Love & Dance

Leichtfüßig kommt er daher und dreht seine Pirouetten, ganz ohne zu stolpern: Eitan Anners zweiter Kinofilm macht den Standardtanz zum beschwingten Ereignis inmitten der Tragikomik des israelischen Lebens.

Love & Dance

Ob er sich in rauschenden Festen, Tüllkleidern oder der zarten Schönheit eines aufwachsenden Mädchens manifestiert, ob es sich um Carlos Sauras Tangofilme oder den obligatorischen Walzer im Spiegelsaal unzähliger Vampirfilme handelt - der Tanz ist aus der Filmgeschichte nicht mehr wegzudenken. Tanz ist Bewegung, Anmut und Grazie, Tanz ist Selbstbeherrschung, Tanz ist Beziehung. Der Tanzfilm greift damit Elemente auf, die auch grundlegende Bestandteile des Films an sich sind. Der Tanz folgt einem vorgegebenen Rhythmus mit festgelegten Schritten und doch kann jeder Tänzer einen ganz individuellen Stil entwickeln. Eitan Anner nutzt in Love & Dance (Sipur Hatzi-Russi) den Tanz als Ausdrucksform äußerer Zwänge und innerer Gefühle und verbindet diese mit einem filmischen Blick, der auf die Bewegung ausgerichtet ist. Er schafft ein einfühlsames Portrait verschiedener Paare, die sich in ihre Beziehungen verstrickt und die Leichtigkeit des Tanzes verloren oder noch nicht gefunden haben.

Love & Dance

Chen (Vladimir Volov), ein sensibler Junge an der Schwelle zum Erwachsenwerden, ist auf der Suche nach der ersten Liebe, die er in der grazilen, aber unglücklichen Natalie (Valeria Vivodin) gefunden zu haben meint. Ihretwegen tauscht er den Judokurs gegen Walzer ein und übt sich im Cha-cha-cha mit der einsamen Sharon (Talya Raz), die mangels Partner jahrelang alleine getanzt hat. Anhand des Tanzes greift der Regisseur Eitan Anner Themen wie Einsamkeit und Einfühlung, Ehrgeiz und Scheitern, Liebe und Betrug auf. So zeigt der Film, wie Chens Mutter (Oksana Korostyshevskaya) mit dem Tanzen die Freude in ihrer Ehe vermisst, während der Vater (Avi Kushnir) als Fotograf fremde Hochzeiten dokumentiert. Auf der anderen Seite steht die russische Tanzlehrerin Yulia Rabinovich (Yevgenia Dodina), die ihren Schülern über die Schrittfolge hinaus Umgangsformen und Werte vermitteln will, während ihr Mann Roman (Kirill Safonov) aus Frustration über die gescheiterte professionelle Tänzerkarriere die Frauen aus der Bauchtanzgruppe flachlegt.

Die Aufeinander-zu- und Voneinander-weg-Bewegungen der verschiedenen Paare fasst Kameramann Itzik Portal in eindrucksvolle Bilder auf Hausdächern und an der Strandwüste des Provinzstädtchens Ashdod, die eher zart als pathetisch wirken. Zugleich baut Regisseur Eitan Anner eine Verbindung von Tanz und Film, von graziler Bewegung und dokumentierendem Kamerablick auf. Die Tanzenden suchen den Blick, der Filmende konserviert die sich verflüchtende Bewegung. Beides thematisiert Anner über die Fotografentätigkeit des Vaters und die Filmleidenschaft des Sohnes, der mit seiner Handkamera heimlich die Pirouetten der Verehrten wie der Mutter einfängt und mit diesem Fortschritt vom starren, fotografischen Bild hin zum bewegten Filmbild den eigenen Vater medial in den Schatten stellt.

Love & Dance

Fast spielerisch und nebenbei formuliert Anner aber auch ein Bild der Gegensätze innerhalb der israelischen Einwanderergesellschaft, bildet die sprachliche Vielfalt ebenso ab, wie Diskriminierungen gegenüber den „neuen“ Migranten aus dem Ostblock, die erst nach der Wende nach Israel einwanderten. Sie werden hier vor allem von Yulia und Roman Rabinovich verkörpert, besonders Roman beherrscht das Hebräische nur mangelhaft, und der Standardtanz war in Israel lange Zeit so etwas wie eine Geheimkultur der russischen Gemeinschaft.

Der Film lebt insgesamt von einem tragikomischen Wechselspiel zwischen ergreifenden Ausgrenzungen und tragischen Konflikten in der jugendlichen und erwachsenen Selbstfindung auf der einen Seite, die ihr Gegenstück in einer wahrhaft tänzerischen Leichtigkeit des Ausdrucks finden, der pirouettendrehend immer zehn Zentimeter über dem Boden zu schweben scheint: ein leichtfüßiges Plädoyer für den jungen israelischen Film.

Kommentare


M.M

ein toller Film empfehle ich jeden. Ein einfacher, lustiger und gleichzetig lebensnaher Film über Probleme des Alltags, Erwachsenwerden, Beziehung zwichen Mann und Frau und einiges mehr.... es lohnt sich ihn zu sehen....


Ralf Simon

den Film gibt es übrigens ab sofort auf DVD






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