Love & other Disasters

Brittany Murphy sucht als Vogue-Assistentin für ihren Mitbewohner die große Liebe und übersieht dabei um ein Haar die eigene. So richtig in Schwung kommt Alek Keshishians romantische Kömodie dabei nicht.

Love and other Disasters

Emily Jackson, genannt Jacks (Brittany Murphy), arbeitet als Assistentin bei der britischen Vogue, ist aber hauptsächlich damit beschäftigt, ihren Mitbewohner Peter (Matthew Rhys) zu verkuppeln. Im Glauben, schwule Männer auf den ersten Blick erkennen zu können, kürt sie den flotten Fotografen Paolo (Santiago Cabrera) zu Peters Traummann und übersieht dabei völlig, dass der in Wirklichkeit ein Auge auf sie geworfen hat: Ein so netter Kerl kann unmöglich ein Hetero sein, und überhaupt ist Jacks, die sich immer selbstlos für andere einsetzt, blind für ihr eigenes Glück. Peter indessen ist verzweifelt auf der Suche nach einem Typen, den er in der Hotellobby umgerannt hat und seitdem für die Liebe seines Lebens hält. Immerhin kennt er seinen Namen – doch auch hier liegt eine Verwechslung vor.

Love and other Disasters

Nichts ist schwerer zu inszenieren als Leichtigkeit, romantische Komödien gehören demnach zu den schwierigsten Übungen – man muss wohl hin und wieder eine misslungene sehen, um daran erinnert zu werden. Eigentlich hat Love & other Disasters alle Zutaten, die es braucht: liebenswerte Haupt- und skurrile Nebenfiguren – vor allem Jacks Freundin Tallulah (Catherine Tate) fungiert als verlässliche Pointenlieferantin – , einen kurvenreichen Plot, hübsche Deko, tolle Klamotten, flotte Musik, augenzwinkernde Anspielungen auf die Oberflächlichkeit der Schönen und Reichen. Doch irgendwie will sich die Beschwingtheit, die der Score fortwährend behauptet, nie so recht einstellen. Dass sich die Story größtenteils auf ausgetretenen Pfaden bewegt, kann man dem Film zwar nicht zum Vorwurf machen, die Variation des Immergleichen ist ja gerade ein Reiz des Genres. Allerdings besteht die Kunst darin, das Immergleiche stets aufs Neue unverbraucht und frisch erscheinen zu lassen. Die meisten Szenen des Films wirken jedoch wie das routinierte Abarbeiten bewährter Standards, das Darstellerensemble erscheint vor allem redlich bemüht.

Love and other Disasters

Ein Umstand, den der Film interessanterweise nicht kaschiert, sondern selbst thematisiert. Er ist prall gefüllt mit Hinweisen auf seine Tradition und seine Künstlichkeit. Zum einen gibt es zahllose Zitate aus Genre-Hits von Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück (Bridget Jones’s Diary, 2001) bis Notting Hill (1999) und vor allem aus Frühstück bei Tiffany (Breakfast at Tiffany’s, 1961), dem erklärten Lieblingsfilm von Jacks, die laut Werbetext eine „moderne Holly Golightly“ sein soll. Zum anderen legt Regisseur und Drehbuchautor Alek Keshishian den Figuren immer wieder Worte wie „Ich will keine tragische Filmfigur sein“ oder „In einem kitschigen Film würden jetzt Geigen erklingen“ in den Mund. Und zu alledem gibt es noch eine Film-im-Film-Klammer: Die gesamte Story ist nämlich zugleich der Stoff für Peters erstes Drehbuch, das er im Laufe des Films schreibt. Das obligatorische Happy End sehen sich die Protagonisten selbst als Zuschauer des fertiggestellten Films an. Diese offensive Selbstreferenzialität an allen Fronten ist ein riskantes Spiel: Was doppelbödig und selbstironisch sein soll, wirkt eher wie eine bemühte Maßnahme, um den Film interessanter zu machen – und weist so gerade erst recht darauf hin, dass der Plot für sich genommen wohl allzu brav und bieder daherkäme.

Mit dem ständigen Verweis auf Breakfast at Tiffany’s fordert der Film zu einem Vergleich heraus, dem er beim besten Willen nicht standhalten kann. Vielleicht ging es Keshishian hier aber vor allem um eine Richtigstellung: In Capotes Vorlage war Holly Golightlys Nachbar ebenfalls schwul, was Hollywood zum Verdruss des Autors seinerzeit unterschlagen hat. Brittany Murphy bekommt nun den Freund, den Audrey Hepburn nicht haben durfte. Als Drehbuchautor wird es ihm allerdings zuletzt nicht besser ergehen als Capote.

Trailer zu „Love & other Disasters“


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