Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler

Komisch – doch erstaunlich zahm: Dani Levy ist mit Mein Führer ein Hitlerfilm für die ganze Familie gelungen. Mit Schäferhund, Kindheitstrauma und Helge Schneider an der Heimorgel.

Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler

Die Three Stooges haben es bereits 1940 getan, ebenso Charlie Chaplin und seitdem hunderte anderer Schauspieler, unter ihnen Anthony Hopkins, Udo Kier und Armin Mueller-Stahl: Sie haben Hitler gespielt. Der Diktator trat als abgetrennter Kopf in einem Einmachglas auf (They saved Hitler’s Brain, 1963), als massenhaft vervielfältigter Klon (The Boys from Brazil, 1977), er tanzte bei Mel Brooks (Frühling für Hitler, The Producers, 1968) und stieg in Syberbergs Vier-Stunden-Collage Hitler, ein Film aus Deutschland (1978) aus Wagners Grab auf. Russ Mayer ließ ihn in UP! (1976) beim Analverkehr „Sieg!“ schreien. Klaus Maria Brandauer reduzierte ihn in Georg Elser. Einer aus Deutschland (1989) auf eine nach hinten abgeknickte Hand, die am Publikum vorbeigefahren wird.

Auch die Bunker-Filme sind inzwischen Legion. Die deutschen Beiträge dieses Genres markieren gut die verschiedenen Pole des Hitler-Zeigens: Verwackelt, obszön und laut inszenierte Christoph Schlingensief in 100 Jahre Adolf Hitler – Die letzte Stunde im Führerbunker (1989) das sinnentleerte Treiben unterhalb Berlins. Der Untergang (2004) versuchte in einer produktionstechnischen Großanstrengung, den gleichen Plot wieder mit Bedeutung und psychologischem Realismus aufzuladen. Der Zeichner Walter Moers hingegen hat schon lange erkannt, dass Hitler als Menschen ernst zu nehmen heißt, ihm falsche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen – und das groteske Potential dieser Figur zu verschenken. Moers’ Musikclip Ich hock in meinem Bonker (2006) mit einem kartoffelnasigen „Führer“ auf dem Klo wurde bei YouTube schnell zu einem der am häufigsten aufgerufenen Beiträge.

Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler

Nun also Helge Schneider. Den Hitler spielte der Musiker, der sich selbst als „singende Herrentorte“ etikettierte, bereits bei Schlingensief (Menu total, 1986). In Mein Führer hängt eine Maske mit spitzer Nase und dicken Tränensäcken schwer an seinem Gesicht. Das ist ein wenig schade, denn die größte Komik entsteht immer dann, wenn der Helge unter dem Hitler durchschimmert – wenn der Diktator gebückt durch sein Arbeitszimmer huscht, sich im Spiegel betrachtet und dabei merkwürdige Geräusche macht oder einfach nur mit rausgestrecktem Bauch da steht. Die Wurschtigkeit, mit der das Nazi-Oberhaupt ans Telefon geht – „Hitler hier. Ja, Heil, sie auch.“ – oder die Ernsthaftigkeit, mit der es versucht, Eva Braun (Katja Riemann im Kurzauftritt) zu beschlafen – „Mein Führer, ich spüre sie nicht!“ – sind herrlich, gern hätte man die Albernheiten um den Helge-Hitler auf die Spitze getrieben gesehen. Doch der Film verfolgt andere Pläne und damit eine dramatische Haupthandlung innerhalb der Satire.

Denn der Schauspieler Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe) wird mitsamt Frau und Kindern aus dem Lager Sachsenhausen geholt, um mit dem depressiven Hitler dessen Neujahrsrede zum 1. Januar 1945 einzustudieren. Noch einmal soll der „Größte Feldherr aller Zeiten“ die Massen begeistern, mit alter Kraft schnarren und bellen, um die Stimmung im zerstörten Berlin wieder zu heben. Keine leichte Aufgabe für Grünbaum, der sich zudem im Zwiespalt befindet: Soll er Hitler töten oder versuchen, die eigene Familie zu retten?

Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler

Dem tragischen Helden innerhalb der Komödie kommt die schwerste Rolle zu: Er muss die Dramaturgie zusammenhalten, Menschlichkeit und Mitgefühl durch einen überzogenen Nazi-Plot retten, gleichzeitig darf er nicht lächerlich sein – so wie alle anderen Figuren. Wie das gehen kann, hat einst einer bewiesen, an den seitdem alle NS-Komödien erinnern aber nie heranreichen: Der grosse Diktator (The great Dictator, 1940). Chaplins Verwechslungsgeschichte zwischen Jude und Nazi recycelte bereits der ARD-Film Goebbels und Geduldig (2001), in dem Ulrich Mühe den Propagandaminister sowie dessen jüdischen Doppelgänger spielte und die Sportpalastrede einstudieren musste. Auch am Ende von Mein Führer steht wieder eine Rede mit spontanem Appell ans Publikum, das hier zusätzlich als heutiges Kinopublikum gemeint ist, welches nie genug vom Hitler kriegen kann. Das ist zwar ein schöner Twist, dennoch stößt einen Dani Levy mit seinen Versatzstücken der Filmgeschichte immer wieder auf die Klassiker, in denen die Konstellationen und Witze schon einmal – nur eben noch besser – funktioniert haben. Zum Beispiel bei Lubitsch: „Heil Hitler!“ – „Ich heil mich selbst!“ (Sein oder Nichtsein, To be or not to be, 1942) – ein Zitat, das weiter variiert wird. Seitenhiebe auf den Untergang, die sich mancher erhofft haben mag, liefert der Alles auf Zucker-Regisseur hingegen nicht – abgesehen vom Untertitel „Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“, der die Authentizitätsbehauptung der „Doku-Dramen“ ad absurdum führt.

Dafür verlegt sich Mein Führer auf die küchenpsychologische Analyse des Dritten Reichs: Weil Hitler keinen hochkriegt, müssen alle anderen die erigierten Arme recken, weil Adolf als Kind geschlagen wurde, rächt er sich mit KZs. Das alles bleibt im Rahmen des Films recht komisch, aber auch harmlos und wird weder subversiv noch richtig bissig. Des „Führers“ Hund Blondi beim Hitlergruß – das ist einfach niedlich.

Kommentare


David

Ich hab gestern das Kino-Preview gesehen!Hatte mich sehr drauf gefreut - aber ich war dann eher enttäuschtdavon. Außer Hitler alias Helge Schneider ein sehr humorfreier Film - Schade Schade Schade! Ich kann den Film leider nicht empfehlen!


M.-Stade

Dieser Film ist bestimmt gut,weil meine lieblingsschauspielerin,KATJA RIEMANN, dort mitspielt !


Alberts

Levy selbst weiss es. Das Phänomen ist nicht zu fassen, er lässt es selbst sagen und er fasst es auch nicht, kann sich nicht entscheiden zwischen Klamotte und psychologischer Deutung, lässt Schwarzweiss-Bilder auffahren. Die dämlichen Nazis und die Guten. Schneider ist zu attestieren, dass er seine Figur nicht denunziert. Er gibt ihr menschliche Züge- was schon dem Untergang zum Vorwurf wurde, hier könnte es sich verschärft wiederholen. Wie kann man ein Monster menschlich zeichnen ? Wer die anderen Filme, die dieser zitiert, kennt, kann auf diesen verzichten.


Hadrien

Leider ist Levi nicht gelungen, eine -lustige- Komödie über Hitler zu machen. Der Film ist absolut nicht empfehlenswert!


maike

ein sehr peinlich schlechter film- leider.


Andreas

Ein weiterer, pseudo lustiger Schundfilm, über eine Person die niemand zu kennen vermag!
Prädikat: Besonders SCHLECHT!


atatürk

hochachtungsvoll und mit großem respekt verbeuge ich mich vor diesem künstler. helge schneider, weiter so...


eine Gegnerin

Einer, der Menschen in den Krieg geschickt hat, hat vorher Menschen kennengelernt. Gefühlsverletzend und geschmecklos ist das Lächerlichmachen für eine Mutter, die ihre Kinder oder ihr Kind durch seine Befehle verlor. Der Film sollte Aufführungsverbot bekommen.


