Mekong Hotel

In einem verlassenen Hotel am Mekong skizziert Apichatpong Weerasethakul möglicherweise seinen nächsten Spielfilm. 

Mekong Hotel 01

Der Mekong in der Abenddämmerung. Auf dem Fluss, der den Nordosten Thailands von Laos trennt, ziehen Jet-Skis ihre Kreise und zeichnen schnell verblassende Linien in die dunkle Wasseroberfläche. Mehrere Minuten kann man das in einer statischen Totalen beobachten, die den Zuschauer dazu animiert, sich ganz auf die hügelige Landschaft und die Geschehnisse in der Entfernung einzulassen und den Erkenntnisdrang hinter die reine Erfahrung zu stellen. Und plötzlich ist der neue Film von Apichatpong Weerasethakul dann auch schon wieder vorbei.

Mekong Hotel ist schon, was die Länge angeht, schwer einzuordnen. Mit einer Stunde Laufzeit bewegt er sich irgendwo zwischen Kurz- und Langfilm. Aber auch die Erzählweise ist experimenteller als in den Spielfilmen des thailändischen Regisseurs und schlängelt sich zwischen fiktionalen, dokumentarischen und selbstreflexiven Momenten entlang. Schauplatz des Geschehens ist ein altes Hotel am Ufer des Mekong, Ausgangsmaterial ein nie realisiertes Drehbuch des Regisseurs mit dem Namen Ecstasy Garden.

Mekong Hotel 02

Mekong Hotel tastet sich zunächst von außen an seine fiktive Handlung heran. Erst sitzt der Regisseur einem Gitarrenspieler gegenüber, dessen bluesige Akustik-Improvisationen fast den gesamten Film über zu hören sind. Anschließend wird mit dem Hauptdarsteller Sakda Kaewbuadee aus Tropical Malady (Sud pralad, 2004) ein passendes Outfit ausgesucht und einzelne Szenen aus Ecstasy Garden werden geprobt. Es geht darin um eine aufkeimende Liebesgeschichte zwischen einem jungen Paar, die sich als kompliziert erweist, weil die Mutter der Frau ein menschenfressender Wassergeist ist.

Weerasethakul lässt seine verschiedenen Erzählebenen ineinander fließen, ohne immer kenntlich zu machen, womit man es gerade zu tun hat. Neben den Spielszenen sind die Darsteller auch in dokumentarischen Szenen zu sehen und erzählen beispielsweise wie die Laoten früher über die Grenze geflüchtet sind oder von einer Jet-Ski-Fahrt mit dem Ex-Freund. Ohne einen äußeren Zusammenhang zu erzwingen, vereint Mekong Hotel Mythisches, Historisches, Erfundenes, und bleibt dabei mit seinen Exkursen immer personen- und ortspezifisch, bezieht also die Geschichte von Schauplatz und Beteiligten mit ein. Eine positive Eigenschaft von Weerasethakuls Filmen ist es zweifellos, dass sie alles andere als leicht zugänglich sind, dabei aber nie verkopft wirken, sondern sich schwerelos in immer neue Richtungen tasten.

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Mekong Hotel dürfte vor allem eine Skizze für Weerasethakuls ebenfalls am Mekong angesiedeltes, nächstes Langfilmprojekt sein. Es ist nicht das erste Mal, dass der Regisseur den Entstehungsprozess eines seiner Werke künstlerisch verarbeitet. Bereits in den Kurzfilmen Ghost of Asia (2005) und A Letter to Uncle Boonmee (2009) umkreiste Weerasethakul mit experimentellen Erzählmethoden Motive und Themen früherer, beziehungsweise zukünftiger Spielfilme. So unfertig und nach allen Seiten offen wie Mekong Hotel wirkt, erinnert er eher an jene Arbeiten des Regisseurs, die man im Ausstellungskontext antrifft. Zur Überbrückung bis zum nächsten Langfilm kann man sich mit diesem meditativen Film aber trotzdem gut die Zeit vertreiben. 

Trailer zu „Mekong Hotel“


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