murphys neueste Produktion Mensch, Dave! (Meet Dave, 2008) auch den Schauplatz New York. Dort, wo einst ein afrikanischer Prinz den ersten Kontakt mit dem American Way of Life hatte, sind dieses Mal die Außerirdischen gelandet, um einen für ihren Heimatplaneten immens wichtigen Stein zu finden. Zwar mag es zutreffen, dass man selbst als Alien in New York unerkannt bleiben würde, zu ihrer eigenen Sicherheit legen sich die Extraterrestischen aber eine ausgeklügelte Tarnung zu. Ihr Raumschiff besitzt die Gestalt eines Menschen (Eddie Murphy zum ersten) und hört auf den Namen Dave. Unter dem Kommando ihres Captains (Eddie Murphy zum zweiten) starten die weit gereisten Gäste nach ihrer Ankunft auf Liberty Island zu einer ausgedehnten Erkundungstour.

Mensch, Dave!

Mit dem geheimnisvollen Stein als MacGuffin, der gemäß seiner Funktion die Handlung vorantreibt, folgt der Film Dave durch die Straßen New Yorks. Natürlich bleibt dieser nicht lange alleine. Trotz seiner zuweilen unkontrollierten Motorik und merkwürdigen Ausdrucksweise findet er schnell Freunde. Dabei ahnen die allein erziehende Gina (Elizabeth Banks) und ihr Sohn Josh (Austyn Lind Myers) anfangs nicht, über welch außergewöhnliche innere Werte ihr neuer Bekannter verfügt.

Erst der fortlaufende Wechsel der Perspektive sorgt für den hohen Unterhaltungswert vieler Szenen, die nicht zuletzt dank Murphys Qualitäten als Entertainer oftmals vergessen machen, dass der Film jederzeit brav der Logik einer typischen Familienkomödie folgt. Entweder blickt man von außen auf Dave und beobachtet ihn bei seinen mehr als holprigen Konversations- und Interaktionsversuchen, oder man befindet sich in seinem im Retro-Charme eines Raumschiff-Enterprise-Sets designten Inneren, wo die Außerirdischen auf das reagieren, was Dave in unserer Welt so alles erlebt. Da werden Aliens abgestellt, um Dutzende Hot Dogs wegzuräumen, die sich Dave bei einem Wettessen in Sekundenschnelle einverleibt, während wiederum andere mit der Steuerung seiner Arme und Beine beschäftigt sind. Das erinnert in seiner Liebe zum mikroskopischen und anatomischen Detail an eine Episode aus Was Sie schon immer über Sex wissen wollten (Everything You Always Wanted to Know about Sex, 1972), in der Woody Allen als Spermium auf seinen Einsatz wartet.

Mensch, Dave!

Die beiden Autoren Rob Greenberg und Bill Corbett entwickeln aus einer originellen Prämisse eine im positiven Sinn infantile Spielerei, die Murphy genügend Freiraum für seine eigene Dave-Interpretation lässt. Ob als Raumschiff in Menschengestalt oder Captain, der allmählich Gefühle für seine hübsche Untergebene Nr. 3 (Gabrielle Union) entwickelt, Murphy reißt jede dieser Szenen kompromisslos an sich. Es scheint, als seien drei Jahrzehnte Comedy-Erfahrung in diesen Film eingeflossen. Gerade nach seinem letzten Fehltritt mit Norbit, der ihm noch vergangenes Jahr die „Goldene Himbeere“ als schlechtester Schauspieler einbrachte, witterten nicht wenige ein weiteres Debakel. Zumal Norbit-Regisseur Brian Robbins auch dieses Mal die Verantwortung für das Projekt übertragen bekam.

Doch Mensch, Dave! tappt nicht in dessen Falle. Selbst wenn manche Pointen und Ideen nicht zünden, weil sie wie im Fall des zum Klischeeschwulen mutierten Sicherheitsoffiziers Nr.4 (Pat Kilbane) allzu abgestanden sind, kann man dem Ganzen einen – wenngleich harmlosen – Unterhaltungswert nicht absprechen. Wie schon Der Prinz aus Zamunda behandelt auch Mensch, Dave! eine Variante der klassischen Fish-out-of-Water-Geschichte, die davon lebt, dass sich ihr Protagonist in einer für ihn unbekannten Umwelt zurecht finden muss.

Mensch, Dave!

Kaum ein Familienfilm, insbesondere keiner aus Hollywood, kommt ohne eine mal mehr, mal weniger dick aufgetragene Moral aus. So auch dieser hier nicht. Am Ende menschelt es gewaltig, wenn die Aliens das Gute in unserer Spezies entdecken, für das wir es wert sind, gerettet zu werden. Anders als die Außerirdischen in der koreanischen Science-Fiction-Komödie Save the Green Planet! (Jigureul jikyeora!, 2003) gibt uns Dave eine zweite Chance. Schließlich soll niemand betrübt das Kino verlassen müssen.

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