Last Bullet - Showdown der Auftragskiller

Dolph Lundgren vs. Cuba Gooding, Jr.: Der B-Movie-Auteur William Kaufman inszeniert das Duell zweier Hitmen als intelligentes, historisch bewusstes DTV-Kino.

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Alexi, der Wolf, ist wohl eine der Kinofiguren, an die man sich am Ende dieses Jahres erinnern wird. Einer jener Professionals, die so gut sind in dem, was sie tun, dass sie es sich leisten können, nicht wie ein Profi auszusehen. Alexi, der Wolf, das ist Dolph Lundgren, der hiermit seiner von der Spätphase des Kalten Kriegs entscheidend geprägten Rollengeschichte eine eher schillernde Facette hinzufügt – waren es doch stets die Rollen der mehr oder minder bösen Russen, der dehumanisierten Kampfmaschinen, durch die sich Lundgren tief ins populärkulturelle Gedächtnis grub.

Ivan Drago, der scheinbar unaufhaltsame kommunistische Vorzeigekrieger in Sylvester Stallones Rocky IV (1985). Nikolai Rachenko, die perfekte Waffe, die mühsam und schmerzvoll um ihre geraubte Menschlichkeit ringt, in Joseph Zitos Red Scorpion (1989). Schließlich Nikolai Cherenko, Krieger im Ruhestand, der von seiner Vergangenheit immer wieder aufs Neue eingeholt wird – in Lundgrens eigener Regiearbeit The Mechanik (2005), die vielleicht wie kein anderer Film paradigmatisch steht für die künstlerische Blütezeit des B-Actionfilms. Diese trieb insbesondere Lundgrens Karriere, die zwischenzeitlich lange am Boden der Bedeutungslosigkeit darniederzuliegen schien, in der Folge zu ungeahnten Höhenflügen.

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In Last BulletShowdown der Auftragskiller, so der deutsche Verleihtitel von William Kaufmans vierter Regiearbeit One in the Chamber, ist Lundgrens Alexi nicht der Protagonist, aber er ist sicher die Figur, an die man zuerst denken wird. Der Wolf trägt in nahezu jeder Sequenz ein neues, schreiend buntes Hawaiihemd und erinnert mit Hütchen und Hund an der Leine eher an einen Pauschaltouristen beim Erholungsurlaub denn an einen eiskalten Hitman, einen Profikiller im Dienste rivalisierender Russenmafia-Clans. „Frank Sinatra auf Steroiden“, so spottet eines seiner potenziellen Opfer einmal über ihn. Aber im Genrekino, zumal in seiner intelligenten, historisch bewussten Erscheinungsform, definiert sich eine Figur noch immer zuallererst über ihr Handeln, und Alexi ist ein perfekter Handwerker des Tötens.

Diese Wertschätzung für die handwerkliche Kompetenz ist dann auch das Einzige, was die beiden Protagonisten von Last Bullet wirklich miteinander verbindet – wohingegen es etliche moralische Prinzipien gibt, die sie im Grunde trennen müssten. Der von Cuba Gooding, Jr. gespielte Ray Carver stellt das dunkle Spiegelbild des tiefenentspannten, dabei auf durchaus sadistische Weise verspielten Alexi dar: an einen Ehrenkodex gebunden, der ihm etwa – im dezidierten Gegensatz zu Alexi – das Töten von Frauen und Kindern verbietet, und von Schuldgefühlen gegenüber der schönen Janice zerfressen, deren Vater er einst vor ihren Augen erschoss. Sein Widerpart Alexi hingegen tötet nach eigenen Angaben alles, was atmet, sofern die Kasse stimmt – auch wenn er Frauen lediglich erschießt. Ausgiebigere Folter ist nur bei männlichen Opfern drin.

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Der Konflikt zwischen divergierenden ethischen Kodizes unter den Professionals des Tötens wird also in Last Bullet zwar dezidiert zur Charakterisierung seiner unterschiedlichen Protagonisten eingesetzt – als zentraler Kulminationspunkt ihrer Konfrontation taugt er nicht. Aus dem Duell der beiden Profikiller wird schnell – und handlungslogisch betrachtet: aus keinem anderen Grund als dem gegenseitigen Respekt für das gute Handwerk – ein Pakt gegen die intrigierenden Auftraggeber der Mafia-Clans, über alle moralischen Differenzen im Hinblick auf den Beruf des Mordens hinweg.

Ein wenig nimmt Regisseur William Kaufman somit auch den moralischen Unterbau aus der Figur des Ray Carver heraus – und kreiert Reibungspunkte zur Melancholie und dem Weltschmerz, den Cuba Gooding, Jr. in seine Darstellung Carvers hineinlegt. Der traurige, schuldzerfressene Hitman, das weiß Kaufman natürlich, zählt ja zum ikonischen Grundpersonal des Genres, und indem er ihn dieser hochambivalenten ethischen Zerreißprobe aussetzt – ohne eine eindeutige Lesart anzubieten –, gibt er ihm eine Tiefe jenseits der Archetypik, die seine generische Funktion sonst oft definiert. Bereits in dem grandiosen DV-Noir The Hit List (2011) hatte Gooding, Jr. eine ähnlich zerrissene Figur gespielt, die angesichts des eigenen nahenden Todes durch eine Krebsdiagnose einen grotesken Amoklauf gegen die Ordnungen der bürgerlichen Gesellschaft führt.

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Unter den auteurs des neuen B-Actionfilms zählt William Kaufman zu den interessantesten und intelligentesten. Anders aber als etwa der derzeit mit seinen beiden grenzensprengenden Universal Soldier-Sequels und der abstrakten Stilübung Dragon Eyes alles überragende John Hyams lässt Kaufman die Genregrammatik niemals vollständig hinter sich: Sowohl The Hit List als auch Last Bullet sind oberflächlich betrachtet völlig geglättete, rasante, effektive Genrearbeiten, dicht erzählt, packend und visuell sorgfältig in Szene gesetzt. Kaufman scheint weniger darauf aus, wie Hyams die Regelwerke des Actionfilms zu zerschlagen, um aus ihren Trümmern etwas Neues, Größeres zu kreieren: eher gehört er zu jenen, die das toughe, intelligente Bewegungskino vermissen, für das vor der endgültigen Blockbusterisierung des Genrefilms gegen Ende der 1980er Jahre im amerikanischen Kino einmal Platz war. Für Nostalgiker wie ihn sind dies verdammt schöne Zeiten.

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