The Mechanic 2: Resurrection

Jason Statham tötet der Liebe wegen, aber niemand merkt es. Ist das nun ironisches Action-Kino oder liebloser Pfusch?

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Arthur Bishop kann nur leicht verächtlich lächeln, als sich Max Adams (Tommy Lee Jones), einer drei größten Waffenhändler der Welt, mit einer Prinzipien betonenden Argumentation gegen die Zuschreibungen wehrt, denen er sich im Laufe seiner Gangsterkarriere ausgesetzt sah: „A weapons dealer with a moral perspective?“ Und nicht nur Bishop lacht Adams hier aus, im Prinzip hat das der Film als Ganzes schon über seine gesamte Spielzeit getan, die sich hier bereits im letzten Akt befindet. Denn diese (im Alltagsverständnis) gute Moral ist es, die ein Actionfilm der Marke Jason Statham wie The Mechanic 2: Resurrection nicht einfach links liegen lässt, sondern aus deren ironischer Verachtung er sich regelrecht speist. Das ist, blickt man etwa auf die Bond-Filme, sicherlich nichts Neues, der Grad des Insistierens und Austellens ist aber doch auffällig. Immer bezogen auf die Handlung natürlich, die ästhetische Moral steht dagegen so fest wie Stathams Standbein beim nächsten Kick: Alles, was nicht gerade Postkartenmotiv-Potenzial hat, ordnet sich dem ökonomischen Bewegungsbild unter. Was mitunter absurde Ausmaße annimmt: Beim Sex kommt man nicht einmal mehr bis zur Unterwäsche.

Wankelmütigkeit par excellence

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Der Plot ohne Prinzipien jedenfalls, der selbst noch in den verästelteren Erzählstrukturen durchschlägt, lässt sich vor allem an seinem Protagonisten festmachen. Bishop, ein als tot geltender Ex-Killer, wird von einem ehemaligen Kameraden erpresst, drei korrupte, Menschenrechte und Umwelt mit Füßen tretende Bösewichte zu erledigen. Er weigert sich erst einmal, allerdings nur ganze zehn Minuten Erzählzeit lang, in denen er einer Heerschar von bösen Jungs die Beine bricht, ihre Backen an der Barbecue-Station streifig grillt und von einer Gondel auf einen im Flug befindlichen Drachensegler springt. Er will doch nur seine Ruhe haben, hat genug Menschen getötet. Dann nimmt er den Auftrag doch an, entscheidet sich aber nach dem zweiten erfolgreichen Mord wieder um und legt stattdessen an die dreißig Adjutanten seines Gegenspielers um, nur um es sich dann abermals anders zu überlegen und von ihm abzulassen.

Grundlose Ursache

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Hauptursache für diese Wankelmütigkeit ist eine Frau. Oder genauer: soll es sein. Denn von der angeblichen „großen Liebe“ ist nichts zu hören und zu sehen. Jessica Albas (nicht zu altern scheinender) Körper, von dem selbst die Maskenbildner hier wohl so verzaubert waren, dass sie es mit der Wirklichkeitstreue und der continuity der Verletzungen alles andere als genau nahmen, ist erst einmal nur für die sich labende Kamera da. Er ist der einzige Anlass, die maximale Ökonomie der Einstellungs- und Szenenlängen zumindest für kurze Momente zu sprengen und The Mechanic 2: Resurrection zum Verweilen anzuregen. Doch eben diese überreizte Ökonomie lässt nicht nur solche werbeclipartigen Tableaus noch absurder erscheinen, sondern killt eben auch jedwede auf Emotionen beruhende Handlungsweise. Einem Actionfilm vorzuwerfen, keinen Platz für die Gefühlsentfaltung seiner Figuren zu haben, ist natürlich durchaus etwas heuchlerisch, aber The Mechanic 2: Resurrection hängt dann im weiteren Verlauf doch etwas zu viel dran an dieses nicht eingelöste Schema des Begehrens.

Ironie der Zwangsläufigkeit

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Allerdings kann man diese Schizophrenie gerade zu Beginn auch wieder als Ironie lesen, wenn der vom deutschen, zwischen den Produktions- und Genrewelten wandelnden Regisseur Dennis Gansel (Das Phantom, 2000; Die Welle, 2008; Wir sind die Nacht, 2010) verantwortete Film sich über die Zwangsläufigkeit der Liebesbeziehung zwischen Bishop und Gina lustig zu machen scheint. Denn diese wird nicht von den beiden, sondern ausschließlich von ihrem Umfeld bestimmt: dem beobachtenden Feind, der im Glauben gelassen werden soll, seine Falle sei zugeschnappt (und dabei eben zuschnappt!), Bishops alte Freundin, die sie bei einem thailändischen Hochzeitsritual wortwörtlich zusammenbindet. Die Filmwelt selbst scheint den Figuren eine Art Drehbuch vorzugeben, das keine Psychologisierung kennt und auf bereits feststehende Endpunkte zusteuert. Und auch wenn der Originaltitel des ersten, The Mechanic (2011), und der deutsche Titel des zweiten Teils wohl eher auf den Mechaniker, auf die Figur des Handwerkers verweisen, ist es vielleicht doch eher die Übersetzung als „das Mechanische“, was diese Art von Film, seine Rigorosität, treffender perspektiviert. Zum einen in Bezug auf seine Produktionsgeschichte – dass das alles ganz schön zusammengeschustert daherkommt, lässt sich nicht ganz verleugnen –, vor allem aber im Hinblick auf das, was dann eigentlich hauptsächlich gezeigt werden soll: das, wenngleich auf immer neuen Wegen, automatisierte Töten.

Trailer zu „The Mechanic 2: Resurrection“


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