Lollipop Monster

Zwei Mädchen aus dysfunktionalen Familien.

Lollipop Monster 01

Teile des Plots von Lollipop Monster hätten durchaus Pornofilmpotenzial: Kristina (Nicolette Krebitz) schläft mit ihrem Schwager Lukas (Thomas Wodianka), der wiederum mit Ari (Jella Haase), der Freundin seiner Nichte Oona (Sarah Horvath) verkehrt, die ihrerseits mit einem Barkeeper und der Freundin ihres Bruders Sex hat. Von Oona lässt sie sich nackt zeichnen.
Doch der Reigen ist nicht wirklich erotisch aufgeladen.
Ästhetisch kreuzt Lollipop Monster eher Übervater Lynch und – inhaltlich naheliegend – American Beauty (1999). Nicht nur Lynchs Hang zur Skurrilität und zum Absurden, sondern auch seine Wertschätzung bestimmter Musikvideos vor allem der 1990er Jahre findet hier einen Widerhall. Man könnte auch sagen, dass sich der nebenbei von Animationen durchzogene Film über Musikeinlagen strukturiert. Die passen sich ästhetisch dem Rest an – oder andersrum. Das Bild ist häufig blaustichig, von warmen bis knallbunten Farben geprägt, ehe es mal schwarz wird. Farbfilter spielen eine große Rolle, Lichteinsatz überhaupt, betont die Lichtsetzung doch meistens das Weiß der Gesichter. Nur fügt sich die Summe der Teile nicht unbedingt kongruent zu einem Ganzen. Soll sie vielleicht auch nicht. Als sehr freie Stilübung ist Lollipop Monster wohl zu verstehen, gefördert vom Kleinen Fernsehspiel, inszeniert von der Comiczeichnerin und Autorin Ziska Riemann, die das Drehbuch gemeinsam mit der Musikerin Luci van Org verfasste. Auch wenn in diesem Fall ein animierter Pornomusikclip im Ergebnis vielleicht aufregender gewesen wäre, ist die Experimentierfreude aller Beteiligten zuweilen durchaus beeindruckend.

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Kommentare


wignanek-hp

Ich kann diese Kritik nicht teilen. Ich durfte den Film auf der Berlinale sehen und war begeistert.
Sicherlich verlangt die Geschichte dem Zuschauer einiges ab. Sie wird nicht kontinuierlich erzählt, aber das war wohl auch nie die Absicht. Durch den Einsatz der Farben, der Musik und nicht zuletzt der Comics wird eine Atmosphäre geschaffen, die die Seelenlage der Mädchen schon sehr gut einfängt.
Man muss sich auf den Erzählstil einfach einlassen. Dann wird man von den Bildern mitgerissen.
Ich jedenfalls finde, dass das deutsche Kino mehr solche mutigen Projekte braucht. Einfach Klasse!


Chio

Diese Kritik ist wirklich Mist. Der Film erzählt gekonnt und ohne übliche Pubertätsklischees das Heranwachsen und die Freundschaft zweier Mädchen. Teilweise drastisch, aber im Großen und Ganzen geradezu neorealistisch. Dieser harte Realismus wird durch die Ästhetik der Bilder und der Musik gekonnt konterkariert.






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