Männer die auf Ziegen starren

Die Rückkehr der Jedi-Ritter – Grant Heslov präsentiert in seiner absurden Militärsatire die furchtbarste Waffe der US-Armee: eine paranormale Psychokämpfertruppe aus New-Age-Hippies.

Männer die auf Ziegen starren

Es gibt im Kino Geschichten, die derart konstruiert und abstrus daherkommen, dass sie schlicht wahr sein müssen, sonst wäre nicht erklärlich, wie man auf so etwas kommen kann: Im Jahr 2005 erschien Jon Ronsons Sachbuch Männer, die auf Ziegen starren, in dem er die dubiosen Versuche der US-Army der 1980er Jahre beleuchtete, mit Hilfe parapsychologischer Forschung einen Trupp von Sehern mit spiritueller Kampfkraft zu schaffen.

Nun haben sich George Clooney und sein Regie führender Schauspielkollege Grant Heslov der Story um die New-Age-Krieger angenommen und – zu Recht – das subversive Potenzial für eine aberwitzige Militärsatire erkannt: Denn wenn die mächtigste Armee der Welt einen posttraumatisch lädierten Vietnam-Veteranen (Jeff Bridges) engagiert, um dessen Vision einer parapsychologischen Kämpfertruppe umzusetzen, wenn daraufhin langhaarige Hippies in Militäruniformen im Love-and-Peace-Drogendunst umhertänzeln, wenn hochrangige Militärs mit entrücktem Blick mit dem Kopf durch die Wand zu rennen versuchen, dann prallen gegensätzliche Stereotypen in derart großer Wucht aufeinander, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Doch von Anfang an wird eines klargestellt: Männer, die auf Ziegen starren (The Men Who Stare At Goats) basiert auf einer wahren Geschichte. Dabei hat Autor Peter Straughan akribisch Unglaubliches und Skurriles aus Ronsons Buch zusammengetragen und eine Story um die Aberwitzigkeiten herumkonstruiert.

Männer die auf Ziegen starren

Es ist das Jahr 2003: Als Kleinstadtreporter Bob Wilton (Ewan McGregor) von seiner Frau verlassen wird, glaubt er sich durch einen todesmutigen Kriegsberichtserstatterjob im Irak beweisen zu müssen. Indes landet er in einer Hotelbar in Kuwait, einem Sammelpunkt für amerikanische Vertreter, die auf Lieferaufträge hoffen. Dort trifft er auf den Geschäftsmann Lyn Cassidy (George Clooney), der alsbald offenbart, Superkräfte zu besitzen und ehemaliger „Jedi-Krieger“ und Super-Kämpfer einer ultrageheimen experimentellen Psycho-Kampfeinheit aus den 1980er Jahren zu sein. Per Telepathie und Fernwahrnehmung sollte diese den Feind dereinst in die Knie zwingen. Bob – der die Chance auf eine Story wittert – schließt sich dem frühpensionierten Psych-Warrior auf dessen Fahrt in die irakische Wüste an. Per Rückblende erfährt das Publikum von der Geschichte der New Earth Army, von der Idee, Konflikte gewaltlos zu beenden, und lernt so allerlei über holistisch-esoterische Kampftechniken. Der echte Krieg indes ist Tummelplatz für umtriebige amerikanische Kriegsprofiteure und Geschäftemacher, auf dem sich – wenn überhaupt – nur rivalisierende amerikanische Privat-Sicherheitsdienste verbissene Kämpfe liefern.

Männer die auf Ziegen starren

Männer, die auf Ziegen starren verwendet viel Energie auf die Dekonstruktion von New-Age-Mythen, deren sich ausgerechnet die Militärmaschinerie bemächtigt, um sie, im Militärjargon klassifiziert, auf strategische Plangröße zu bringen: die Antikriegsbewegung als Kriegswaffe und irrationales Wunschdenken als Kampfstrategie.

Doch in diesem absurden Aufeinanderprallen zweier Welten erschöpft sich Heslovs Film auch. Was vor allem durch Bobs kommentierenden Voice-over eine bissig-satirische Reise eines wenig hellen Kleinstadt-Journalisten zum „Herz der Finsternis“ hätte werden können, bleibt ein rückblendenlastiges Roadmovie nach Nirgendwo. Der Film bleibt quasi narrativ in der Begeisterung über seine Grundidee stecken und verschenkt somit viel von seinem Potenzial.

