Mein Schatz, unsere Familie und ich

Vince Vaughn und Reese Witherspoon spielen ein weihnachtsflüchtiges Paar, das in den Schoß der Familie zurückkehrt. Bis zum vorhersehbaren Ende funktioniert der Debütfilm von Seth Gordon als Komödie mit stellenweise bitterbösem Blick.

Mein Schatz, unsere Familie und ich

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Mein Schatz, unsere Familie und ich ist einer von jenen Weihnachtsfilmen, die Hollywood jedes Jahr aufs Neue anbietet; die ein gewisses Maß an komödiantischer Destruktivität aufbringen, nur um am Ende doch noch die Kurve zum romantischen Ende zu bekommen. Der Unterschied ist, dass man während des Spielfilmdebüts von Seth Gordon ständig das Gefühl hat, dieses Mal könnte es anders sein. Ist es aber nicht, auch wenn manche Gags subversiver (und gelungener) sind als gewohnt.

Vince Vaughn und Reese Witherspoon als unverheiratetes Pärchen Brad und Kate mit einer gesunden Allergie gegen alles Familiäre haben eine ganze Zeit lang einen Riesenspaß. Kinder wollen sie auf keinen Fall, stattdessen geben sie sich verschiedenen Vergnügungen hin und halten sich mit Smart Talk und ironischen Gesichtsausdrücken die Welt vom Leib. Jedes Jahr zu Weihnachten fliehen sie unter fadenscheinigen Begründungen in die Karibik, um nicht mit ihren Eltern, Geschwistern, Nichten und Neffen unter dem Tannenbaum sitzen zu müssen. In diesem Jahr geht der Plan jedoch schief, und die beiden unternehmen am Heiligen Abend eine Tour de Force entlang der von Scheidungen zerrissenen eigenen Familiengeschichten: Vier Weihnachtsfeiern an einem einzigen Abend, und, man ahnt es, eine ist katastrophaler als die andere.

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Während Brad der einzige gebildete Spross einer White-Trash-Familie ist, der von seinen tätowierten Brüdern zur Begrüßung kräftig in die Mangel genommen wird, entpuppt sich Kates Mutter als evangelikale Extremistin. Brads Mutter wiederum ist ein gealtertes Hippie-Mädchen, das mit dem ehemaligen Schulfreund ihres Sohnes zusammen ist. Kurz: Die Weihnachtsfeste werden noch viel schlimmer als erwartet, und Brad und Kate durchleben diverse Kindheitstraumata erneut.

Das ist der Moment, an dem man sich fragt, wie dieser Film die Kurve zurück zu den Familienwerten bekommen will, denn was hier als Familie gezeigt wird, legt es selbst von Natur aus anhänglichen Menschen nahe, die Beine in die Hand zu nehmen. Die Drehbuchautoren Matt R. Allen, Caleb Wilson, Jon Lucas und Scott Moore pieksen mit diebischem Vergnügen in die Abgründe amerikanischer Alltagskultur (ein Krippenspiel, oder besser: eine Krippen-Show in einer evangelikalen Gemeinde), lassen fortpflanzungsbedingte Harmoniesucht gekonnt auflaufen (Babyköpfe knallen an Schranktüren) und nehmen nur manchmal den zu einfachen und deshalb unlustigen Weg (eine Oma, die über gewisse sexuelle Praktiken spricht).

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Aber wir befinden uns in einem Weihnachtsfilm, und in einem solchen kann man natürlich auch diese bizarren Charaktere lieben – oder muss es im Sinne der christlichen Botschaft vielleicht sogar? Die Frage stellt sich vor allem, weil die Eltern ihren Kindern gegenüber mit einer Lieblosigkeit gezeigt werden, die für eine Komödie bemerkenswert ist. Am Ende steht ein Satz, der in dieser Geschichte eigentlich unmöglich ist und bestenfalls durch die hohe Zahl an beteiligten Drehbuchautoren erklärt werden kann, die möglicherweise jeweils andere Richtungen einschlagen wollten: „Es gibt nichts Wichtigeres als die Familie.“ Jon Voight sagt ihn, der Kates Vater spielt und wie Sissy Spacek und Robert Duvall einen kurzen Auftritt hat. Das ist die Kraft des Weihnachtsfestes: Unüberwindliches wird überwunden (oder unter den Teppich gekehrt); aber bevor es verschwindet, wird uns ein ausführlicher Blick darauf gegönnt.

Und Brad und Kate? Dass sie dann doch noch ein Kind bekommen, war vorherzusehen, als sie nach den ersten zehn Minuten des Films übereinstimmend erklärten, keine Kinder zu wollen. Aber dass Mutter und Baby in rosa Bettwäsche liegen, das ist dann wieder so jenseits von Gut und Böse, dass man sich fragt, ob das nicht auch ein ganz klein wenig subversiv ist.

Filmkritik von Thorsten Funke

Veröffentlicht am 03.12.2008

Kommentare zu Mein Schatz, unsere Familie und ich

Martin 16.12.2008 14:15

die abgemagerte & viel zu kurz geratene reese witherspoon sieht in dem streifen wie eine 15 jährige aus. als paar passt da irgendwie mal gleich garnichts und deswegen kommt die komödie auch so unglaubwürdig rüber! ansonsten bietet der film ein paar gute pointen, nur leider sind alle vergeigt.

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DVD von Mein Schatz, unsere Familie und ich

 

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Film-Angaben

Titel: Mein Schatz, unsere Familie und ich

Originaltitel: Four Christmases

USA 2008

Laufzeit: 88 Minuten

Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung

 

Regie: Seth Gordon

Drehbuch: Matt R. Allen, Caleb Wilson, Jon Lucas, Scott Moore

Produktion: Roger Birnbaum, Gary Barber, Jonathan Glickman

Bildgestaltung: Jeffrey L. Kimball

Montage: Mark Helfrich, Melissa Kent

Musik: Alex Wurman

Darsteller: Vince Vaughn, Reese Witherspoon, Robert Duvall, Jon Favreau, Mary Steenburgen, Dwight Yoakam

 

Kinostart: 04.12.2008

 

DVD-Angaben

Titel: Mein Schatz, unsere Familie und ich

Vertrieb: Warner Home Video

Bild: 1,78:1, 16:9

Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Französisch (DD 5.1), Ungarisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Französisch, Niederländisch, Ungarisch, Arabisch, Portugiesisch

Altersfreigabe: ab 6 Jahren

Spieldauer: 85 Minuten

 

Extras: Gag Reel; nicht verwendete Szenen

 

Verleih ab: 27.11.2009

Verkauf ab: 27.11.2009

 

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Copyright Mein Schatz, unsere Familie und ich

Fotos: © Warner Bros. Ent.

 

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