Lieber Verliebt

Ein Altersunterschied von gut 15 Jahren ist der zentrale Konflikt in Lieber verliebt. Aber doch eigentlich gar kein Konflikt.

Lieber verliebt

Eine romantische Komödie, die nach bekanntem Schema abläuft, ist keine Nachricht wert. Eine, die postmodern das eigene Genre ausstellt und mit ähnlicher Koketterie spielt, ebenso wenig. Lieber verliebt (The Rebound) beschreitet recht unauffällig einen dritten Weg und eröffnet damit eine beinahe subversive Haltung zur Romantic Comedy.

Zwei Menschen, wie füreinander geschaffen: Sandy (Catherine Zeta-Jones) ist viel zu unangepasst und voller Leidenschaft für das Leben im Vorort und gibt es kurzerhand auf, als sie ihren Ehemann beim Fremdgehen ertappt. Während sie im schnell gefundenen Job eine lang ersehnte Selbsterfüllung findet, kümmert sich der Mittzwanziger Aram (Justin Bartha) als Nanny um Sandys zwei frühreife Kinder. Er entpuppt sich als der perfekte Vater, als Familienmensch und Romantiker, der sie in allen Bereichen fördert und die eigene Karriere hinten anstellt. Die Ausgangskonstellation ist recht schnell etabliert und der für die romantische Komödie als Motor benötigte Konflikt erscheint sodann: Der Altersunterschied von über 15 Jahren lässt für alle außer die beiden Betroffenen deren Flirt als Rebound – der angeblich befreiende Sex nach langer Beziehung – aussehen. Doch die beiden sind, klar, Lieber verliebt.

Lieber verliebt

Die beiden Kinder und einige weitere Nebencharaktere als Sidekicks, die im Humor eine Vorliebe für Körperflüssigkeiten und -Ausscheidungen offenbaren, lenken nur schwerlich von der Oberflächlichkeit des zentralen Hindernisses ab. Die Paarung ältere Frau/jüngerer Mann hat auch nicht zuletzt durch Kinofilme mit in die Jahre gekommenen Stars wie Diane Keaton oder Michelle Pfeiffer eine weitgehende Normalisierung erlangt. Das Drehbuch sieht schließlich weder vor, das Zusammenkommen der beiden ernsthaft hinauszuzögern, noch das Zusammenbleiben zu verhindern. Im gleichen Zuge immunisiert sich Lieber verliebt gewissermaßen gegen Vorwürfe der Vorhersehbarkeit, da der Film im Gegensatz zur Mehrheit der Romantic Comedies erst gar nicht so tut, als ob nicht alles genauso käme, wie man es erwartet.

Mit solidem Handwerk weiß Regisseur und Drehbuchautor Bart Freundlich einen kontinuierlichen, verhältnismäßig gemächlichen Fluss aus Standardsituationen des Genres zu schaffen, ohne – und das ist letztlich das Überraschende – sie mit Konflikten zu dynamisieren. Freundlich setzt auf dezente Höhepunkte, wohl dosierten physischen Humor, ein wenig derbe Zoten und jede Menge Romantik. Kurz vor Schluss von Lieber verliebt führt er in einer minutenlangen Montagesequenz die Möglichkeiten des Mediums vor: Fünf Jahre im Leben der Protagonisten werden zusammengefasst, wichtige Stationen, Entwicklungen und viel Atmosphäre. Da werden ausdrucksstarke Motive und Klischees verwendet, doch auch hier: eines Konfliktes, wie ihn ein Drehbuch schreibt, bedarf es nicht.

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