L'autre Dumas

Der andere Dumas hieß Auguste Maquet. Er war Koautor einiger der erfolgreichsten Bücher aller Zeiten. Nur dass sich niemand an seinen Namen erinnert.

L'autre Dumas

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Alexandre Dumas, der Name hinter Werken wie Der Graf von Monte Christo oder Die drei Musketiere, war nicht nur eine wirkliche Person, sondern ein personifiziertes Label wie Joop oder Armani. Er war ein Celebrity im Frankreich des 19. Jahrhunderts, ein Haudegen und Schürzenjäger, kämpfte 1830 auf den Barrikaden, gab Partys in seinem Château in der Nähe von Paris. Seine Bekanntheit diente eher dem Marketing als der Ausstellung seiner schriftstellerischen Substanz. Aber er war wohl ein Genie in der Auswahl der richtigen Kollaborateure.

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Ein solcher ist jener August Maquet (Benoît Poelvoorde) in Safy Nebbous Adaption des Theaterstücks Signé Dumas („Gezeichnet Dumas“). Obwohl er für weite Teile einiger der größten unter Dumas Namen firmierenden Werke verantwortlich ist, ist sein Name unsichtbar. Im wirklichen Leben erstritt er sich dieses Recht später vor Gericht, im Film bleibt es bei der Drohung.

Maquet ist die Antithese zum Lebemann Dumas (Gérard Depardieu), ist der rationale Disziplinmensch, dünn, mit Zwicker, schmalem Schnauzer und tadellos gekleidet. Poelvoorde spielt ihn ausgezeichnet, die Lippen stets geringschätzig aufgeworfen, der Blick starr und doch an allem vorbei, selbst in den peinlichsten Situationen bemüht um Contenance. Dumas hingegen scheint aus Depardieus Körper ganz natürlich zu entwachsen, seinem mittlerweile mächtigen Bauch, dem selbstzufriedenen Grinsen, dem schweren Schritt.

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Die Dynamik zwischen beiden ist das Herzstück dieses großartigen Epochenfilms. Dabei sind die Verhältnisse ganz klar: Dumas ist das Genie, Maquet der Protokollant. Der große Alexandre genießt den Ruhm, oftmals gerade dann voller Genuss, wenn Maquet dabei ist. Dumas braucht Maquet, um die eigene Genialität an der Verbohrtheit seines Gegenübers zu entzünden.

L’autre Dumas ist ein Period Picture, das nicht in die große Falle seines Metiers läuft: die Ausstellung des Produktionsaufwands. Stattdessen konzentriert sich Nebbou auf die Figuren. Die Sets sind zwar extrem detailreich, sie rekonstruieren die Epoche äußerst akkurat, aber drängen sich dennoch niemals in den Vordergrund, sind immer auf die sich in ihnen ereignenden Geschehnisse hin bezogen. Auch die visuelle Auflösung ist weniger effekthascherischen Panoramen als einer agilen Dynamik verpflichtet. Es dominieren nahe Einstellungsgrößen; Kamerabewegungen und Schnitt sind für einen solchen Film fast schon nervös zu nennen. Die emotionale Intensität bleibt daher konstant hoch.

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Großartig auch, dass der Film sich nie ein Augenzwinkern unterdrückt. Nebbou liebt beide Dumas, die auch in ihre schlimmsten Identitätskrise (sie sind ja Hälften ein und der selben Person) eher komische als tragische Figuren abgeben. In einer fast Shakespeare’schen Verwechslungsdynamik verlieben sich beide in eine blutjunge Revoluzzerin (Mélanie Thierry) und beginnen darum zu ringen, wer essenziell der „echte“ Dumas ist unter ihnen. Doch den gibt es natürlich nur im Buch.

Filmkritik von Nino Klingler

Veröffentlicht am 20.02.2010

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