Männertrip

Nicholas Stollers zweiter Film lässt einen exaltierten britischen Rockstar von der Leine: Ein Drogentrip als Komödie mit philosophischen Anwandlungen.

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Für Aaron Green (Jonah Hill) ist es eigentlich ein Traumjob: Anstatt immer nur an seinem Schreibtisch zu sitzen, soll der Mitarbeiter eines Musikvertriebs eines seiner Idole in London abholen und nach Los Angeles bringen. Allerdings ist Aldous Snow (Russell Brand) derzeit beim Publikum nicht besonders gut gelitten: Nach seinem so phänomenal schlechten wie peinlichen Album African Child – für ein Musikvideo präsentierte er sich als „Weißer Afrikanischer Christus aus dem Weltall“ – und der Aufsehen erregenden Trennung von seiner Partnerin Jackie Q (Rose Byrne) ist er wieder zu seinen alten Gewohnheiten zurückgekehrt, die vor allem im reichlichen Konsum von Alkoholika und anderen Drogen bestehen.

Aaron soll Aldous dazu bringen, dennoch wirklich zu einem Comeback-Konzert auf der Bühne des berühmten Greek Theatre zu erscheinen. Der eher brave und pflichtbewusste Angestellte gerät so in eine Welt, die nicht die seine ist – Flugzeuge werden verpasst, Rauschzustände hergestellt, Gesetze gebrochen; und schon bei der ersten Begegnung sind sich Fan und Idol natürlich herzlich unsympathisch.

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In einem anderen Universum wäre dies der Beginn einer Katastrophengeschichte, aber dieser Film kreist mit vielen anderen um ein Zentrum, das Judd Apatow heißt, und deshalb handelt es sich um eine Komödie. Apatow ist als Regisseur, mehr aber noch als Produzent inzwischen ein fester Name im amerikanischen Kino, unter seiner Betreuung entstanden so unterschiedliche, aber durchweg hochkomische Filme wie Der Anchorman (Anchorman: The Legend of Ron Burgundy, 2004), Jungfrau (40), männlich, sucht (The 40 Year Old Virgin, 2004), Superbad (2007) und Stiefbrüder (Step Brothers, 2008).

Für Männertrip (Get Him To The Greek) arbeitet Apatow zum zweiten Mal mit Nicholas Stoller zusammen, der zuvor schon bei Nie wieder Sex mit der Ex (Forgetting Sarah Marshall, 2008) Regie geführt hatte. Männertrip kann insofern als Spin-Off dieser eher harmlosen Komödie verstanden werden, in der Aldous Snow bereits einen Auftritt als neuer Lover der Titelfigur Sarah Marshall und damit Widersacher des Protagonisten hat.

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An dieser Stelle enden die Bezüge allerdings auch schon wieder (Jonah Hill ist in Nie wieder Sex mit der Ex sogar in einer Nebenrolle als ganz andere Figur zu sehen). In Männertrip geht es zwar am Rande auch um Liebesbeziehungen, der Film präsentiert sich allerdings erst einmal als überzogener Drogentrip, der eine groteske Satire über das Musikgeschäft und seine Protagonisten zu sein vorgibt. Dafür werden gerne komödiantische Standards bedient, die Kamera dreht sich, fest auf Hills zuckendes Gesicht gerichtet, im Kreise, Ausscheidungen aller Art werden thematisiert und in Szene gesetzt, bis irgendwann auch, so viel Verweis auf Pulp Fiction soll sein, eine Adrenalinspritze in den Brustkorb zum Einsatz kommt.

Immer wieder aber bremst der Film seine hochtourige Drastik, um die beiden Protagonisten ruhigere, oft nachdenkliche und melancholische (wenn auch zuweilen etwas wirre) Gespräche führen zu lassen. Worum es da eigentlich geht, ist oft gar nicht so genau auszumachen, weil Themen und Argumentationen hin und her mäandern, ohne je richtig abgeschlossen zu werden. Es geht wohl um Selbstfindung und darum, Frieden mit der eigenen Vergangenheit zu schließen (vor allem für Aldous) – aber eben auch (für Aaron) ums Lockerlassen, um den Mut zu eigenen Entscheidungen.

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Dass Männertrip weitgehend auf dem Reflektionsniveau einfacher Selbsthilfebücher verbleibt, mag man dem Film schon deshalb gerne verzeihen, weil alle Darsteller das mit großer Verve überspielen. Vor allem Brand hatte seinen Aldous Snow schon in Nie wieder Sex mit der Ex durch seine schiere Präsenz zu einer zweiten Hauptfigur gemacht, und er spielt den Rockstar hier als konsequenten Egoisten, der so entspannt wie entschlossen seine Bedürfnisse und Süchte vor alles andere stellen kann, dann aber plötzlich zwischendurch auch mal sein sehr weiches Herz für andere wiederfindet; nie weiß man, wofür er sich im nächsten Moment entscheidet.

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Das Tempo bleibt so hoch, und da die anderen Darsteller – von Sean Combs als Aarons Chef über Elisabeth Moss als seine Freundin und zahlreiche Gastauftritte von Stars und Sternchen bis hin zu Colm Meaney als Aldous’ Vater – Gags aneinanderreihen, ohne je einen falschen Ton zu treffen, wird man die Zeit mit dieser Komödie auf Speed sicherlich nicht bereuen.

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