Love Eternal - Auf ewig Dein

Liebevolle Blicke ins verwesende Antlitz.

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Die irische Küste ist ein schönes Fleckchen für die Verliebten. Hand in Hand schlendern sie dahin, schauen sich vielsagend in die Augen. Einige Bäume und Pflanzen zieren die Promenade, auf deren Bänken sie ausgelassen schäkern, während sie den Blick aufs Meer hinausschweifen lassen. Als Zuschauer beobachten wir den Platz und die Personen aus zwei verschiedenen Perspektiven. Entweder sehen wir ihnen direkt vor Ort zu, wie sie ihren Liebesritualen nachgehen, oder wir stellen ihnen aus sicherer Distanz mit dem Teleskop nach. In beiden Fällen ist es der aufmerksame Blick des Eigenbrötlers Ian (Robert de Hoog), den wir mitverfolgen. Wie viele schaut auch er sich dort um, erwartungsvoll, suchend. Er hat jemand Bestimmten im Visier: die Frau, die sich den Tod wünscht.

Ersatzbefriedigung für die eigene Todessehnsucht

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„I am a defective human being“, beschreibt sich Ian aus dem Off selbst, derweil erfahren wir in wenigen Bildern etwas über die Hauptbeschäftigungen des jungen Mannes. Ein Computer und ein Teleskop sind nicht nur die markantesten Gegenstände in dem mondänen Zimmer des bourgeoisen elterlichen Anwesens, sondern auch diejenigen, mit denen sich Ian am eingehendsten beschäftigt. Die einzigen Dinge, die seinem Leben Bedeutung zu geben scheinen, sind Selbstmordforen im Internet, Erkundungen des Treibens an der Küste und ein Erlebnis aus seiner Jugend: Seit er vor Jahren die Leiche einer Mitschülerin gefunden hat, hegt Ian eine starke Faszination für die Toten. Mehr noch: Er begehrt sie.

Man darf es gar als Ersatzbefriedigung für die eigene Todessehnsucht lesen. Wir sehen Ian dabei zu, wie er in einem Waldstück penibel seinen Suizid vorbereitet, in aller Ruhe den Schlauch vom Auspuff zum Fahrerraum führt. Just in diesem Moment trifft jedoch ein kleines Stück entfernt eine Gruppe von Selbstmördern ein, die denselben Entschluss hat. Als er nach deren erfolgreicher Aktion den Leichnam einer jungen Frau aus dem Wagen birgt, kommt er schließlich von seinem Vorhaben ab. Der Anblick der Toten erfüllt ihn mit Lebensfreude. In Love Eternal gibt es keine Machtfantasien oder physischen Gewaltakte, sondern nur ehrliche Leidenschaft. Und über den Sex werden wir völlig im Unklaren gelassen. Eine ganz und gar nicht-perverse Perversion.

Die Liebe muss buchstäblich verenden

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Geht es dabei um so etwas wie die Liebe für die Ewigkeit? Ganz im Gegenteil, mit einigen Szenen gelingt es Regisseur Brendan Muldowney, die Vergänglichkeit von Begehren erst richtig herausarbeiten. Bald muss Ian von seinen Geliebten ablassen, denn sie zersetzen sich langsam, verlieren ihre Schönheit, die nur kurz nach dem Zeitpunkt des Todes erblüht. In einer der stärksten Szenen des Films fantasiert Ian, wie seine tote Eroberung Tina (Amanda Ryan), die er unter dem Vorwand, sich gemeinsam mit ihr umzubringen, in den Selbstmord lockt, am Esstisch auf ihn einzureden beginnt und ihm beschreibt, wie er sie am besten noch für einige Zeit konservieren könnte. Ian aber ist entschlossen, jemand Neuen zu finden. Die Liebe muss buchstäblich verenden.

Und so wie Ian empfänglich ist für die Anmut des Leblosen, so zeigt sich auch der Regisseur einer Ästhetisierung von Tod und Vergänglichkeit zugeneigt. Anders als ähnliche Filme zur Thematik wie beispielsweise Rouven Blankenfelds bemerkenswertes Horrordrama Lieben (2006), gibt sich Muldowney einer Poetik und eleganten Inszenierung hin, die aber stets entschleunigt ist und dadurch wenig pathetisch wirkt. Immer wieder schweift die Kamera in die Landschaften, erfasst die Bewegungen der Blätter im Wind, die an den Ästen hängen oder langsam herunterfallen. Sterbende Körper in herbstlicher Natur, immer in ein Dickicht aus Vergänglichkeit gehüllt.

Kein Kino der Grenzüberschreitung

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Es sind einvernehmende, rhythmisch montierte Bilder der Endlichkeit, die Muldowney zu einem Ganzen formt, mit gemächlichen Kamerafahrten, mal lichtdurchflutet und weichgezeichnet, mal wolkenverhangen, doch in einem anhaltend melancholisch-leisen Erzählton. Love Eternal möchte kein Kino der Schaulust oder Grenzüberschreitung sein, sondern eines der ernsthaften Auseinandersetzung mit der Figur, das sich der Mittel des Liebesdramas bedient. Auch wenn in der zweiten Hälfte des Films eine klassische Liebesgeschichte durchschimmert, kann das Interesse für Ian weitestgehend aufrechterhalten werden, denn für einen Heilungsprozess reicht das Muldowney noch nicht.

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Das Meer, die Wälder, das All. Etwas Transzendentes geht hier mitunter immer vonstatten, doch schwingt es nur mit, völlig ohne den üppigen Schwulst des späten Terrence Malick etwa, den man anfangs vielleicht zu vernehmen befürchtet. Love Eternal bedrängt den Zuschauer mit seiner Gegenüberstellung von Ewigkeit und Vergänglichkeit, vom Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft nicht, sondern lotet vielmehr seinen Protagonisten und dessen Weltsicht aus. Mit einer nüchternen Aufsicht in den Sternenhimmel verlässt uns der Film. Hier liegt das einzig Beständige in seiner ganzen Schlichtheit. Ein tiefer Blick in die Ewigkeit, weg vom dahinsiechenden, fauligen Angesicht der Liebe.

Trailer zu „Love Eternal - Auf ewig Dein“


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