Le Mac - Doppelt knallt's besser

Vom Banker zum Gangster ist es nicht weit. Wie man den Branchenwechsel schafft, zeigt diese von Tarantino inspirierte Action-Komödie aus Frankreich.

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Ein goldenes Handy verselbstständigt sich in der Eingangssequenz von Le Mac – Doppelt knallt’s besser. Angetrieben vom Vibrationsalarm, rutscht es über eine glatte Tischoberfläche und fällt schließlich aufs Bett. Dort liegen drei Prostituierte gemeinsam mit ihrem Zuhälter Ace (José Garcia), der neben dem Handy auch noch ein Feuerzeug aus Gold hat. Außerdem hat Ace die Polizei auf den Fersen und ein Piercing in der Brustwarze, in dem sich eine Wanze verbirgt. Damit soll er den eiskalten Drogenboss Mendès (Gilbert Melki) bei einem Deal in Marseille überführen helfen, um selbst einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Doch als er sieht, wie Mendès mit Verrätern umgeht, bekommt Ace es mit der Angst zu tun, taucht ab und lässt die Polizei im Stich.

Da kommt es den Fahndern gerade recht, dass der biedere Pariser Bankangestellte Gilbert (ebenfalls José Garcia) versehentlich jemanden umgebracht hat und sich panisch vor der Haftstrafe fürchtet. Das Beste daran: Gilbert ist der verschollene Bruder von Ace und sieht ihm daher entsprechend ähnlich. Man könnte ihn also als Ace in die Unterwelt einschleusen und so Mendès’ Drogenring doch noch auffliegen lassen. Nur ist Gilbert charakterlich das genaue Gegenteil seines schwerkriminellen Bruders – verweichlicht, ängstlich, unsicher.

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Spätestens als nach etwa zehn Filmminuten die Ausbildung Gilberts zum Strohmann beginnt, wird deutlich, dass Le Mac ganz auf die körperbetonte Komik seines Doppelrollen-Stars José Garcia setzt. Wenn der verklemmte Gilbert mit Übungen, wie man sie aus Castingshows für Nachwuchsmodels kennt, die Laufbewegungen eines Gangsters trainiert, erscheint eine Förderung durch Monty Pythons „Ministry of Silly Walks“ nicht ausgeschlossen. Bei Kampfdrills erweist sich Gilbert wenig überraschend als zimperlich, und mit Waffen umgehen kann er nur, wenn er dabei verschreckt wegschaut. Doch auch wenn das coole Posieren beim ersten Undercover-Einsatz durch vor Angst zitternde Hände unterlaufen wird, wandelt sich Gilbert erstaunlich schnell und ist bald bereit für den Auftrag, seinen Bruder zu imitieren.

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Das Drehbuch lässt sich dabei die Chance nicht nehmen, einige filmische Referenzen einzuflechten. Insbesondere Pulp Fiction (1994), der das Gangster-Milieu ähnlich wie Le Mac als glamourös inszeniert und zugleich ironisiert, wird als offensichtliches Vorbild zitiert, wenn Gilbert mit seinen Lakaien ein Restaurant verwüstet und dazu Dick Dales Misirlou erklingt, das von Tarantino im Vorspann eingesetzt wurde. Zusätzlich verweist der Film auf Rocky (1976), als einer der Brüder am Ende einen Bademantel mit dessen Namen trägt.

Entsprechend verspielt arbeitet Regisseur Pascal Bourdiaux auch mit mehrfachen Genre-Sprüngen. Neben einzelnen melodramatischen Momenten und mehreren durchaus harten Gewaltszenen, wie man sie aus dem Action- und Thriller-Bereich kennt, nutzt Le Mac vor allem die Mechanismen der Verwechslungskomödie. Die Polizei hält Gilbert für Ace, Gilbert attackiert in zwei verschiedenen Restaurant-Szenen jeweils das falsche Opfer, und am Ende greift diese Verwirrung auch auf den Zuschauer über, da José Garcia gleich doppelt, als Ace und als Gilbert, im Bild erscheint. Weder Polizei noch die Mutter der beiden können an dieser Stelle, deren Konfusion durch einen aberwitzigen Zirkel aus sich gegenseitig mit Waffen bedrohenden Beteiligten dargestellt wird, noch entscheiden, wer welcher Bruder ist. Zumal die zwei ein doppeltes Spiel zu treiben scheinen und Gilbert möglicherweise weniger harmlos ist, als seine anfangs brave Fassade vermuten ließ.

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Manche Gags in Le Mac sind voraussehbar oder werden zu lange ausgespielt – auch ist der Plot oftmals nicht allzu originell. Doch gerade wenn man das Ganze durchschaut zu haben glaubt, streut das Drehbuch ein paar überraschende Ideen ein. Da ist der Gastauftritt des ehemaligen französischen Fußball-Nationalspielers Sylvain Wiltord, der sich selbst darstellt und einen Wechsel zum FC Arsenal, für den er vier Jahre lang tatsächlich spielte, standhaft verweigert. Und da sind mehrere im Stil von Videoclips inszenierte Sequenzen mit Split Screens und in alle möglichen Richtungen verschwindenden Bildkadern. In einer dieser schön choreografierten Episoden scheinen Gilbert und seine Lieblings-Prostituierte dem gemeinsamen Bett gen Zimmerdecke zu entschweben. An Stellen wie dieser beweist der Film zugleich seine Fähigkeit, Musik als Unterstützung des Bildes zu nutzen, ohne sie jedoch manipulativ einzusetzen.

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Le Mac – Doppelt knallt’s besser erfüllt seinen eigenen Anspruch, ebenso turbulente wie amüsante Unterhaltung zu bieten, voll und ganz. Mehr erreicht der Film nicht, aber mehr will er auch nicht. Nach der von Luc Besson initiierten Taxi-Filmreihe (1998–2007) ist Bourdiaux’ Werk ein weiterer Beitrag zur leichten, massenkompatiblen Komödie aus Frankreich, die dem Klischee vom sperrigen französischen Kunstfilm widerspricht. Da Le Mac deutlich mehr auf Slapstick als auf Wortwitz setzt, ist der Humor des Films durchaus exportierbar. Der deutsche Verleih hat dafür Rick Kavanian aus dem Umfeld von Michael „Bully“ Herbig als Synchronsprecher der beiden Brüder gewinnen können, sodass der Film auch für hiesige Zuschauer gut funktioniert.

Trailer zu „Le Mac - Doppelt knallt's besser“


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Kommentare


Puuupsi

Unglaubwürdige Story aber locker und witzig in Szene gesetzt mit teils sehr originellen Ideen.


Steve

Beste Film seit einiger Zeit, den ich gesehen habe. Immer wieder zum Lachen






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