Lieben und Lassen

Lachen und Weinen, Komödie und Drama. Das Regiedebüt der erfolgreichen Autorin Susannah Grant schickt Hauptdarstellerin Jennifer Garner auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Nur der Zuschauer bleibt bei alldem außen vor.

Lieben und Lassen

Gerade in Relation zu ihren Herstellungskosten sind romantische Komödien für die Studios eine verhältnismäßig sichere Bank. Diese lassen sich nicht nur meist kostengünstig produzieren – der Großteil des Budgets muss für den Einkauf eines zugkräftigen Stars ausgegeben werden – sie verfügen auch über eine treue, größtenteils weibliche Anhängerschaft. Mit ihren erfolgreich verfilmten Drehbüchern zu Erin Brockovich (2000) und In den Schuhen meiner Schwester (In her Shoes, 2005) hat sich die New Yorker Autorin Susannah Grant den kreativen Freiraum für ihre erste Regiearbeit geschaffen, die in eben jene Kategorie der romantischen Komödie fällt.

Der Star ist in diesem Fall Jennifer Garner. Die vor allem über die Agentenserie Alias (2001-2006) bekannt gewordene Schauspielerin knüpft mit ihrer Rolle in Lieben und Lassen (Catch and Release), an den Typus des sympathischen, liebenswerten „All American Girl“ aus 30 über Nacht (13 Going on 30, 2004) an. Sie spielt Gray, eine junge Frau, die den unerwarteten Tod ihres Verlobten Grady zu verkraften hat. Statt auf ihrer Hochzeit findet sie sich sodann auf einer Trauerfeier wieder. Zum Glück kümmern sich Gradys alte Freunde in dieser Situation liebevoll um sie. Allen voran der unbeschwerte und stets zu einem Scherz aufgelegte Sam (Kevin Smith) und dessen Kumpel Dennis (Sam Jaeger) schaffen es, Gray in ihrer Trauer zu unterstützen und auf andere Gedanken zu bringen. Sogar Gradys Freund aus Kindertagen, der von sich überzeugte Playboy Fritz (Timothy Olyphant), ist plötzlich für Gray da.

Lieben und Lassen

Um den Plot voranzutreiben, braucht es noch einen entscheidenden Auslöser. Grant entschied sich dazu, den verstorbenen Verlobten mit allerlei Geheimnissen auszustatten, die Gray zu weiteren Nachforschungen anstacheln. Nicht nur, dass der Beinahe-Gatte ein Konto mit Einzahlungen in Höhe von über einer Millionen Dollar besaß, er überwies jeden Monat auch 3000 Dollar an eine Frau in Los Angeles. Was nach dieser Enthüllung folgt, ist als Wechselbad der Gefühle konzipiert, in dem sich tragische und humorvolle Momente reichlich schematisch abwechseln.

Es kommt zu einem Wiedersehen mit Juliette Lewis, die abermals das White Trash-Blondchen geben darf. Das ist zwar langweilig und schreit nach einer Besetzung, die jegliche Originalität vermissen lässt, letztlich passt es jedoch erschreckend gut zum biederen Habitus des restlichen Films mitsamt seiner standardisierten Rollenaufteilung. Kevin Smith schleppt ein Paar Kilo zuviel mit sich herum, was ihn bereits dafür prädestiniert, als spaßiger Sidekick ständig irgendetwas in sich hineinzufuttern und dabei für den ein oder anderen lockeren Spruch zu sorgen. Und Timothy Olyphant muss den anfänglich arroganten Schönling spielen, der dem Charme der trauernden Gray erliegt und sich somit auch charakterlich in einen Traumtyp verwandelt.

Lieben und Lassen

Lieben und lassen leidet darunter, dass Grant wie schon bei ihrem Drehbuch zu dem von Curtis Hanson verfilmten In den Schuhen meiner Schwester das oberflächliche Geplänkel zwischen Komödie und Drama immer wieder unnötig in die Länge zieht und so die Laufzeit auf über zwei Stunden aufbläht. Was als kleine, intime Liebesgeschichte noch funktionieren mag, scheitert vorrangig an Grants gewollter Tempoverschleppung und der nicht existenten Chemie zwischen Garner und Olyphant. Wie man einen vergleichbaren Stoff ungleich besser umsetzt, zeigte der erst kürzlich gestartete Mitten ins Herz - Ein Song für Dich (Music and Lyrics, 2007) mit einem charismatischen Duo, das sich gekonnt die Bälle zuspielt. Romantische Komödien, auch wenn sie nur bewährte Versatzstücke reproduzieren, müssen also per se nicht derart dröge daherkommen.

Als Boomerang erweist sich der gewählte Soundtrack. Die exzessiv eingesetzten Musikstücke – vornehmlich handelt es sich um unterschiedliche aber doch sehr ähnlich klingende Kuschelrock-Balladen mit Indie-Touch – sollen Grays Stimmungslage reflektieren und den Verlauf der Geschichte kommentieren, in Wirklichkeit überziehen sie viele Momente mit einem uniformen Sound-Brei. Grant ist eben nicht Cameron Crowe. Während es letzterer versteht, über eine geschickte Song-Auswahl sogar mediokre Produktionen wie Elizabethtown (2005) aufzuwerten, sehnt man bei Grants Regiedebüt mit jedem Titel das Ende mehr herbei. So wundert es auch nicht, dass ihr Film bei seinem US-Start trotz der vermeintlich treuen Zielgruppe weitestgehend ignoriert wurde.

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.