Mean Creek

Ein kleiner US-Autorenfilm mit einem großartigen Ensemble an Jungdarstellern, der die dunklen Aspekte des Heranwachsens beleuchtet: In Mean Creek wird für eine Gruppe Jugendlicher aus einem Streich alsbald tödlicher Ernst.

Mean Creek

Mean Creek beginnt mit einem Akt der Gewalt. Als der übergewichtige Jugendliche George (Josh Peck) sich von seinem Mitschüler Sam (Rory Culkin) dabei gestört sieht, wie er sich selbst mit seinem Camcorder beim Basketballspielen filmt, schlägt er den schmächtigen und weit schwächeren Jungen brutal zusammen. George ist das, was man an amerikanischen Schulen einen „Bully“ nennt – ohne ersichtlichen Grund schikaniert und drangsaliert er seine Mitschüler, sowohl psychisch als auch physisch.

Nachdem Sams älterer Bruder Rocky (Trevor Morgan) von den schmerzlichen Erfahrungen des Schulalltags erfährt, beschließt man, sich gemeinsam an dem allseits unbeliebten Aggressor zu rächen. Zusammen mit einigen anderen Freunden planen sie, George auf eine Flussfahrt einzuladen, während deren Verlauf sie ihn seiner Kleidung berauben und nackt zurücklassen wollen. Doch die Racheaktion verläuft anders als erwartet und endet mit tragischen Folgen, die das Leben der Jugendlichen für immer verändern werden.

Jacob Estes ist mit seinem Spielfilmdebüt eine beachtenswerte Coming-of-Age-Erzählung gelungen, die Vergleiche mit Klassikern des Genres wie Das Messer am Ufer (The River’s Edge, 1986) oder Stand by Me (1986) nicht zu scheuen braucht. Wie diese betont auch Mean Creek die düsteren Aspekte des Heranwachsens, indem er seine Gruppe von jugendlichen Protagonisten vor dem Hintergrund einer urwüchsigen Natur dem Tod begegnen lässt. Doch auch wenn Assoziationen an besagte Filme geweckt werden, so verfügt Regisseur Estes, der gleichfalls das Drehbuch verfasste, über eine ganz eigene, unprätentiöse Handschrift. Er versagt sich dem Potential an Sentimentalität und Suspense, das der Stoff bereithalten würde und inszeniert ein sprödes, nichtsdestotrotz spannendes Drama, das die innere Entwicklung seiner Protagonisten in den Mittelpunkt stellt.

Stets dicht bei den Figuren bleibend, bringt uns Mean Creek eine authentisch wirkende Welt der Jugendlichen nahe, die vor allem von direkter oder unterschwelliger Gewalt bestimmt wird. Selbst in den scheinbar harmlosen Spielen der Heranwachsenden setzen sich ein latenter Sadismus und unterdrückte Aggressionen frei. Im Spaß wird der sensible Clyde (Ryan Kelley) seitens seiner Freunde immer wieder verbal schikaniert, indem sie ihn als „Tunte“ bezeichnen. Der Halbstarke Marty (Scott Mechlowicz) absolviert seine Schießübungen auf Flaschen, die er in seiner Vorstellung personifiziert. George schenkt Sam eine Wasser-Pump-Gun mit den Worten: „Wir können mal Krieg spielen.“ Mit dieser Äußerung verdeutlicht Estes, dass er die Gewaltakte der Jugendlichen als naive Imitation und Vorwegnahme der Erwachsenenwelt sieht. Indirekt erzählt Mean Creek somit auch von einer ganzen Kultur, die auf Gewalt und Aggression fußt.

Doch aus dem Spiel mit der Gewalt wird im Verlauf des Films bitterer Ernst. Wie in Joseph Conrads Novelle Heart of Darkness oder aber auch in James Dickeys Roman Deliverance (1972 durch John Boorman unter gleichnamigen Titel verfilmt) dient die Flussfahrt, an deren Ende das Grauen wartet, als eine wirksame Metapher für den Eintritt in eine düstere, andere Dimension des Selbst. Durch das Unglück, das ihnen während ihres Ausfluges geschieht, treten die Jugendlichen in die Welt der Erwachsenen ein, in der ihre Spiele und Späße die Gültigkeit verlieren. Der Tod eines der Anwesenden zwingt sie, vorschnell reifen zu müssen und sich kindheitsfremden Kategorien wie Schuld, Moral und Verantwortung zu stellen. Es sind die beunruhigenden und für jeden Heranwachsenden problembeladenen Bruchstellen im Stadium der Adoleszenz, denen Jacob Estes mit seinem Film auf glaubwürdige Weise ein Gesicht verleiht.

Dabei erzielt Mean Creek seine Stärke vor allem aus einem Gefühl von Unmittelbarkeit und Authentizität, das durch eine naturalistische Inszenierung erzeugt wird. Kameramann Sharone Meir hat den Film größtenteils aus der Hand und mit natürlichem Licht gedreht, was ihm erlaubt, dicht bei den Darstellern zu bleiben. Seine leicht verwackelten Bilder vermitteln eine Ahnung der emotionalen Unruhe und Fragilität des Teenager-Lebens, während die Ikonographie der Natur eine tiefe Verlorenheit der Jugendlichen zum Ausdruck bringt. Das Bild ihres kleinen Bootes, das den ruhigen Fluss hinuntertreibt, umgeben von urwüchsigen Wäldern, versinnbildlicht eindringlich das emotional, wie psychisch unwirtliche Terrain der Pubertät.

Die eigentlich tragende Säule von Estes Inszenierung aber bildet das Schauspiel. Mean Creek ist ein Erfolg des Ensembles um Rory Culkin, Ryan Kelley, Scott Mechlowicz, Trevor Morgan, Carly Schroeder und Josh Peck. Jeder einzelne unter ihnen weiß durch eine sensible, realistische Darstellung zu überzeugen, die der Komplexität von Teenagerexistenzen gerecht wird. Hervorzuheben ist aber dennoch Josh Pecks psychologisch differenzierte Verkörperung des George. Ihm ist es zu verdanken, das die entscheidende Figur des „Bullys“ nicht zu einer eindimensionalen Schablone aus Bösartigkeit verkommt, sondern die verschiedensten Facetten ihrer Persönlichkeit freigelegt werden. Peck gelingt der darstellerische Spagat, George gleichzeitig als Täter und Opfer, furchteinflößenden Schläger und sympathischen Jungen zu porträtieren, dessen Wutausbrüche lediglich eine große Einsamkeit kaschieren.

Mean Creek lässt uns das universale Teenager-Problem des „Bully“ aus einer humanistischen Perspektive betrachten, so dass der den Film einleitende Gewaltakt am Ende verständlicher wird: Sams Neugierde an Georges Camcorder löst den Streit zwischen den Jungen erst aus, da dieser dem ungeliebten „Bully“ zu einem beschützenswerten Ersatzobjekt für abwesende Eltern und nicht vorhandene Freunde geworden ist. Der Auslöser der Gewalt scheint nichts als ein Mangel an Liebe zu sein.

Kommentare


camila castro camargo

adorei o filme mean creek, principalmente a atuaçao de trevor morgan...ele e um otimo ator alem de ser tambem muito lindo....!!!eu o amo!!






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