Das Leben gehört uns

In Das Leben gehört uns (La guerre est déclarée) kämpft ein junges Elternpaar für das Leben seines Kindes.

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Roméo (Jérémie Elkaïm) und Juliette (Valérie Donzelli) lernen sich in einer Diskothek kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick, alles geht rasend schnell. Während der Film anfangs noch ihrem unbeschwerten Liebesglück in zügig montierten Momentaufnahmen unbekümmerter Zweisamkeit, schwerelosen Fahrradfahrens und wilder Knutschereien hinterherhechtet, sind die beiden im nächsten Augenblick schon junge Eltern und tragen Verantwortung für ihren Sohn Adam. Gerne kramt die Regisseurin und Hauptdarstellerin Valérie Donzelli dabei in der Kiste der französischen Filmgeschichte, bedient sich der träumerischen Märchenästhetik von Die fabelhafte Welt der Amelie (Le Fabuleux destin d’Amélie Poulain, 2001) oder lässt die beiden Verliebten wie in Jules und Jim (Jules et Jim, 1962) stürmisch eine Brücke entlang laufen. So genüsslich die Bilder dann auch das Glück der kleinen Familie auskosten, folgt bald die Katastrophe. Als Adam 18 Monate alt ist, wird bei ihm ein Hirntumor diagnostiziert.

Mit einem gewissen Maß an Komik inszeniert die Regisseurin von da an das einst sorgenfreie Leben des Ehepaares als kriegerischen Feldzug gegen den Krebs, der alle Bereiche des Alltags infiltrieren wird: Ganz wie Soldaten einer Einsatztruppe – uniformiert mit Mundschutz und OP-Kittel – betreten beide jeden Tag das Zimmer ihres Sohnes mit der Mission, ihn zu retten. Draußen warten Verwandte und Freunde als Heer der Unterstützung und des guten Zuspruches. Bald wohnt das Paar wegen Geldnöten sogar im Krankenhaus am Ort des Geschehens. Immer wieder werden die Lebensumstände der beiden durch wörtlich in Szene gesetzte Metaphern veranschaulicht : Roméo und Julliette sitzen nebeneinander im Café, das sich „Zug des Lebens“ nennt; als Team im selben schwarz-roten Outfit trainieren sie für einen Marathon – Durchhaltevermögen ist angesagt. Trotz des ernsten Themas bringt uns der Film durch unbeabsichtigt komische Handlungen der Figuren und der daraus resultierenden Situationskomik ganz unweigerlich zum Schmunzeln. Zum Beispiel wenn sich die kleine Familie, wie zufällig mit schwarzen Kapuzenpullovern, wie ein Bankräuber-Trio aus dem Krankenhaus schleicht, um einen ungestörten Augenblick zusammen am Meer zu genießen.

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Der Film zeichnet sich durch stilistischen Facettenreichtum aus. Es gibt einen auktorialen Erzähler aus dem Off, der von den Gedanken und Emotionen der Protagonisten berichtet und Das Leben gehört uns (La Guerre est déclarée) für kurze Zeit zum Märchen stilisiert. Von klassischer Musik begleitete dramatische Gesten der Angehörigen, als diese von der Krankheit Adams erfahren, lassen an das Schauspiel der Stummfilmzeit denken. Etwas skurril wirken diese Szenen. Surreal spiegeln sie die Unwirklichkeit der Realität wider, in der das eigene Kind an einem potenziell tödlichen Tumor erkrankt ist und ihm die Statistiken eine Heilungschance von zehn Prozent zusprechen. Kleine Momente der Unfassbarkeit, des Schocks, ein Schwebezustand, ein Gefühl, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Doch schon in der nächsten Szene befindet man sich zurück auf dem Boden der Tatsachen, um an Plänen zu Adams Genesung zu feilen.

Im Zeitraffer durchlaufen die Protagonisten intensive Gefühlszustände. Dynamisch montierte Sequenzen der Höhen und Tiefen eines Alltags im Kampf um alles oder nichts. Mit dem Einsatz von Musik vermittelt die Regisseurin Situationen von emotionaler Anspannung und Entladung. Aus Angst um ihren Sohn läuft Juliette wie manisch, als wäre sie selbst die Patientin, zu elektronischer Musik durch die weißen Gänge des Krankenhauses, bis sie erschöpft auf dem Fußboden liegen bleibt. Ein gemeinsam gesungener Chanson zeigt die tiefe Verbundenheit der beiden im Kampf um ihren Sohn. Und immer wieder Szenen von ausgelassenen Partys. Bekämpft wird die Krankheit, das Leben wird gefeiert.

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Für den Umgang mit einem schweren Schicksalsschlag bietet Das Leben gehört uns weder eine prototypische Schilderung noch eine Musterlösung. Doch indem Valérie Donzelli die Geschichte von Roméo, Juliette und Adam mit Humor und Fantasie in einem erfrischenden Rhythmus erzählt, den familiären Zusammenhang hervorhebt und ihre Figuren Schritt für Schritt Probleme überwinden lässt, macht sie auch den Zuschauern Mut. Der Film strotzt vor Lebensfreude. Und schließlich hofft man auch im Kriegszustand auf gute Nachrichten. Das Leben gehört uns ist eine davon. 

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