Liebe braucht keine Ferien

Auch wenn die Liebe vielleicht keine Ferien braucht – Zuschauer dieser langatmigen, hochdosiert romantischen Komödie sollten damit rechnen, im Anschluss eine Kur wegen Ermüdung und Überzuckerung beantragen zu müssen.

Liebe braucht keine Ferien

In den Filmwelten der Nancy Meyers - Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin - sind weibliche Wesen grundsätzlich privilegierte, finanziell unabhängige Karrierefrauen, die im Verlauf der Handlung einen Crash-Kurs in Sachen Liebe belegen müssen, den sie natürlich mit Auszeichnung bestehen. Zu Beginn eckige und kantige, alleinstehende oder falsch liierte Feministinnen mit Erfolg und Gefühlsdefiziten, am Ende flauschige Schmusekätzchen mit noch mehr Erfolg und einem schmucken, emanzipierten Mann als Sahnehäubchen.

Liebe braucht keine Ferien (The Holiday) präsentiert gleich zwei dieser Sorte: Die verwöhnte Amanda Woods (Cameron Diaz) ist Eigentümerin einer Werbeagentur für Kino-Trailer in Los Angeles, hat sich gerade von ihrem untreuen Freund getrennt und das Problem, seit ihrer Kindheit nicht mehr weinen zu können. Die gutherzige englische Journalistin Iris Simpkins (Kate Winslet) kann zwar auf Knopfdruck schluchzen, dafür nicht den Mann haben, den sie seit Jahren anhimmelt und der demnächst heiraten wird. Kurzentschlossen tauschen die Liebesfrustrierten über das Internet ihre Häuser, in der Absicht, sich einen Urlaub vom anderen Geschlecht zu gönnen. Mit dem Resultat, dass rechtzeitig zur weihnachtlichen Bescherung ein verwitweter Mr. Right (Jude Law) und ein betrogener Mr. Right (Jack Black) hereinschneien.

Liebe braucht keine Ferien

Während die Frauen in Meyers vorherigen „Chick-Flicks“ Was Frauen wollen (What Women Want, 2000) und Was das Herz begehrt (Something’s Gotta Give, 2003) noch mit einem chauvinistischen Mel Gibson und einem ebensolchen Jack Nicholson zu kämpfen hatten und die Mission antraten, diese zu besseren, beziehungstauglichen Männern umzuerziehen, bieten die weichgespülten Herren in Liebe braucht keine Ferien zu wenig Angriffs- und Arbeitsfläche, um das obligatorische Happy End auch nur für eine Sekunde in Frage zu stellen oder es wenigstens mit unterhaltsamen Hindernissen zu erschweren. Jack Black mimt den knuffigen und verständnisvollen Kumpel, der wie Iris aufs falsche Pferd gesetzt hat und deshalb genau der Richtige für sie ist. Jude Law gibt vordergründig den charmanten Aufreißer, ist eigentlich aber ein alleinerziehendes Sensibelchen, das schnell in Tränen ausbricht, mit zwei süßen Kindern und einer Brille, die Cary Grants in Leoparden küsst man nicht (Bringing up Baby, 1938) ähnelt.

Referenzen an das Hollywood der 30er und 40er Jahre mit seinen starken Leading Ladies wie Irene Dunne, Katherine Hepburn, Rosalind Russell oder Babara Stanwyck gibt es jede Menge. Nur leider wurden sie nicht beiläufig in die Handlung eingeflochten, sondern mit einem großen Ausrufezeichen versehen, sodass der Zuschauer immer wieder aus der Geschichte gerissen und daran erinnert wird, dass er in einem Film sitzt. Und während es früher üblich war, für lustige Reaktionen kurz zum frechen Filmhund zu schneiden, inszeniert Meyers daraus gleich eine ganze Sequenz, deren einziger Sinn und Zweck es ist, zu demonstrieren, wie putzig der niedliche Vierbeiner und die niedliche Cameron Diaz um die Wette grimassieren können.

