Lakeview Terrace

Aus unerfindlichem Grund provoziert der Einzug eines jungen Pärchens Nachbar Abel zu einer Reihe böser Attacken. Es dauert nicht lange, da beginnen die nachbarschaftlichen Differenzen zu eskalieren.

Lakeview Terrace

Neil LaBute widmete sich in den letzten zehn Jahren als Dramatiker und Regisseur mit Vorliebe den Abgründen zwischenmenschlicher Beziehungen. Nachdem er sich in Filmen wie In The Company of Men (1997) und The Shape of Things (2003) seinen neurotischen Figuren auf komödiantische Weise näherte, überraschte LaBute 2006 mit dem Horrorfilm-Remake Wicker Man - Ritual des Bösen (The Wicker Man). Die Konventionen des Genres interessierten ihn dabei wenig, und auch sein neuer Film Lakeview Terrace begnügt sich nicht damit, ein einfacher Thriller zu sein.

Lakeview Terrace ist der Name eines idyllischen Wohnviertels über den Dächern Kaliforniens, in dem sich die obere Mittelschicht eine Oase des Wohlstands geschaffen hat. Als das frisch verheiratete Paar Chris (Patrick Wilson) und Lisa (Kerry Washington) hier ein Haus bezieht, ist es jedoch vorbei mit der Ruhe, denn Nachbar Abel (Samuel L. Jackson), ein ordnungsfanatischer Polizist, versucht die beiden mit Psychoterror und Sabotageakten so schnell wie möglich aus ihrem neuen Heim zu ekeln.

Lakeview Terrace

Aus den nachbarschaftlichen Differenzen entwickelt der Film zunächst noch keine reißerische Thrillerhandlung, sondern erinnert eher an ein Sozialdrama. Das eigentliche Problem des bedrohlichen Nachbars ist nämlich die unterschiedliche ethnische Herkunft der Neulinge. Dass es sich bei Abel um einen Schwarzen handelt, bietet eine willkommene Abwechslung zur Umkehrung des klassischen Rassismus-Motivs mit einem weißem Täter und einem schwarzen Opfer. Auch die Typisierung der Figuren bleibt zunächst ambivalent. In der Welt von Lakeview Terrace haben nur Schwarze einen Platz, die sich dem Lebensstil eines weißen Bürgertums anpassen. So biedert sich Abel seinem weißen Umfeld an, während Chris im Gegensatz zu seiner Frau Hip-Hop hört. Je mehr sich im Laufe der Handlung die Rivalitäten zwischen den beiden Männern zuspitzen, desto mehr verschwindet auch die Ambivalenz der Figuren, und LaBute bedient sich der Klischees des starken Wilden und des verweichlichten, unmännlichen Weißen.

Statt auf vordergründige Effekte zurückzugreifen, vermittelt der Film die Hilflosigkeit des verängstigten Pärchens auf subtilere Weise. Chris und Lisa stehen den Belästigungen, Einbrüchen und Drohungen gerade deshalb immer hilfloser gegenüber, weil ihr Nachbar Polizist ist und diese Position auch gezielt ausnutzt. So wirkt es durchaus zynisch, wenn die beiden immer wieder mit der Begründung beruhigt werden, dass sie sich neben einem Polizisten sicher fühlen können.

Lakeview Terrace

Die Lebendigkeit der Bedrohung durch einen unberechenbaren Nachbarn verdankt Lakeview Terrace der faszinierenden Darbietung von Samuel L. Jackson. Ohne an Überzeugungskraft zu verlieren, wechselt er immer wieder zwischen dem höflichen und besorgten Nachbarn und einem gefährlichen Psychopathen. Im Gegensatz zu Abel wirken die eigentlichen Protagonisten des Films eindimensional und als Identifikationsfiguren zu unsympathisch. Der konfliktscheue Chris und die hysterische Lisa sind langweilige Spießer, denen man die Attacken ihres Nachbars mitunter durchaus gönnt.

Über die Hälfte des Films bleiben die Gründe für Abels Rassismus im Unklaren und wirken gerade deshalb bedrohlich. Das ändert sich jedoch schlagartig, als seine Haltung mit einem traumatischen Erlebnis aus der Vergangenheit begründet wird. Das Ungewisse und Vieldeutige der Figur wird plötzlich mit einer platten psychologischen Erklärung legitimiert. Das Spannende an Lakeview Terrace ist zunächst, dass LaBute versucht, einen in der Realität geerdeten Thriller zu inszenieren. Wenn der Film gegen Ende immer mehr abhebt, verliert er auch deutlich an Reiz. Schließlich kommt es vor der bedeutungsschwanger apokalyptischen Kulisse der sich nähernden Waldbrände zu einem archaischen Kampf zwischen Gut und Böse, in dem für Feinheiten und Differenzierungen kein Platz mehr ist. So verspielt der Film sein ambitioniertes Unterfangen mit einem plumpen Zugeständnis an die Konventionen des Genres.

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Kommentare


Martin Z.

Es ist immer gut, wenn Rassismus thematisiert wird. Und das kommt auch in den Dialogen nicht schlecht rüber. Selbst die Eskalation der nachbarschaftlichen Gemeinheiten wird angemessen gesteigert.
Samuel L. Jackson spielt hier ein echt fieses Exemplar der Gesellschaft, der letztlich auch nicht vor Mord zurückschreckt. Die Ausleuchtung des Hintergrundes, warum er so ist, wie er ist, scheint allerdings wenig überzeugend. Nach einigen Längen zieht sich dann auch noch der finale Showdown etwas in die Länge und gerät leicht unübersichtlich. Dabei hat der Zuschauer die Lösung mit dem gefundenen Handy längst begriffen, denn an sich geht ja alles recht gradlinig zu. Kaum Spannung, höchstens Schadenfreude über das jeweilige Opfer des Krieges über den Gartenzaun, der bis in den Intimbereich geht. Und das sollte doch wohl eigentlich nicht sein. Dazu ist alles auch zu ernst gemeint. Es tangiert einen aber höchstens marginal. Ich hatte gehofft das Feuer verbrennt die Häuser der beiden Kampfhähne, um sie im gemeinsamen Leid zu versöhnen auf einer ’Terrasse mit Seeblick’. Stattdessen wird der Böse erschossen und der Gute schmachtet am Krankenbett seiner Frau dahin. Schema F halt. Mittelprächtig. Da hat LaBute schon Besseres abgeliefert.






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