Liebeslied

Parkinson – das Musical. Die Idee, ein Krankheitsdrama mit singenden Schauspielern zu erzählen, mag originell und provokant klingen, ist aber das genaue Gegenteil.

Liebeslied

Die Autorin und Regisseurin Anne Høegh Krohn scheint für ihr Kinodebüt ein ähnliches Konzept wie Lars von Triers Dancer in the Dark (2000) oder Christophe Honorés Chanson der Liebe (Les Chansons d’ amour, 2007) im Sinn gehabt zu haben. Von Triers Melodram lässt Björk eine fortschreitende Erblindung besingen, Honorés Paris-Musical verbindet Pop-Chansons über die Komplikationen der Liebe mit dem plötzlichen Herztod seiner Protagonistin. Beide Inszenierungen wirken aus unterschiedlichen Gründen befremdlich und gewöhnungsbedürftig, Høegh Krohns erster Kinofilm nach zwei Fernsehproduktionen lässt allerdings vermuten, dass in Liebeslied vor allem gesungen wird, weil die Autorin zum Thema Parkinson wenig zu sagen hat.   

Liebeslied

Also unterbrechen die Hauptdarsteller Jan Plewka und Nicolette Krebitz die dünne Handlung oft sehr abrupt mit ihren Vorträgen banaler Liebesliedchen, die sie zusammen mit Christian Neander auch geschrieben haben. Plewka hat hier zwar den Spitznamen „Der Rocker“ und trägt in fast jeder Einstellung ein „Metallica“-T-Shirt, singt kurioserweise aber schnulzige Herz-Schmerz-Songs. Die irische Musical-Romanze Once (2006) ist nicht zuletzt deshalb ein Lichtblick des Genres, weil dort die Musik zu den Figuren passt und beiläufig ins Geschehen einfließt.  

Liebeslied

Hinzu kommt, dass Krebitz nur dürftig singen und Plewka noch schlechter spielen kann. Der „Selig“-Frontmann mimt den Parkinson-Patienten Roger, der sich mit seiner Diagnose arrangieren muss, und ist damit besonders in den Nahaufnahmen sichtlich überfordert. Roger arbeitet auf dem Bau, bis seine Hände zu zittern beginnen und er seinen Job verliert. Seiner Frau Dinah (Krebitz) verheimlicht er zunächst die Erkrankung, obwohl das Paar sich und seine zwei Kinder total lieb hat, wie uns Liebeslied überdeutlich unter die Nase reibt. Roger versucht, gegen einen Brückenpfeiler zu fahren, ein anderes Mal stellt er sich aus Verzweiflung auf die Bahngleise. Als seine kleine Tochter mit dem Fahrrad auf die Straße rollt, bleibt er wie festgefroren stehen und kann ihr nicht helfen. Noch Stunden später verharrt er in derselben Starre in der Kälte, seine Frau legt ihm eine Decke um die Schultern und meint: „Ich mach gerade eine Suppe“.   

Einige Szenen, die eigentlich dramatisch oder anrührend sein wollen, wirken durch die holprige Umsetzung an den Haaren herbeigezogen oder unfreiwillig komisch. Die uninspirierte Inszenierung vertrödelt Zeit an überflüssigen Nebenschauplätzen, anstatt sich auf den Krankheitsverlauf oder die Bewährungsprobe einer Beziehung zu konzentrieren. Probleme werden kurz angekratzt und dann schnell weggeträllert. Die Dialoge sind so hölzern wie die Figurenzeichnung flach ist. In den albernen Fantasie-Sequenzen und trutschigen Revue-Nummern fällt das begrenzte Budget unangenehm auf. Dramaturgie und Schnitt lassen jedes Gespür für einen dynamischen und harmonischen Erzählrhythmus vermissen. Liebeslied hat gute Chancen, der unstimmigste Film des Jahres zu werden.

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