Last Night

Zweisamkeit nachts im Swimmingpool oder beim Gassigehen mit fremdem Hund. Romantik braucht einen Rahmen, und wenn die Funken sprühen, dann kann jedes Wort zu viel sein.

Last Night 05

Last Night ist um Worte nicht verlegen. Zunächst aber bemüht sich Regiedebütantin Massy Tadjedin, mit Szenen der Alltäglichkeit die Protagonisten in ihr Milieu einzuschreiben. Routinierte Handgriffe, konzentrierte und doch abwesende Blicke, Michael (Sam Worthington) und Joanna (Keira Knightley) bewegen sich wie automatisiert und leblos durch ihre geräumige New Yorker Wohnung. Man könnte aber auch sagen: Die beiden sind aufeinander und ihr Leben eingespielt. Zwei Metropol-Figuren frei von finanziellen Sorgen in einer scheinbar glücklichen Ehe: Die Grundlage für die Dekonstruktion der bürgerlichen Fassade ist gesetzt.

Last Night 08

Tadjedin, die bisher vornehmlich als Drehbuchautorin in Erscheinung getreten ist (Leo, 2002; The Jacket, 2005), verfolgt auf den ersten Blick die vielleicht am weitesten ausgetretenen Pfade des bourgeoisen Kinos der Gegenwart, die Nabelschau mit kritischer Perspektive. Doch ihr Drama entpuppt sich schnell als noch weniger ambitioniert. Statt sich mit der unheilvollen Milieu-Melange zwischen Finanzen und Kunst (er: irgendwas mit Immobilien, sie: Autorin) zu beschäftigen, ist Last Night letztlich vollkommen nach innen gekehrt und begreift die Liebe als rein private Sorge, die auf der Ebene des Dialogs auszuhandeln ist. Die Bescheidenheit des Anliegens ist sicherlich nicht die schlechteste Entscheidung des Films, denn auch so ist die Regisseurin noch überfordert.

Last Night 02

Frei nach dem Prinzip „Alles wurde schon einmal gesagt, nur noch nicht von jedem“ macht sich Tadjedin, die auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, daran, ihre Figuren in eine Konstellation zu schieben, die für die beispielhafte Verhandlung von Ehe-, Liebes- und Treuefragen Anlass bietet. In einer langen Nacht fokussiert Last Night zwei parallele Erzählstränge der beiden Partner in unterschiedlichen Städten: Sie mit ihrem früheren Lover (Guillaume Canet), der sie wieder erobern möchte, er auf Geschäftsreise mit einer Arbeitskollegin (Eva Mendes), die unverhohlen um ihn wirbt. Doch das Buch belässt es nicht dabei, dass alle alles in schlichten Dialogen aussprechen müssen, die Möglichkeiten der Untreue diskutieren, die Chancen der Liebe, das Gefängnis der Ehe. Nein, denn wenn jeder alles gesagt hat, so müsste der Spruch weiter gehen, dann bleibt immer noch die Wiederholung.

Last Night 06

Man denkt für kurze Zeit an Hautnah (Closer, 2004), der mit ebenfalls sehr konzentriertem Stoff und viel Dialog ein Vierer-Ensemble über die Liebe in ungleich intensiverer Form sinnieren lässt, was die Schwächen hier umso stärker zum Vorschein bringt. Die kleinen Gesten, die schönen Gesichter, die Romantik in warmen Farbtönen – all das wird schnell zugekleistert und zerredet. Davon abgesehen kann Knightley dem Vergleich mit Natalie Portman nicht standhalten, von Worthington als Softie sei lieber erst gar nicht die Rede. Die zweite Garde, Eva Mendes und Guillaume Canet, sind wohl die charismatischeren Darsteller, doch sie kriegen nur wenig differenzierte Rollen zu spielen. Sie sollen verführen, auch uns, über die eigenen Werte- und Liebesvorstellungen nachzudenken. Doch was und wie viel davon abhängt, bleibt im lebens- und wirklichkeitsfernen, weil zu jeder Zeit universell-exemplarischen Last Night offen. Bei einem Brettspiel gibt es schließlich keine Einsätze, das kann man zu jeder Zeit einfach wieder zuklappen.

Mehr zu „Last Night“

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.