Love and other Drugs - Nebenwirkung inklusive

Not eines Handlungsreisenden: In Edward Zwicks Adaption des Bestsellers von Jamie Reidy verliebt sich Pharmavertreter Jamie in die parkinsonkranke Maggie.

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Im Jahr 2005 erschien in den USA Jamie Reidys autobiografisches Buch „Hard Sell: The Evolution of a Viagra Salesman“. Darin beleuchtete der erfolgreiche Pharmavertreter Reidy nicht nur seine eigenen, recht obskuren Praktiken, sondern stellte auch manchen Mechanismus im System der US-Pharmaindustrie bloß. Die Kündigung durch seinen Arbeitgeber, den Pharmariesen Eli Lilly, folgte auf dem Fuß. Das Buch reüssierte als Bestseller, und recht schnell nahm sich Hollywood des dankbaren Themas an.

Tatsächlich gibt nun auch Love and other Drugs – Nebenwirkung inklusive (Love and Other Drugs), die Adaption aus der Feder von Edward Zwick, Marshall Herskovitz und Charles Randolph einen kleinen – und eigentlich recht harmlosen – Einblick in das System der Vertriebs- und Abschlusspraktiken der großen Pharmakonzerne.

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Das Jahr 1996: Jamie Randall (Jake Gyllenhaal) hat eine Schwäche – die Frauen. In flagranti bei einem Quickie mit der Freundin des Chefs ertappt, verliert Jamie zunächst einmal seinen Verkäufer-Job. So versucht er sich beim Pharmakonzern Pfizer. Dort wird er eindrucksvoll auf die Verkaufsmethodik eingeschworen und lauert alsbald Ärzten auf, um diese zur Verschreibung von Pfizer-Medikamenten zu überreden. Es lockt das Geld, denn vergütet wird die Abschlussquote. Bald wird Jamie klar, dass es nicht um Redlichkeit geht und schon gar nicht um das Pharmaprodukt selbst. So versucht der Womanizer mit allen ihm gegebenen Mitteln und Tricks seine Produkte in die Arztpraxen  und an den Mann oder die Frau in Weiß zu bringen. Als Pfizer eines Tages Viagra auf dem Markt bringt, wendet sich für Jamie das Blatt, denn nun eröffnen sich für ihn ungeahnte Abschlussmöglichkeiten.

Anders als Reidy belassen es die Autoren um Zwick jedoch nicht bei sarkastischen Betrachtungen der Pharmaindustrie. Denn schließlich soll es sich bei Love and other Drugs um eine romantische Komödie handeln. So trifft Jamie schließlich beim dienstlichen Arztbesuch auf Maggie (Anne Hathaway). Sie hat Parkinson im Frühstadium, gibt die introvertierte Individualistin und hat ein Problem, sich emotional auf Männer einzulassen. Noch ehe Jamies instinktive Verführungskünste so richtig in Fahrt kommen, übernimmt Maggie die Initiative.

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Unverbindlicher, häufiger Sex und sonst nichts, das ist Maggies Devise. Und wie schon in Marc Webbs RomCom 500 Days of Summer (2009) ist es natürlich der Mann, der glaubt, sich hier zu verlieben. War jedoch das Beharren der weiblichen Protagonistin auf eine rein physische Beziehung die originelle Idee von Webbs Film, folgt Love and other Drugs hier ausgetretenen und altbekannten Pfaden: Natürlich entsteht eine – ob Maggies Krankheit fragile – Beziehung, und natürlich muss Jamie lernen, sein Ego so einzuschränken, dass noch Platz für Maggie bleibt, die  ihrerseits lernen muss, jemandem zu vertrauen.

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Dass beim genretypischen Hin und Her mit Hochs und Tiefs der Zweisamkeit hier in Gestalt der Parkinsonschen Krankheit stets eine Bedrohung mitschwingt, ist die Besonderheit dieses Films und gleichzeitig Ursache für seine Schwäche: Denn die Chemie zwischen den Liebenden, die aus ihren lebenslagenbedingten Grundhaltungen unterschiedlicher nicht sein könnten, wirkt nur oberflächlich stimmig. Für eine wahre Läuterung Jamies hin zum fürsorglichen Gutmenschen mit moralischem Tiefgang, für jenen notwendigen emotionalen Reifeprozess fehlt Jake Gyllenhaal einfach die Zeit. Die nämlich verwendet Zwick darauf, ein kurzweiliges Genre-Potpourri nach jedermanns Geschmack zu brauen, beginnend mit einer Pharmasatire, die behände zur erotischen Romanze mit für US-Mainstreamverhältnisse bemerkenswert viel nackter Haut mutiert, um über deftigen Klamauk um Jamies dauerpubertären Bruder Bruce und melodramatische Tearjerker-Momente schließlich zielsicher und publikumswirksam im Happy End zu landen.

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So schafft es Routinier Zwick (The Last Samurai, 2003; als Produzent: Shakespeare in Love, 1998), selbst verstörende Szenen so geschickt zu verbauen, dass sie am Ende ohne Nachwirkung bleiben: Als Jamie auf einem Treffen von Parkinson-Betroffenen den Ehemann einer Erkrankten im Endstadium um Rat fragt, rät dieser, die Beziehung so schnell wie möglich abzubrechen und die Flucht anzutreten. Denn gegen die Belastungen, die mit der Krankheit einhergingen, könne keine Beziehung bestehen. Doch diese nüchterne Wahrheit stattet Jamies Entscheidung für Maggie – und erwartungsgemäß gegen seine Karriere – mit dem notwendigen Anschein von Gewichtigkeit aus. Das ausstehende eigentliche Drama jedoch ist für den Moment des Happy End vergessen – so wie der ganze Film kurz nach dem Kinobesuch.

Trailer zu „Love and other Drugs - Nebenwirkung inklusive“


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Kommentare


eiszauber

Ein gähnend langweiliger Kinoabend den ich mir gerne erspart hätte.






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