Masterminds

Ein künstlerischer Seitensprung des Napoleon-Dynamite-Regisseurs: Basierend auf einem wahren, als „Hillbilly-Heist“ getauften Raub lässt Jared Hess den Hinterwäldler-Habitus seiner Protagonisten mit der Außenwelt kollidieren. Mit zwei Jahren Verspätung gibt es den Film nun auf DVD.

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David Ghantt (Zach Galifianakis) sucht einen Ausweg. Seine Fast-Angetraute Jandice (Kate McKinnon) lässt ihn bereits für Hochzeitsfotos vor der Wohnwagensiedlung posieren, seinen Pick-up muss er durch eine Holztür betreten, und sein Job als Geldtransporterfahrer bringt statt Abenteuer nur Monotonie und Uniformen mit kurzen Hosen. Dann trifft Ghantt auf die Südstaatenschönheit Kelly Campbell (Kristen Wiig), der er kurz darauf in feinstem Blümchenhemd und mit roten Rosen in der Hand den Hof macht. Was der Rosenkavalier für ein Date hält, ist für Kelly und ihren alten Freund Steve Chambers (Owen Wilson) die perfekte Gelegenheit, Ghantt zum Überfall auf seinen Arbeitgeber Loomis Fargo & Company zu überreden. Natürlich willigt er ein. Der 15-minütige Sketch, der Ghantt im Folgenden durch verschiedene Sicherheitskameras dabei zeigt, wie es ihm tatsächlich gelingt, einen ganzen Transporter mit Bargeld zu beladen, beruht auf einer wahren Begebenheit. „Hillbilly-Heist“ tauften die US-Medien den Loomis-Fargo-Raub, bei dem die „Masterminds“ um Steve Chambers 1997 Bargeld im Wert von 17 Millionen Dollar erbeuteten.

From Rag to Riches

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Nach dem Raub taucht Ghantt mit einer Hose voll Bargeld in Mexiko unter, während Chambers – der nie die Absicht hatte, die Beute zu teilen – keine Zeit verliert und ihm das FBI und den Auftragskiller Mike McKinney (Jason Sudekis) hinterherschickt. Das Tempo, mit dem Jared Hess noch in der Exposition von Trailerpark-Alltag zu Planung und Vollstreckung des Raubs durch den Plot hetzt, kommt mit der Trennung der Hillbilly-Verschwörer-Gruppe fast vollständig zum Erliegen. Interaktionen zwischen den Hauptfiguren beschränken sich nunmehr auf Telefongespräche. Sind die Plotpoints telefonisch vermittelt, geht Masterminds zu Montage-Sequenzen über, in denen dem jeweiligen Umfeld angepasste Klischee-Witze reihenweise abgehakt werden. Für Ghantts Mexiko-Exil steht die dankbare Comedy-Paarung zwischen scharfer Burritomahlzeit und Durchfall bereit, während bei Chambers und seiner Hillbilly-Sippe die Beute von 17 Millionen Dollar für Zigarren, übergroße Selbstporträts und lustige Autos rausgeschmissen wird.

Corn dog at the Hotdog-Party

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Gelungene Momente finden sich in Masterminds immer dann, wenn Jared Hess den Hinterwäldler-Habitus seiner Protagonisten mit der Außenwelt kollidieren lässt. Beim Versuch, in seiner absurden Verkleidung nicht aufzufallen, tritt Ghantt einer sichtlich verstörten Kassiererin in Axl-Rose-Perücke und schief liegenden Katzenaugen-Kontaktlinsen gegenüber, während er versucht, aus seinem mit Geldbündeln aufgeblähten Hinterteil einen Geldschein hervorzufummeln. Eine Szene, die zunächst wie ein Comedy-Gemeinplatz wirkt, im Film aber einen der seltenen Lacher produziert, weil Ghantts obskures Verhalten hier einmal nicht unter Gleichgesinnten passiert, sondern ein Gegengewicht bekommt. Für die weitere Laufzeit stumpft das komödiantische Potenzial der Protagonisten aus Mangel an Reibungspunkten in der erzählten Welt immer weiter ab. Hess verwendet viel Zeit auf Milieuhumor, der nur um sich selbst kreist. Keine der Haupt- oder Nebenfiguren wird ihr vordergründiges Hillbilly-Stigma los, auf deren Basis Hess völlig beliebige Slapstick-Plattitüden durchexerziert. Die wenigen wirklich komischen Szenen, mit denen der Film noch aufwarten kann, sind ausnahmslos Einzelleistungen des Star-Ensembles geschuldet, das bis in die kleinsten Nebenrollen aus der Comedy-Elite des US-Kinos, genauer gesagt den Stammmitgliedern von Saturday Night Live besteht.

Aus der Eintönigkeit in die Eintönigkeit

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Masterminds ist Jared Hess’ erster Film, der nicht auf einem Drehbuch seiner Frau Jerusha Hess basiert, und wirkt tatsächlich wie ein künstlerischer Seitensprung. Von dem liebenswürdig-exzentrischen Humor, den Jared und Jerusha in vorigen Filmen aus den Begegnungen ihrer schrulligen Figuren extrahierten, ist in Masterminds nichts zu sehen. Stattdessen werden massentaugliche Comedy- und Actionhülsen abgearbeitet. Das erstaunt nicht zuletzt, weil sich der vollbärtige Topfschnitt-Hillbilly David Ghantt zumindest auf den ersten Blick nahtlos in die Riege der Hess’schen Außenseiterfiguren einreiht. Wie der High-School-Loser Napoleon Dynamite (2004), der Klosterkoch und Teilzeit-Luchador Ignacio aus Nacho Libre (2006) oder der Möchtegern-Science-Fiction-Autor Benjamin aus Gentlemen Broncos (2009) durchbricht Ghantt sein eintöniges Dasein, um den naiven Traum eines Abenteuers zu leben. Etwas Neues kriegt er dabei allerdings nicht zu sehen.

Trailer zu „Masterminds“


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