Lady Henderson präsentiert

Ausgehend von historischen Fakten wirft Stephen Frears einen nostalgischen Blick hinter die Kulissen des ebenso berühmten wie berüchtigten Londoner Windmill-Theaters.

Lady Henderson präsentiert

Stephen Frears’ bisherige Filme bedienten sich einer beachtlichen Anzahl unterschiedlichster Genres. Auf Neo-Noir und Western (The Hi-Lo Country, 1998) folgte ein Live-Fernsehdrama im Stil der fünfziger Jahre (Fail Safe, 2000), dann eine Liebeskomödie (High Fidelity, 2000) und zuletzt ein Flüchtlingsdrama im Kontext des kriminellen Organhandels (Kleine schmutzige Tricks, Dirty Pretty Things, 2002). Frears hat sich so den Ruf eines ausgezeichneten Handwerkers erworben, der sich, genau wie sein Landsmann Michael Winterbottom, jeglicher simplen Kategorisierung entzieht.

Lady Henderson präsentiert (Mrs. Henderson presents), laut Werbung eine „Musical Comedy“, geht diesen Weg konsequent weiter. Der Film schildert die turbulenten Anfangsjahre des Windmill-Theaters, welches Mitte der dreißiger Jahre die erste Nacktrevue Englands aufführt. Das Publikum ist begeistert, nicht jedoch die englische Regierung und so muss die Besitzerin des Theaters Laura Henderson (Judi Dench) dem Zensor zuerst einen ebenso absurden wie originellen Kompromissvorschlag abringen: nackt dürfen die Frauen sein, aber nur wenn sie sich nicht bewegen.

Lady Henderson präsentiert

Die Bezeichnung „Musical Comedy“, die sich auf den ersten Blick anbietet, ist in zweierlei Hinsicht irreführend. Zum einen ist Lady Henderson präsentiert auf stilistischer Ebene kein Musical. Es wird zwar gesungen und getanzt, doch dies findet immer auf der Bühne des Theaters statt und wird stets durch die Handlung motiviert. Ein Vergleich mit Musical-Erfolgen der vergangenen Jahre wie Moulin Rouge (2001) oder Chicago (2002) stellt sich insofern als schwierig dar. Nicht nur was die Verwendung von Gesangs- und Tanzeinlagen anbelangt, unterscheidet sich Stephen Frears’ Film von gängigen Musicals. Herausragende Merkmale von Moulin Rouge waren die visuelle Umsetzung und der unerhört hohe Kitsch-Faktor. Lady Henderson präsentiert geht einen anderen Weg. Das Augenmerk liegt auf einer authentischen Nachbildung der dreißiger und vierziger Jahre. Die Bühne des Windmills kommt zwar in einer Farbenpracht daher, die durchaus an die stilistischen Kapriolen von Moulin Rouge erinnert, doch außerhalb des Theaters wird London in dezenteren Farbtönen dargestellt und den Bühnenbildern der Aufführungen werden die trostlosen Bilder der zerstörten Stadt gegenüber gestellt.

Lady Henderson präsentiert ist zu Beginn eine Komödie, in deren Mittelpunkt Laura Henderson steht, die sich sich zum Theater-Direktor Vivian Van Damm (Bob Hoskins) hingezogen fühlt. Als dann der Zweite Weltkrieg ausbricht, wird das Windmill-Theater ganz ins Zentrum des Films gerückt. Das anfangs als ein Ort des Tabubruchs und reinen Vergnügens dargestellte Theater gewinnt durch den Krieg eine andere Funktion. Da der Saal unter der Erde liegt, kann das Windmill auch während der verheerenden deutschen Angriffen seine Aufführungen fortführen. Aus einem Ort des Tabubruchs wird ein Ort des Widerstandes, dem Stephen Frears ein großes Denkmal zu setzen versucht.

Lady Henderson präsentiert

Im Verlauf des Film treten die Nebenfiguren immer mehr in den Vordergrund. Doch im Gegensatz zu den beiden Hauptdarstellern Judi Dench und Bob Hoskins wirken sie blass. Besonders deutlich wird dies bei Maureen (Kelly Reilly), dem Star des Windmills. So richtig zum Leben kommt ihre Figur nie und als sie während eines Bombenangriffs stirbt, hat man den Eindruck, dass sie im Drehbuch nur vorkommt, um Sympathie beim Zuschauer zu erregen.

Frears Bemühen aus dem Windmill ein Wahrzeichen zu machen, führt dazu, dass Lady Henderson präsentiert äußerst nostalgisch wird und durch den eingesetzten Pathos zugleich etwas schwerfällig und zähflüssig erscheint. Die Aufführungen mit seinen nackten Frauen erhitzten in den dreißiger Jahren die Gemüter und führten zwischen der englischen Regierung und den Betreibern des Theaters zu Auseinandersetzungen. Dem gegenüber erweckt Stephen Frears’ Film einen braven und versöhnlichen Eindruck.

 

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.