Männer die auf Ziegen starren

Dass er trotz dieser sichtlichen Handlungsschwäche viel kurzweilige Unterhaltung bietet, liegt an den Figuren und ihren Darstellern, die mit bitterem Ernst jede Typisierung bedienen, sowie an den mittelbaren Reverenzen an das Kino selbst: Jeff Bridges als kiffender Gründer der New Earth Army legt seine Gestalt als eine Art uniformierten Dude aus The Big Lebowski (1998) an, Ewan McGregor – in George Lucas zweiter Star-Wars-Trilogie (1999, 2002 und 2005) als Jedi-Meister Obi Wan Kenobi weltbekannt – hat von „Jedis“ überhaupt keine Ahnung. Georg Clooney gibt den Psych-Warrior glaubhaft an der Grenze zum Wahnsinn, und Kevin Spacey ist als verschlagener Fiesling in gewohnter Qualität glaubwürdig.

Als Militär- und Anti-Kriegs-Satire bleibt Männer, die auf Ziegen starren jedoch allzu sehr an der Oberfläche. In Zeiten politisch korrekten amerikanischen Mainstreamkinos ist aber auch oberflächliche Subversion schon ein erheblicher Gewinn.

Trailer zu „Männer die auf Ziegen starren“


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Kommentare


max

komme eben aus dem kino... und muss leider sagen, dass ich selten so einen schrott gesehen habe!


Aso

Hollywood musste sich wahrscheinlich entscheiden ob sie einen Triller oder eine Komödie aus dem Thema machen. Film ist gut. Die Kritik bringts auf den Punkt.


Jan

Also.. komme auch gerade aus der Vorstellung (die nicht gerade sehr besucht war) und muss sagen...

Ne..

Sorry aber ..

-> ne > neee


Holger

hi ,
war gestern in dem Film und also das war ja wohl gar nichts... schwache Handlung, schwache Witze, also zumindest bei uns hat so gut wie keiner auch nur ein lächeln rausgelassen und es waren zumindest mal 100 Leute in dem Kino...
Spannungsbogen was das denn ? also ganz schlechtes Kino


holly

Ich kann es kaum glauben,aber dieser Film war soooo schlecht. Wenn ich eine Fernbedienung gehabt hätte, wäre die Vorführung nach 15 Minuten vorbei gewesen. Ich will mein Geld zurück. Was ist an diesem Film witzig sein soll, kann ich nicht sagen.
Doch jetzt fällt es mir wieder ein: die langen Haar der Darsteller, das war es schon.

Geht nicht rein, vereimern kann ich mich auch anderes.


AndiR

Was hab ich mich auf den Film gefreut... Und dann? Der Eismann hätte mir mal bitte noch Streichhölzer dalassen sollen.
Kritik, ja schön, aber kann man die nicht besser verpacken?
Wenn ich bei solchen Klasseschauspielern noch an mein Bett denk is echt was faul...
Gegen Ende hab ich dann auch nich mehr aufgepasst, die Selbstregulation hab ich dann einfach nicht mehr aufbringen können, traurig aber wahr :(


LaGioconda

Tragisch! Tolle Schauspieler und ein Nichts an Drehbuch, an Story, keine einzige Pointe. Ein Film, der dem Zuschauer ständig zuruft: Wir sind absurd! Wir sind satirisch! Wir sind komisch! Und je lauter es ruft, desto frustrierter drückt es einen in den Kinosessel und man hofft, dass es möglichst bald zu Ende ist.

Das Merkwürdigste an diesem Kinobesuch heute: Es haben tatsächlich ein paar Leute mehrfach gelacht. Keine Ahnung warum.


Feldhueter

Der Film ließ mich zunächst einmal verwirrt zurück.
Au der einen Seite stellenweise brüllend komisch, dann bliebe einem das Lachen wieder im Halse stecken.
Die Verwirrung ist jedoch gewollt.
Einige brilliante Ansätze, klasse Schauspieler - und leider auch einige Längen.
Mehr war aber wohl in Sachen Kritik im Nach-George-Bush Amerika nicht drin.
Bitte noch einmal neu verfilmen mit der gleichen Besetzung aber dann bitte Terry Gilliam auf dem Regiestuhl.


godofzilla

Keine wirklich guten funny Szenen - musste nur ein einziges Mal grinsen - Stichwort: bewusstseinserweiternde Darmspuelung.
Faellt den niemand von den Filmmachern beim Durchlesen des Drehbuchs auf, dass fast ueberhaupt nix daran witzig ist. Oder versucht hier eine Truppe "Nichthumoristen",die sterbenslangweilig in Hollywood vor sich hinvegetieren, eine Komoedie zu starten?
Kenn' selbst eine Menge Menschen, die auf
Anhieb wesentlich mehr Jokes zu dem Thema aus dem Aermel schuetteln wuerden.


P.Schneider

Der Film fällt definitiv unter die Rubrik: Filme, die die Welt nicht braucht!!!
Selten so einen Müll gesehen.


