Loving Annabelle

Annabelle wird von ihren Eltern in das Internat „Zur heiligen Theresa” geschickt, wo sie endlich Disziplin lernen soll. Dabei wird ihr der Aufenthalt schon bald von der attraktiven Klassenlehrerin versüßt.

Loving Annabelle

Ein erotisch aufgeladenes Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern gab es im Kino schon in verschiedenen Geschlechterkonstellationen zu sehen, wobei es sich dabei selten um zwei Frauen handelte. Eines dieser wenigen Beispiele ist Mädchen in Uniform aus dem Jahr 1931, von dem es ein 1958er Remake mit der jungen Romy Schneider in der Titelrolle gibt. Der Film nimmt eine Pionierstellung in der Darstellung weiblicher Homosexualität ein und erzählt von der verbotenen Liebe zwischen einem introvertierten Mädchen und seiner Lehrerin in einem Internat. Eine Liebe, die natürlich zum Scheitern verurteilt ist.

Die amerikanische Regisseurin Katherine Brooks, die bisher für Fernsehformate wie Die Osbournes oder Simple Life gearbeitet hat, greift diese Handlung in ihrem Spielfilmdebüt Loving Annabelle erneut auf und passt sie an die Gegenwart an.
Die introvertierte Schülerin wird hier zur rebellischen Senatorentochter, die in einem katholischen Mädcheninternat gezähmt werden soll. Nach der ersten Begegnung zwischen Annabelle und ihrer unglücklich in einer heterosexuellen Beziehung lebenden Klassenlehrerin Simone entwickelt sich eine gegenseitige Zuneigung, die bald darauf folgenreich eskaliert.

Loving Annabelle

Warum man für so eine Geschichte gerade den durch zahlreiche Liebes- und Sexploitationfilme vorbelasteten Schauplatz eines Mädcheninternats wählt, liegt nahe. Abgesehen davon, dass es dort nur Frauen gibt, spitzt sich der Konflikt um das verbotene Verlangen noch zusätzlich durch die vermeintliche repressive Enge der Institution zu. Brooks nimmt dieses Motiv zwar als Aufhänger für ihren Film, inszeniert das Internatsleben aber gleichzeitig wie einen entspannten Schulausflug, bei dem die Mädchen völlig unbefangen auf ihren Zimmern kiffen und sich betrinken. Damit funktioniert das zentrale Motiv von Loving Annabelle nicht, weil man bei so einer Atmosphäre als Zuschauer nicht darum fürchten muss, dass die beiden Frauen an ihrem bigotten und lustfeindlichen Umfeld zu Grunde gehen.

Die zahlreichen Klischees, die man mit einem Liebesfilm wie diesem verbindet, versucht Brooks erst gar nicht zu umgehen, sondern setzt ihren Film ganz im Gegenteil aus stereotypen Erzählmustern zusammen. Dabei kommt die Rotzgöre Annabelle ebenso wenig über ihre eindimensionale Charakterisierung hinaus wie die gefühlsbetonte Simone, die im Unterricht Liebesgedichte von Walt Whitman aus dem Stegreif rezitiert. In einer Reihe geradezu alberner Situationen, die ohne weiteres aus einem seichten Erotikfilm stammen könnten, sind die Annäherungen der beiden Frauen mit einer äußerst plakativen Sinnlichkeit inszeniert. Was Loving Annabelle aber am meisten zum Verhängnis wird, ist, dass er von der ersten Minute an vorhersehbar ist und mit keinem Aspekt seiner Geschichte oder Inszenierung zu überraschen vermag.

 

Kommentare


Sarah

Der Kritiker geht mit dem Film ziemlich hart ins Gericht.

Persönlich finde ich die modernisierte Neuauflage von "Mädchen in Uniform" durchaus gelungen. Auch wenn die Handlung nicht unzählige überraschende Wendungen nimmt, wird die Spannung sorgfältig aufgebaut und entlädt sich erst am Schluss vollständig.

Besonders klischiert finde ich den Film nicht, denn schliesslich gab es z.B. noch kein Film über vernachlässigte Töchter von ehrgeizigen Senatorinnen, die offenbar die Zuneigung einer Lehrerin als verkappte Mutter suchen. Genauso selten hat man ein solch feinfühliges Porträt einer Frau gesehen, die einst eine Frau liebte, und sich dann jahrelang an einer Mann-Frau-Beziehung festhält, die sie offensichtlich nicht glücklich macht. Dass Annabelle sie genau dort abholt, ist in meinen Augen ziemlich plausibel.


soraya

Kein Wunder, dass ein Mann mit dieser bezaubernden Art von Sinnlichkeit, die es nunmal nur zwischen Frauen gibt, nichts anfangen kann. Meine lieben Herren, Ihnen entgeht so einiges :)


Franzy

Ich stimme nicht mit dieser Kritik überein. "Loving Annabelle" ist ein wahrhaft gelungener Film und es ist wichtig, diese Thematik aufzuzeigen, denn so etwas passiert auch im wahren Leben und für die Menschen, denen das passiert ist dieser Film wie ein Traum!Ich spreche aus Erfahrung! Und ich finde nicht, das alles vorhersehbar ist!






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