Land of the Dead

George A. Romero kehrt zum Zombiefilm zurück – der Großvater des Genres schenkt seinen Untoten neue Fähigkeiten und reichhaltige Nahrung in Form von Menschenfleisch.

Land of the Dead

Der Zombie des zwanzigsten Jahrhunderts war eher tumb und langsam: allenfalls von seinem Hunger nach Menschenfleisch angetrieben, schlurft er dahin und überwältigt weniger durch Kraft und Geschwindigkeit als durch Masse: ein Zombie kommt selten allein. Mit seinem bahnbrechenden Die Nacht der Lebenden Toten (Night of the Living Dead) hatte George A. Romero 1968 das Genre der Zombiefilme, wie wir es heute kennen, wesentlich mitbegründet, indem er den Zombie seiner Herkunft im Voodoo entledigte und ihn stattdessen zu jenem menschenfressenden Untoten machte, der das Splatterkino seitdem in Massen durchwankt.

Die Nacht der Lebenden Toten wurde, ebenso wie seine zwei Nachfolger Zombie (Dawn of the Dead, 1978) und Zombie 2 (Day of the Dead, 1985) unzählige Male nachgeahmt oder gleich neu aufgelegt.

In diversen Filmen der letzten Jahre – etwa in Danny Boyles 28 Days Later (2002) und Zak Snyders Romero-Remake Dawn of the Dead (2004) – wurden die Zombies immer schneller und kräftiger. Das sorgt für mehr Action, macht die Untoten aber zu Monstern wie viele andere auch, deren Bedrohungspotential von ihrem Menschsein abgetrennt zu sein scheint: mit ihren übermenschlichen Kräften sind sie uns zu fremd. Bei Romero, und auch in seinem neuesten Film, Land of the Dead, sind die Zombies in Kleidung und Aussehen stets noch den Menschen ähnlich, die sie einmal waren, und kommen sichtbar aus allen Berufen und Schichten – durch ihr Auftreten in Massen geben die Untoten Romeros Filmen soziale und politische Dimensionen.

Land of the Dead

So illustrieren sie z.B. in Zombie die geisttötende Wirkung des kapitalistischen Wirtschaftssystems: Da ließ Romero seine vier Protagonisten in einem Einkaufszentrum Zuflucht vor den Untoten suchen. Abgeschottet von der Außenwelt, geben sie sich gern den Vergnügungen des Konsumparadieses hin. Als schließlich die Zombies in den Komplex eindringen, wirken sie, an den Schaufenstern entlang wankend, wie erschöpfte Shopper am Samstagnachmittag.

In Land of the Dead nun ist die Welt von den Zombies überrannt. Die Überlebenden haben sich in verbarrikadierte Innenstädte zurückgezogen – eine davon wird mit diktatorischer Machtfülle von Kaufman (Dennis Hopper) beherrscht, der in seinem Wolkenkratzer Fiddler’s Green einer zahlungskräftigen Elite alle Annehmlichkeiten des vorapokalyptischen Lebens bietet – eine sehr an Zombie erinnernde Shopping Mall inklusive. Für die Versorgung dieses glitzernden Paradieses sowie des Lumpenproletariats, das ihm zu Füßen auf den Straßen der abgeriegelten Stadt lebt, sorgen kleine Gruppen von Abenteurern, darunter Riley (Simon Baker) und Cholo (John Leguizamo), die für Geld mit gepanzerten Fahrzeugen die Stadt verlassen, um in den nur noch von Zombies bewohnten umliegenden Orten Lebensmittel zu plündern.

Land of the Dead

Die Untoten lernen jedoch dazu, und Romero verschwendet nicht viel Zeit, um dieses Grundelement seiner Geschichte einzuführen. Noch bevor das erste Blut fließt, hat sich insbesondere der schwarze Zombie „Big Daddy“ (Eugene Clark) als gelehriges und sogar soziales Wesen erwiesen: Er warnt seine Mitzombies vor nahender Gefahr und trauert, wenn sie von den Kugeln der Menschen zersiebt werden. Der nächste Schritt ist da konsequent: Die Untoten wanken langsam, aber unaufhaltsam, anscheinend nach Rache wie nach Menschenfleisch verlangend, auf die Stadt zu; das Leuchten von Fiddler’s Green dient ihnen als Wegweiser.

Man muss nicht lange suchen, um Romeros politische Andeutungen zu finden. Die Sympathiefigur Riley möchte gern nach Kanada auswandern, wo angeblich alles besser ist, und als Cholo Kaufman erpresst, zetert dieser, dessen Leibgarde in Uniformen zu sehen ist, die sehr an die SS erinnern: „Wir verhandeln nicht mit Terroristen!“ Land of the Dead kann als nicht besonders subtiler und sehr blutiger Frontalangriff auf die Bush-Regierung gelesen werden und auf ein politisches System, das sich durch Einschüchterung, Ausbeutung und Ausgrenzung am Leben erhält.

Land of the Dead

Romero interessiert sich also, wie schon in seinen anderen Zombie-Filmen weniger für die zerstörerischen Kräfte der Untoten als für die Selbstzerstörung der menschlichen Gesellschaft im Angesicht der Apokalypse. Und während sich die Untergebenen Kaufmans gegeneinander wenden anstatt gegen den Despoten, zeichnet der etwas pathetische Schluss die Zombies als verzweifelte Wesen, die nur einen Platz suchen, an dem sie sich in Ruhe niederlassen können.

Das hindert sie freilich nicht daran, ganz unruhig und reichlich zu morden und zu beißen (und, die Fans werden es zu schätzen wissen, natürlich hat auch Tom Savini wieder einen kurzen Gastauftritt). Die Ausgeschlossenen erheben sich gegen die da oben, und das Proletariat gerät dabei zwischen die Fronten, will heißen: zwischen die Zähne.

Land of the Dead

Man sieht – das sollte zarteren Gemütern nicht verschwiegen werden – dem Film an, mit welcher Freude Romero endlich einmal ein richtig großes Budget für Spezialeffekte verballern konnte. Vom Oberschenkelknochen bis zum Bauchnabelpiercing: Was nicht rechtzeitig weglaufen kann, wird angenagt und aufgegessen. Das ist zuweilen sehr komisch, ohne je lächerlich zu sein – diese Form von Humor werden aber womöglich nur Freunde des Splatterfilms so recht zu würdigen wissen.

Bei allen holzschnittartigen politischen Statements, die den Film so ätzend machen und aus der Masse jener Horrorproduktionen hervorheben, die sich allein aufs zünftige Erschrecken kaprizieren, ist Land of the Dead doch zuallererst ein Zombiefilm, und den Maßstäben des Genres nach sogar ein ziemlich guter.

Trailer zu „Land of the Dead“


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