Sirious Black

Ich finde es einfach nicht Ordnung, wenn man einen Comedyfilm über eine Person dreht, die Millionen Menschen in den Tod geschickt hat. Was denken sich diese Leute, wenn sie im wahrsten Sinne des Wortes über ein Monster lachen? Ich kann darüber nicht lachen. Ich kann nicht über Hitler lachen. Klar, es ist nur ein Film. Aber ich denke man sollte vor Hitler Furcht und Erkenntnis zeigen. Die Erkenntnis, wozu Menschen in der Lage sein können. Ich bin der Meinung, das in der heutigen Zeit, nur noch an den Schotter gedacht wird. Egal wie, womit, wann und wo versucht man auf jede Art Geld zu machen. Dabei wird nicht mehr unterschieden ob man eine Grenze überschreitet bzw. Menschen verhöhnt oder sie in den Dreck zieht. Die Welt geht unter. Nein! Sie ist bereits untergegangen. Das ist meine Meinung. Sirious Black


Turbo

Ich hoffe ihr habt den Film auch gesehen....
Wird Zeit, das wir drüber wegkommen. Warum können Juden über Hitlerwitze lachen, aber die Deutschen nicht....


Zufriedener

An alle "Gegner" des Films: Es ist in Deutschland offenbar noch immer die Verklemmtheit vorhanden, sich mit der geschichtlichen Vergangenheit Deutschlands nicht auseinandersetzen zu können.

Ich habe den Film gesehen und fand ihn gut, weil er ein vermeintliches Tabuthema anpackt. Ich kann nichts für die Vergangenheit, bin dafür keine Rechenschaft schuldig und kann daher nicht einmal ansatzweise das Gemecker verstehen, warum ein solcher Film nicht gezeigt werden dürfe.

Einige sollten mal aufwachen und sich mit der Vergangeheit mal zeitgemäß auseinandersetzen - das klappt in anderen Kulturen auch!

Der Film bekommt eine 2-3 von mir als Schulnote - weder besonders gut, noch besonders schlecht.


lord Voldemort

ich finde das der film gut für deutschland ist an dem film merkt
man das man trotzdem was damals passiert ist nicht den humor verliert Adolf hitler ist für uns heute nur eine witz gestallt


Fürsprecher

Völlig unverständlich finde ich die Kommentare der Kritiker. Es wird Zeit, dass die Deutschen darüber hinwegkommen, denn jeder Andere ist es mittlerweile auch. Komisch, dass jeder Ausländer über so etwas lachen kann, nur die Deutschen wollen es nicht können. Kaum jemand trägt uns so etwas nach, nur wir haben nichts besseres zu tun, als uns selber zu Verurteilen und Ermahnen. Diese Menschen sind Schuld, wenn die Deutschen ihren Hintern in Sachen Vergangenhaltsbewältigung nicht hochbekommen...


Valerie

Lieber Fürsprecher,
wenn Du den Film gesehen hättest, wüsstest Du, dass es darin gar nicht um die Judenvernichtung geht - das ist es doch, was Du mit "solchen Sachen" meinst. Geschichte kann man nicht bewältigen, nur bearbeiten, und das ist auch gut so. Mit Deinem Denken von "den Deutschen" und "den Ausländern" klingst Du sehr nach NPD. Und die kann sicher nicht über "Mein Führer" lachen, was wiederum für den Film spricht.


auweia

ach ja... die deutschen werden den juden den holocaust wohl nie verzeihen. viel spaß noch am stammtisch!


Roberto

Nicht zu empfehlen. Nein. Es ist besonders schlecht.


Kurt Mann

Ich habe einmal nur gelacht. Schon gut fur ein Comedy...


OMFG

Das ist wirklich der mit Abstand schlechteste und geschmacklosestes Film den ich in meinem ganzen Leben gesehen habe!

Ich habe genau 3 mal gelacht:
-Blondie beim Hitlergruß
-Hitler beim Bettnässen
-Hitler beim Sex: "ist es Ihnen recht so?"

Fertig! Das wars!

Achja und als Blondi aus dem Fenster fällt :)

Ich empfinde Ausdrücke wie "Judenschwein" und "Endlösung" nicht lustig oder in irgendeiner Weise passend für einen Film dieses Genres.

Und wenn hier solche Vögel etwas reinschreiben vonwegen "Vergangenheistbewältigung" bekomm ich eine Krise. Vergangenheit schön und gut aber darüber lachen das Menschen Todesängste litten bei dem Gedanken an eine Dusche? Todesängste bei dem Anblick eines Soldaten?
Nein, sorry kann ich nicht nachvolziehen!

Also Vergangenheitsbewältigung ist das nicht und jene welche auf die Schnapsidee gekommen sind sowas hier reinzuschreiben sollten evtl. mal darüber nachdenken was Sie für einen Schwachsinn hier abliefern.


Ribbo M.

Horrible and wrong. Tax-money-filmamakers go back to school.


