Madagascar 2
Dass Fortsetzungen nicht schlechter sein müssen als ihr Original, zeigt der Animationsfilm Madagascar 2, in dem eine Handvoll Zootiere auf Wildsafari geht.
Der Ausflug in die weite Welt endete in Madagascar (2005) für vier Zootiere aus Manhattan bei einem lustigen Haufen wild lebender Lemuren auf der titelgebenden Insel vor der Ostküste Afrikas. In der Fortsetzung des Computeranimationsfilms machen sich der Löwe Alex, das Zebra Marty, das Flusspferd Gloria und die Giraffe Melman auf, Manhattan zurückzuerobern. Die provisorisch zusammengekittete Propellermaschine, die von den bereits aus dem ersten Teil bekannten, militärisch durchorganisierten Pinguinen gesteuert wird, ist jedoch nur bedingt flugfähig. So stürzen die vier städtischen Zootiere bereits über Afrika ab und für Alex bedeutet der unerwartete Zwischenhalt eine Begegnung mit dessen Vergangenheit.
Trotz seiner Schwächen gelang es dem Film Madagascar scheinbar unbemüht die Animationsabteilung des Studios Dreamworks aus dem Schatten des großen Konkurrenten Pixar zu hieven. Wenn der Film auch nicht mit der technischen Finesse der Produktionen des Animationsriesen mithalten konnte, dann gelang doch ein anschaulicher Mix aus Kinderspaß und trockenem Witz, der bereits in den originellen Figuren angelegt war, die der Komplexität der Pixar-Charaktere annähernd entsprachen. Auch wenn Shrek (2001) Dreamworks erster kassenträchtiger Animationsfilm war, so war es doch Madagascar, der sich gerade wegen des Verzichts auf den für die Hausmarke Shrek so kennzeichnenden Blödel-Humor deutlich an Pixar annäherte. Madagascar 2 kann an die Stärken des ersten Teils anknüpfen und nutzt zudem gezielt eine besondere Möglichkeit, die der Fortsetzungsfilm bieten kann: die Weiterentwicklung der Charaktere.
Während die Schwäche des ersten Teils noch darin bestand, dass zu viele Passagen des Films einzig von den scharfzüngigen Dialogen und den bisweilen originell animierten Tierfiguren getragen wurde und somit der Eindruck einer Nummernrevue entstand, umgeht Madagascar 2 mögliche Handlungslöcher.
Der in Madagascar vermisste rote Faden wird in dem jüngsten Animationsfilm, der aus dem Produzentenkollektiv Spielberg, Katzenberg und Geffen hervorgegangen ist, etwa aus der genreüblichen Aneinanderreihung von Verweisen auf die Populärkultur gebildet. Zu denen zählt Alex’ Selbstverständnis als Showbizz-Löwe, wonach dieser sich in einer Linie mit den legendären Broadway-Choreografen Jerome Robbins und Bob Fosse sieht und keine Gelegenheit auslässt, entsprechende moves zu präsentieren. Vielmehr ist es jedoch das abstrakte wiederkehrende Motiv Heimat, das das Zentrum des Films bildet. Zum einen wird das Motiv im Rahmen der Figurenentwicklung aufbereitet, zum anderen materialisiert es sich auf visueller Ebene als ein Idealbild des afrikanischen Kontinents.
Am Umgang mit diesem Motiv zeigt sich nun jedoch, wie sehr Madagascar 2 einen Ansatz verfolgt, der dem von Pixars fast zeitgleich entstandener Produktion Wall-E - Der letzte räumt die Erde auf (2008) entgegengesetzt ist. Geht es zwar sowohl bei Wall-E als auch bei Madagascar 2 um einen besonderen visuellen Genuss, der von digitalen Bilderwelten ausgeht, ist dieser doch an ganz unterschiedlichen Inszenierungsmerkmalen auszumachen. Werden in Wall-E selbst die optischen Verzerrungen, die eine Kameralinse hervorruft, nachgeahmt, um die Illusion eines Fotorealismus’ zu erhärten, erstrahlt der „schwarze Kontinent“ in Madagascar 2 unter der spürbaren Allgegenwart der afrikanischen Sonne in Farben, wie sie von keiner Kamera hätten eingefangen werden können. Statt des Versuchs, das Ideal der Heimat in ein rein gegenständliches Bild zu übersetzen, wird das abstrakte Motiv als sinnlich Erlebtes an die Oberfläche der visuellen Gestaltung befördert. Folglich ist gerade die Savanne, in der Form einer eigenwilligen Kreation einer virtuellen Welt, der heimliche Star von Madagascar 2.
Sowohl der Dreamworks- als auch der Pixar-Produktion würde man jedoch Unrecht tun, diese verschiedenen Gestaltungsstrategien als das jeweilige Manko des anderen zu bewerten. Denn am Ende erfüllt Madagascar 2 das eigentliche Ziel dieses Genres nicht besser oder schlechter als das genannte Konkurrenzprodukt, nämlich solide Familienunterhaltung darzustellen.
Filmkritik von David Gaertner
Veröffentlicht am 27.11.2008
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Blog: Berlinale im Dialog

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Film-Angaben
Titel: Madagascar 2
Originaltitel: Madagascar: Escape 2 Africa
USA 2008
Laufzeit: 89 Minuten
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Regie: Eric Darnell, Tom McGrath
Drehbuch: Eric Darnell, Tom McGrath
Produktion: Mireille Soria, Mark Swift
Musik: Hans Zimmer, will.i.am
Stimmen: Ben Stiller, Chris Rock, David Schwimmer, Jada Pinkett Smith, Sacha Baron Cohen, Cedric the Entertainer
Synchronstimmen: Jan Josef Liefers, Rick Kavanian, Bastian Pastewka, Claudia Urbschat-Mingues, Stefan Gossler, Roland Hemmo
Kinostart: 04.12.2008
DVD-Angaben
Titel: Madagascar 2 - Special Edition
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Bild: 1,78:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Spieldauer: 86 Minuten
Extras: Kommentar der Filmemacher, Eine Familiengeschichte: Die Besetzung von Madagascar 2, Das Making-of von Madagascar 2, Dreamworks Animation Video-Jukebox, Madagascar 2-Activision Game-Trailer, 4 "MAD"-Musikvideos, Hallo, hallo: sprich Kisuaheli, Bruchlandung, Afrikanisches Abenteuer, Der Bronx Zoo: Madagascar, Das Herz eines Löwen, Madagascar Musik, Madagascar-Aktivitäten, Der Alex-Tanz
Verleih ab: 03.04.2009
Verkauf ab: 03.04.2009
Copyright Madagascar 2
Fotos: © DreamWorks
BERLINALE 2012

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