J

Hollywood ist eine einzige Maschine zur Bewusstseinsteuerung, und dieser Film ist selbst ein parapsychologisches Experiment. Denn was die US-Armee tut, ist größtenteils alles andere, als zum Lachen. Insofern fragt man sich, was dieser Film soll?
Was ist sein Verhältnis zu den Fakten? So ist auch dieser Film selbst ein »Komplement zur Verdinglichung«, mit dem man sich übers schlechte Wirkliche durch die Klamotte zu trösten versucht.
artechock.de/film/text/kritik/m/madiau.htm


Rob.

Der Film war wirklich das schlechteste, was ich in den letzten Jahren gesehen habe. Einfach Müll!
Traurig, dass sich die "Stars" dafür hergegeben haben...


Uli

Ich habe ihn nicht gesehen, aber ich weiß worauf es basiert, das PSI-Chor.
Das war leider real, wurde aber aufgrund von Verlusten klammheimlich wieder eingestellt.
Daraus eine Komödie zu machen finde ich traurig, die beteiligt waren haben bitter gebüsst.


Peter

Also auch wenn mich alle schlagen. Ich fand das Teil einfach nur genial. Zugegeben, wir kamen auch etwas verwirrt aus dem Kino, aber der Film muss erst nachwirken. Inzwischen hab ich den sogar auf DVD (ganz selten bei mir) Status: Kult


RS

Ich habe ihn mir gerade auf DVD angesehen. Ich muss sagen, mich hat der Film quasi hereingelegt, oder eher doch verführt?
Am Anfang war ich naja ähnlich wie "Bob" unglaubwürdig an die Story rangegangen(auch wenn es eine wahre Begenheit ist). Wer glaubt auch so eine quatsch und viele Sachen konnte man auch nicht erklären. Man konnte sich also etwas mit Bob identifizieren. Schon ab dem ersten viertel des Films merkt man das dort Ernst dahinter steckt und es alles garnicht so lustig ist. Den Film als Komödie zuverkaufen wäre also falsch! Man sieht Lin und Bill als langsam altgewordene Hippies, der eine realitätsnaher und der andere einfach nur Senil. Also keine wirklich tollen Charaktere für unterhaltung. Der Fakt aber das sie bis zum bitteren Ende ihre Rollen so gut spielen, hat mich schon beeindruckt. Sicher es gab ein paar kleine Lacher hier und da, aber wirklich mitreißen tat keine Szene. Was auch durch die ganzen Flashbacks immer wieder unterbrochen wurde.
Erst gegen Ende wurde mir klar das man hier Star Wars(Vater/Lehrer Rolle im intensiven) sieht. Ab da an hatte der Film etwas schönes, er hat einfach nur gefallen als gesamterlebnis, teils traurig, teils toll und vorallem hat er die Botschaft richtig vermittelt. "Glaube an dich selbst!" und "Der Weg ist das Ziel". Ich würde dem film 6 von 10 Sternen geben und ja er hat wirklich viel verschenkt. Aber Jeff Bridges als Hippie Yoda :D genial.


Martin Zopick

Der skurrile Titel ist Programm. Dabei wäre ja durchaus die Möglichkeit gegeben, dass es ein total durchgeknallter Streifen hätte werden können. Ist es aber nicht. Das Script zwängt die Superstars in eine Handlung, die ein bisschen New Age, Esoterik pur und ein Versuch in Richtung M.A.S.H. ist. Die Handlung wurde auch noch durch Phänomene des Irakkriegs und der Hippies angereichert. Die Helden irrlichtern durch ein konfuses Sammelsurium von Situationen, die durchaus eine reale Basis haben und die werden auch so präsentiert und uns als echtes Leben verkauft. Alles wirkt etwas aufgesetzt. Jeff Bridges versteht sich und die Welt nicht, Clooney versucht verzweifelt mit Blicken einen Lacher zu provozieren und McGregor staunt unbedarft mit den Zuschauern um die Wette. Kevin Spacey ist bemüht einen coolen Charakter darzustellen. Insgesamt sind die Dialoge keineswegs witzig, eher peinlich.
So entwickelt sich ein leerer Hohlbau, in dem eigentlich nichts Greifbares existiert. Im Innern nichts und außen geschmacklose Pappkameraden. Das ist keine Parodie, weil alles zu vage und zu konfus ist. Es fehlt vor allem an echter Komik. Nur Superstars gibt’s genug. Vielleicht hatten die ja wenigstens ihren Spaß beim Dreh?! K.V.


Henry Slocum

Der völlig missglückte Versuch, einen Kultfilm zu installieren, der es mit dem Big Lebowski aufnehmen kann. Lächerlich gescheitert. Ein einziges Ärgernis, das man sich lieber sparen sollte.






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