John

You guys, this movie sucks. It´s a comedy with nobody laughing. Poor thing paid with tax money. Just watch American movies and be happy.


Benjamin Roth

I saw it yesterday! It´s such a bad movie and a poor script. Filmmakers should go back to school. I suggest you people don´t go and if Germans really need to see a comedy on Nazi time, just watch Mel Brooks´ The Producers and... laugh! Suggestion to the funding board: invest tax money in your possession into film schools and Germany will do better movies.


Rezensent

Großartiger Film, dessen Humor sich der Generation von "Der Schuh des Manitu", "Sieben Zwerge" oder "Jackass" sicher nicht erschließen wird. Geschmack hat bekanntlich veschiedene Richtungen.


Kritiker

An OMFG (flipper1988@gmx.de):

Du bist wieder einer derjenigen, die absolut nichts verstanden haben, weder die Intention des Films noch die deutsche Geschichte wie mir scheint.

Geschmack hat mehrere Seiten, wer diesen Film nicht mag, der mag ihn nicht - kein Problem. Aber mit Halbwissen über die deutsche Nazi-Vergangenheit hier üppig zu "protzen" ist fehl am Platz.


OMFG

An Kritiker:

Protzen? Warum protzen?

Ok, dass mit dem Geschmack muss ich zugeben. Er hat mehrere Seiten. Verzeihung.

Aber Halbwissen? Hm, was soll ich dazu sagen... Naja, stimmt ich war damals nicht dabei (ich schätze mal Sie auch nicht) also kann hier keiner was von Wissen und Halbwissen erzählen. Allerdings genoss ich doch eine gewisse Schulbildung welche mir doch den ein oder anderen Einblick in diese ganze Nazi-kacke gewährte. Dennoch würde ich mich auf keinen Fall als "Fachmann" bezeichnen. Aber ... also.. nix für ungut aber ... Warum zum Teufel Halbwissen? Ich hab nichts was gewusst oder eben nicht gewusst werden kann von mir gegeben.

Gut, wie auch immer, ich habe keine Lust mich jetzt mit Ihnen über diesen (sehr, sehr schlechten) Film zu streiten.
Wünsche noch ein schönen Tag!

MfG


Horst

Alles " Wenn " und " Aber " sollte man bei diesem Film vergessen. Ich als Helge Fan habe mich köstlich Amüsiert. BASTA


Des „Führers“ Hund Blondi beim Hitlergruß – das ist einfach niedlich.

Also ich fand den Film ansich geil! Aber man muss aufpassen das Hitler so nicht eine Kultfigur wird und sich jeder mit "Hitler ,hier" am Telefon meldet. ZUdem ist es ein bischen komisch über Hitler zu Lachen ! Aber auf jeden fall sollte man den Film gesehen haben!


Rigina

Dieser Film sollte verboten werden. Hitler wird hier nicht durch den Kakau gezogen und auch nicht verarscht! sonder als Netter Onkel von neben an dargestellt!
Nach 20 Minuten film wird er einen sympatisch! Wenn mann bedenkt das dieser Film ab sechs Jahren frei gegeben ist wird HItler für Kinder zum Kult!!!! Die Anfangszenen vom Konzentrationslager sind einfach unter aller Sau und ein Hohn auf aller die Dort ihr leben sinnlos lassen mussten auch die Judische Hauptrolle der Professor spottet jeder beschreiblichkeit!!!! Nicht zu fassen das der Resieur sich Jude nennt er sollte wohl besser den Beruf wechseln!


Judith

Habe oder besser gesagt musste den Film gucken (wurde von der Mehrheit überstimmt).
Wie ich es befürchtet hatte war der Film einfach nur furchtbar.
Sowas Realitätsfremdes hab ich selten zu sehen bekommen.
So ein Film müsste verboten werden.
Hier haben unsere tollen Politiker total versagt, denn jeden anderen Film verbieten sie doch auch.
Also warum machen sie das nicht bei so einem Film?
Hier wäre es wirklich mal angebracht.


Claudia

Hitler die Zeit war schon furchtbar ! Ich hae sie nicht mit erlebt aber wir lesen ein Buch in der Schule das heißt ,,Als Hitler das rosa Kaninchen stahl,, (von Judith Kerr) Es lohnt sich das mal zu lesen am besten die gekürzte Schulausgabe da sind hinten noch Infos über die Zeit und mit den Juden so Sachen kann man dort durchlesen !






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.