Mamma Mia!

Vergesst Sex and the City: Mit viel Gefühl und Tanz wirft sich Mamma Mia! in die Arme eines Abba-gläubigen Publikums – und präsentiert sich als ultimatives Chick-Flick des Sommers.

Mamma Mia!

Ach, Abba: Das ist inzwischen klassisch gewordener Pop irgendwo in den unwegsamen Gebieten zwischen Schmalz und Bombast, wo Feuerzeugschwenken und ausgelassener Tanz sich ein Stelldichein geben. Das sind im visuellen Gedächtnis vor allem Archetypen der 1970er Jahre: Grässliche Kleidung in Primärfarben und Haarzurichtungen, für die man heute durch die Gesellenprüfung für Friseure fallen würde.

Wir dürfen also dankbar sein, dass Phyllida Lloyd sich für ihre Filmversion des Abba-Musicals Mamma Mia! dagegen entschieden hat, die Ausstattung mit Abba-Reminiszenzen zu überfrachten. Stattdessen finden wir uns in einem zeitlos-modernen Griechenland, in dem die Frauen gerne luftige Kleider tragen und die hellen Farben von Kleidung und Gebäuden allerliebst mit dem tiefen Blau des Meeres kontrastieren.

Mamma Mia!

Eine ganz andere Frage ist es allerdings, ob es der Abba-Verehrung angemessen ist, die 1970er Jahre, wenn sie denn aufgerufen werden, vor allem parodistisch darzustellen – bei einigen der Gesangseinlagen lassen die Figuren ihre Vergangenheit wieder aufleben und werfen sich in Kostüme mit viel Glitter und absurd hohen Plateausohlen. Glücklicherweise nehmen aber weder Musik noch Film dadurch großen Schaden.

Donna (Meryl Streep) lebt gemeinsam mit ihrer 20-jährigen Tochter Sophie (Amanda Seyfried) auf einer kleinen griechischen Insel, wo sie ein Hotel betreibt, das nicht besonders gut läuft und zunehmend herunterkommt. Sophie würde gerne erfahren, wer ihr Vater ist, ihre Mutter hält sich zu diesem Thema allerdings bedeckt. Aus einem alten Tagebuch ihrer Mutter erfährt Sophie, dass einer von drei Männern (Pierce Brosnan, Colin Firth und Stellan Skarsgård) ihr Vater sein könnte – und lädt kurzerhand alle drei zu ihrer unmittelbar bevorstehenden Hochzeit ein.

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Vor dem Hintergrund der Tourismuskatalogslandschaft samt pittoresk herumeilenden griechischen Ureinwohnern – die Moderne hat auf dieser Insel nur in sehr begrenztem Umfang Einzug gehalten – entspinnt sich so ein Kräfte-, Versteck- und Verwirrspiel, denn Donna ist nicht eben erpicht auf die Anwesenheit dieser drei Männer, ahnt aber nichts von den Gründen ihrer Tochter, sie dennoch einzuladen.

Was das alles mit der Musik von Abba zu tun hat, ist eine durchaus berechtigte Frage, und die Antwort ist einfach: nichts. Die Musical- und jetzt Filmhandlung wurde vielmehr um die bekanntesten Abba-Stücke herumgeschrieben, was schon einmal die Möglichkeit weitgehend ausschließt, dass sich die Stücke und die Handlung zu einem wirklich komplexen Ganzen formen.

Mamma Mia!

Catherine Johnsons Drehbuch nach ihrem eigenen Libretto findet mal mehr, mal weniger passende Stellen, um bestimmte Songs einzubauen – und manchmal setzen die Lieder mit leichtem Augenzwinkern wenigstens für Momente ironische Kontrapunkte zur rührseligen Geschichte. Das ist das kleine Gläschen Schnaps, durch das der großzügig bemessene Topf Gefühlsschmalz, mit dem die Handlung ausgebacken wurde, erst verdaulich wird.

Aber niemand muss oder soll Mamma Mia! wirklich für bare Münze nehmen. Von der ersten Einstellung an – da gleitet ein Boot in romantischem Licht völlig geräuschlos und ohne sichtbaren Antrieb zielstrebig übers Wasser – ist der Film fest in einer Fantasiewelt verankert. Die Inszenierung tut ihren Teil dazu, indem sie immer wieder Bühnensituationen aufruft und damit gezielt Distanz zum Geschehen schafft. So finden sich für alle Figuren zahlreiche Gelegenheiten, spontan in Gesang und Tanzschritte auszubrechen.

Mamma Mia!

Das Ensemble hat offenbar großen Spaß am bewusst albernen Treiben – Meryl Streep reißt Augen und Mund auf und präsentiert ihre Donna mit Mut auch zur Hässlichkeit als hippiesken Gegenentwurf zu ihrer gefühlskalten Miranda Priestly in Der Teufel trägt Prada (The Devil wears Prada, 2006). Gelegentlich betreibt sie Overacting, dass es eine Freude ist, und kann dann doch – wenn sie etwa im Streit mit einem ihrer Ex-Lover „The Winner Takes It All“ intoniert – mit ganz zurückhaltendem Spiel die Sorgen und Verletzungen ihrer Figur hervorbringen.

Und natürlich mit Gesang. Dass die Schauspieler die Abba-Songs selber singen, ist bei Streep eine Freude, bei manchen anderen zumindest gewöhnungsbedürftig. Pierce Brosnan etwa strapaziert seine Stimmbänder spürbar; sogar das wirkt aber eher charmant unvollkommen, als dass man es als Schwäche wahrnehmen wollte.

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