Grosse Jungs

Mann versteht sich: Anthony Marciano liefert mit seinem Regiedebüt eine regressive Farce über Männerträume.

Grosse Jungs 02

Thomas (Max Boublil) und Lola (Mélanie Bernier) wollen heiraten. Doch Lolas Vater Gérard (Alain Chabat), dessen Ehe mit Susanne (Sandrine Kiberlain) am Boden ist, will seinem Schwiegersohn in spe vor dieser Falle bewahren und ihn dazu motivieren, seine Musikerkarriere endlich ernsthaft anzugehen. Die Semantik, an der sich die Konfliktlinien dieser absolut flachen Komödie entlangziehen, ist innerhalb der ersten zwanzig Filmminuten aufgespannt und in ihrer Klischeehaftigkeit nicht zu überbieten. Hochzeit gleich öder Bürojob gleich Vegetieren vor dem Fernseher gleich Unfreiheit. Singledasein gleich Partyleben gleich Musikerkarriere gleich Freiheit. Männer (= frei) wandern durch die Weinregale im Supermarkt, haben einen coolen Musikgeschmack, ziehen sich einen Joint auf dem Kinderspielplatz rein und rocken gemeinsam im Auto ab. Frauen (= unfrei) gehen im Bioladen einkaufen, engagieren sich verbissen für soziale Gerechtigkeit und träumen von der Eigentumswohnung mit Parkett im Fischgrätmuster.

Endlich Schwänze fotografieren und Ärsche beschauen

Grosse Jungs 04

Angesichts der „Nervensägen“ zu Hause müssen die Männer mal fest auf den Tisch hauen und die Reißleine ziehen: „Ich mache genau das, was ich will!“ Vater und Schwiegersohn ziehen gemeinsam in eine verlotterte Wohnung und kramen Schlagzeug und Gitarre wieder hervor. Auf eine Coverversion des Alphaville-Songs „Forever Young“ heizen sie auf dem Motorrad durch die großstädtische Freiheit. Jetzt können im Pariser Nachtleben der eigene Schwanz (!) mit der Handykamera fotografiert und auf Blade Nights „Ärsche“ (!) angeschaut werden – letztere bekommt auch der Zuschauer in Großaufnahme en masse geliefert. Und welch glückliche Fügung, einer der „Ärsche“ kennt den künstlerischen Leiter einer Plattenfirma…

Grosse Jungs 07

Mit der Geste männlicher Überheblichkeit leistet sich Anthony Marciano in seinem Regiedebüt eine Reihe Doppelgänger-Gags über François Hollande, Patrick Bruel und Iggy Pop sowie ein paar latent homophobe Kommentare – neben all den Geschmacklosigkeiten und abgedroschenen Klischees über Frauen. Passend zu einem Drehbuch, das seine weiblichen Figuren auf Arsch und Titten reduziert, ist die Inszenierung platt und der Einsatz der Musik ärgerlich affirmativ. Verflixt, denkt man sich, wo ist die ironische Brechung, der Typ kann das doch nicht erst meinen! Auch Alain Chabat und Max Boublil verkörpern ihre Rollen in unerschütterlicher Selbstgefälligkeit. Und Sandrine Kiberlain ist mit ihrem spröden Image in der Rolle der zickigen Ehefrau perfekt gecastet.

Coole Läuterung

Grosse Jungs 03

Nach einer knappen Stunde Filmzeit kommen Mutter und Tochter zu der Einsicht, dass Männer „egoistische Arschlöcher“ sind und beschließen, auch mal ein paar One-Night-Stands auszuprobieren – die eine mit der Karikatur eines Gutmenschen, die andere mit einem smarten Businessmann, der eigentlich lieber attraktive Vertreterinnen der Müttergeneration vögelt. Währenddessen hängen die beiden Männer mit strunzdummen Ärschen, pardon, Frauen auf Partys in Marrakesch ab. Dass das doch nicht das wahre Leben sein kann, merken die beiden erst, als die Kreditkarte gesperrt und der eigene Song von einem zickigen Starlet verhunzt wird.

Nun also die Läuterung. In den letzten zwanzig Minuten geht es darum, die Frauen zurückzuerobern. Echte Kerle lassen sich dafür die Nase blutig schlagen oder machen sich vor der internationalen diplomatischen Gemeinschaft zum Affen – und bleiben dabei selbstverständlich wahnsinnig cool. „Ich brauche das nicht mehr, ich brauche nur dich“, fällt dem Drehbuch dazu ein, und „Das ist nichts für mein Alter.“ Natürlich sind die Frauen da voller Verständnis. Aber trotzdem gut, dass es den Krach mit der Liebsten gab. Denn nur unter Einfluss von Liebeskummer sind Männer kreativ und Thomas begründet endlich seine Musikerkarriere mit einem Song, den sogar Iggy Pop toll findet.

Trailer zu „Grosse Jungs“


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