Malavita – The Family

Luc Besson will in komödiantischer Form von einer Gangster-Familie erzählen, die nicht aus ihrer Haut kann.

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Es ist die gegensätzliche Entsprechung verbrauchter Gesichter zweier alternder Stars, die in Luc Bessons neuem, als Actionkomödie ausgeschriebenem Film den vielleicht einzigen guten Witz darstellt: Hier Robert De Niros eingefallene Furchenlandschaft mit ungepflegtem Bartgestrüpp, dort die auf Spannung geliftete Augenpartie der Michelle Pfeiffer, deren hochnäsige Sexyness sich trotz aller plastisch-chirurgischen Eingriffe noch nicht ganz unterkriegen lässt (oder gerade deswegen betont wird?). Die mimischen Wandlungen im letzten Drittel von Malavita – The Family (The Family), das Besson gewohnt solide als ausgedehntes Thriller-Finale inszeniert, sind klassisches Method Acting in Perfektion und, ganz Mafiafilm, streng geschlechterkodiert: Mit der immer konkreter werdenden Bedrohung – die im Zuge eines Zeugenschutzprogramms in ein kleines Dorf in der Normandie umgesiedelte Familie des Ex-Paten Manzoni (De Niro) wird von rachelüsternen Ex-Kollegen des Syndikats heimgesucht – weicht die spitzbübisch lockere Verschmitztheit der männlichen Hauptfigur konzentrierter Strenge, und das Frauengesicht löst sich mehr und mehr in ein tränenreich verzerrtes Bild der Sorge auf (auch diesbezüglich scheint die Anzahl der Botoxbehandlungen noch gut dosiert).

Unentschieden zwischen Genre-Skizze und deren Karikatur

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Die Idee, die Figur des Mafiagangsters, eine der Schlüsselrollen in De Niros langer Schauspielkarriere (Der Pate – Teil II, The Godfather Part II, 1974; Die Unbestechlichen, The Untouchables, 1987), mit diesem selbst zu parodieren, ist nicht neu: In der sehr erfolgreichen Komödie Reine Nervensache (Analyze This) mimte De Niro 1999 den Syndikatsverbrecher Paul Vitti, der sich mit Erektionsproblemen und seiner dadurch angekratzten Psyche herumschlagen muss. Im Wechselspiel mit Comedian-Fachmann Billy Crystal drückte er damals in bester Screwball-Manier aufs Witze-Gaspedal, der Film gilt aus heutiger Sicht als Durchbruch De Niros im Komödienfach und als sein spätes Ankommen im Hollywood-Mainstream. Malavita – The Family springt zwar nicht auf diesen genuin parodistischen Zug auf, sondern wagt einen etwas unentschlossenen Mittelweg zwischen klassischer Genre-Skizze und deren Karikatur. Dennoch wird sehr deutlich, dass De Niro nur mit einem entsprechenden Ensemble so wirklich gut in einer Komödie aufgehoben ist: als Gegengewicht zu wortgewandten Slapstick-Akrobaten wie eben Billy Crystal oder etwa Ben Stiller und Dustin Hofmann in den Meet The Parents / Meet The Fockers-Filmen.

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Folgerichtig tut Besson, der auch am Drehbuch beteiligt war, gut daran, kein pointiertes Dialogfeuerwerk abzubrennen. Stattdessen versucht er, den Humor in erster Linie aus dem erzählten Clash der Kulturen zu gewinnen: italoamerikanische Gangster-Familie trifft auf französischen Landcharme, man muss sich aneinander gewöhnen. Leider bleibt Malavita – The Family hierbei verheerend platten Witzen verhaftet, die zumeist nicht nur nicht pointiert sind, sondern auch lediglich billige Kulturklischees bedienen: der Franzose als historisch gebildeter Feinschmecker, der Amerikaner ein peanutbuttersüchtiger Barbecue-Fetischist. Ah ja.

Ein selbstbezüglicher Starpersona-Flachwitz

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Bleibt noch die mediale Meta-Ebene, die im Verlauf des Films aber gerade auch formal, mit Ausnahme einiger weniger ineinander gefalteter Flashback-Sequenzen, nie so richtig ausgespielt wird. Manzoni findet im Müll eine alte Schreibmaschine und beginnt mit autobiografischen Notizen. Die dadurch vermehrt subjektivierte Filmerzählung, ein typisches Stilmittel des Mafiafilms, verkümmert jedoch als Zitat eines Zitats, das zu keinerlei Zuspitzung führt. (Wenngleich man dem erzählerischen Kniff, dass es dann letztlich gerade ein notierter Spruch von Manzonis Sohn ist, der den Standort des Familienverstecks preisgibt, ein wenig versteckte Ironie unterstellen könnte.)

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Ähnlich ergeht es einer zentral gesetzten Film-im-Film-Szene, die zum selbstbezüglichen Starpersona-Flachwitz verkommt: Manzoni, der sich vor den Nachbarn als Schriftsteller ausgibt, wird prompt als Gesprächspartner mit Expertise zu einer Filmvorführung von Vincente Minellis Verdammt sind sie alle (Some Came Running, 1958) eingeladen. Doch das Filminstitut schickt eine falsche Kopie, was kurz vor Beginn zu einer Programmänderung führt. Gezeigt wird: GoodFellas (1990), Scorseses Mafia-Epos mit, ja genau, Robert De Niro in der Hauptrolle. De Niro als Manzoni schaut De Niro als Jimmy Conway. Nett, aber irgendwie nicht zwingend, und schon gar nicht witzig. Besser macht es auch hier Reine Nervensache bzw. dessen Sequel Reine Nervensache 2 (Analyze That, 2003), in welchem der Beraterjob von De Niros Figur am Set einer Mafia-TV-Serie produktiv in die ironische Selbstbespiegelung eingebunden ist. In Malavita - The Family wirkt diese Referenz-Figur auf formaler wie inhaltlicher Ebene stets uninspiriert gefällig, auch gerade weil der Film mit andauernder Spielzeit so darauf pocht und sich damit zunehmend in seiner männlichen Hauptfigur festbeißt. Der sehr viel interessantere Ansatz, die übrigen Familienmitglieder eines von Gewalt und Korruption geprägten Gangster-Alltags auch einmal psychologisch genauer zu studieren, verkommt dadurch schnell wieder zu einem Seitenarm.

Trailer zu „Malavita – The Family“


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