Liebe braucht keine Ferien

Im Vergleich mit Kate Winslet, die ihrer Figur mehr emotionale Aufrichtigkeit verleiht, als es das Drehbuch hergibt, wird offensichtlich, dass Diaz einer anderen Liga angehört. Sie ist das schwächste Glied des Ensembles und weit davon entfernt, eine Diane Keaton zu sein, die Heldin in vier Meyers-Filmen, oder eine Katherine Hepburn, auch wenn sie wie diese in George Cukors Die Nacht vor der Hochzeit (The Philadelphia Story, 1940) eine verhätschelte, unnahbare Prinzessin spielt, die ihre zugängliche, empfindsame Seite entdeckt. Keaton und Hepburn stellten zugunsten der Komik ihre Eitelkeiten hinten an, Diaz will in erster Linie gefallen. „You look like my barbie doll“, bringt Jude Laws Filmtochter ihr herausragendstes Merkmal auf den Punkt.

Allerdings lässt Meyers Script ihr und den restlichen Darstellern auch wenig Spielraum. Für eine Komödie sind die Dialoge überdurchschnittlich witz- und leblos. Alles wird ausbuchstabiert, nichts findet sich zwischen den Zeilen. Hier reden Menschen, die häufig mittelmäßige Liebesfilme konsumiert, unzählige Selbsthilfebücher für Singles gelesen oder zuviel Zeit in Therapie verbracht haben. Die den kleinsten Handschlag reflektieren und kommentieren, permanent Gefühle analysieren und jegliche Chemie intellektualisieren. Die ihrem Gegenüber nach der ersten gemeinsamen Nacht nicht nur erklären, wie sie den Kaffee gerne trinken, sondern zusätzlich ihre komplette zwischenmenschliche Gebrauchsanweisung und Vorgeschichte auftischen. Ein Abturner und Romantikkiller, der jeden Funken im Keim erstickt.

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Kommentare


schumi

Ein echt schöner Film der nach anfänglichen Startschwierigkeiten,lustig und romantisch wird. Insbesondere Cameron Diaz und Jude Law überzeugen durch Witz und Charme. Rein gehen!!!


Kerstin

Mich hat vor allem Jude Law überzeugt, aber auch Camoron Diaz. Die Story, vor allem um Kate Winslet, war eher schwach. Kate kam sehr kurz. Man hätte hier viel mehr noch mit Musik arbeiten können. Schließlich war Filmmusik auch Thema im Film. Auch finde ich, die Arthur-Geschichte ist entweder zuviel gewesen oder zu kurz gekommen. Vielleicht hätte man lieber das ein oder andere weglassen sollen, oder aber den Film länger machen. So war alles etwas flach.

Dennoch, schauspielerisch sehr überzeugend und ein kurzweiliges Kinovergnügen. Das war es auf jeden Fall!


jule

also ich fand ihn ja toll...vor allem jude...hach.. ja und ich hab mich zwischendurch vor lachen nicht mehr einkriegen können....


angi52

meine 13 jährige Tochter und ich fanden fen film toll. Die Dialoge vorallem gefielen uns. und das mal gezeigt wurde, dass man sich von einem bestimmten Typ mann nicht einwickeln lassen sollte. Dieser Jasper war doch wohl das letzte. ein schöner Frauenfilm, total gelungen und keine Minute langweilig.


Anna

Der Film ist einfach toll. ich hab noch nie etwas gesehen was mich in der seele so angesprochen und berührt hat. Ich finde man sollte den Film aber nur sehen wenn man in einer glücklichen beziehung lebt. Und das war mein Problem^^ dennoch war es ein sehr schöner Film den ich nie vergessen werde und die Filmmusik ist der Hammer. Super schön und berührend. werd ich mir auf jeden fall kaufen! Großen respekt an den Künstler und an die produzentin! großartige leistung!
Liebe grüße
Anna


Black Jack

Auch als durchschnittlich emotional veranlagter Mann wurde ich super unterhalten. Genialer Film. Kann die Kritik hier ueberhaupt nicht nachvollziehen. Der Film war an keiner Stelle langweilig. Grosses Gefuehlskino mit super Darstellern. Bravo!






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