La Boum – Die Fete

Mit dreizehn größer als alle anderen: Claude Pinoteaus La Boum von 1980 beschert im Rahmen einer sommerlichen Kinotour noch einmal Nachmittagspartys mit lila Nebel - und eine Sophie Marceau, die noch immer zu jung ist, um wahr zu sein.

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In der Stimmung, bei der es sich partout nicht in die Tiefe gehen lässt, streife ich lieber über die Bilder gewisser weiblicher Schönheiten. In die Suchleiste des Browsers tippe ich zum Beispiel: Sophie Marceau. Reine Augenlust, ein Bedürfnis und ein Vergnügen ganz für sich selbst. Die Filme mit Marceau geraten mir dagegen verhältnismäßig selten unter die Hände. Umso mehr gilt dieser Text der Schauspielerin, wie sie in La Boum von 1980 auf der Leinwand zu sehen ist: Im lila Nebel badend, lässt sie ihren Kopf im Nacken eines garçon sinken. Während die beiden in einem langsamen Tanz pendeln, lässt sie ihren Blick auch schon im Raum herumschweifen. Wo sie sich ihrer Anziehungskraft gerade bewusst wird, wächst das Bild eines anderen boy, der am Rande der Tanzfläche wartet, zu einem Close-up. Er will was von ihr, und in dem zwei Jahre später herausgekommenen La Boum 2 haben es alle von ihr gewollt: Trop belle, zu jung, auch um wahr zu sein. Ihr ungeschminkter und ihr überschminkter Blick (beides etwas per se Jugendhaftes), ihre Wohlgeformtheit spiegeln sich dort im Blick der Mutter (Brigitte Fossey) wider. Die in der einen Szene dazwischengeschnittenen Kinderfotos scheitern vergeblich bei dem Versuch, das Begehren für elterlichen Stolz und Staunen auszugeben. Mit einer Million Francs kaufte sich Marceau, so liest man, aus einem Vertrag frei, der sie zu einer weiteren Fortsetzung von La Boum verpflichtet hätte.

Windpocken mit Glitzer abschminken – genial, non?

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In dem ersten und eigentlichen La Boum ergeben der Film und seine Protagonistin aber noch ein Ganzes, über das sie am Schluss, oder früher noch, mit ihren zarten dreizehn auch schon hinausschießt. Marceaus Vic Beretton, die „Schwester von Isabelle Adjani und Konfuzius“ (so wird sie jemand in La Boum 2 beschreiben), ist größer als andere und keinem ähnlich. Sie ist von Beginn an und von Grund auf eine Akteurin, eloquent und entschlossen: „Er ist es, den ich will.“ Auch die anderen Schüler, Pénélope etwa samt jüngerer Schwester, sind fürs gute Benehmen nicht gemacht, keiner hier will die Gegebenheiten einfach so hinnehmen. Windpocken mit Glitzer abschminken – genial, non? Der Film führt vor, dass tous les garçons et les filles keine Zeit kennen, passende so wenig wie unpassende. Alles liegt noch vor ihnen, und dieses Alles schaufeln sie weg, als könnte es ihnen nie ausgehen. Mit Leichtfüßigkeit und Leichtsinn tauschen sie Pyjama gegen Rollschuhe, setzen Impulse trotz Risiko in Aktion um.

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Zum Beispiel – Partys am Nachmittag. Die zentralen Szenen des Films spielen auf solchen Partys, bei einer von ihnen ist ein Walkman ganz wesentlich. Zu dem Zeitpunkt noch der letzte Schrei, hat die neue Medientechnik mit dem Verhältnis zwischen diesen garçons und filles, diesen girls und boys insofern zu tun, als sie die ersehnte Nähe zu jeder Zeit und an jedem Ort herzaubert. Als Vic die Kopfhörer aufgesetzt bekommt, sind der Rhythmus und der Modus plötzlich andere: Aus Rock ’n’ Roll wird Stehblues. Dieser Film, der keine Ambivalenzen kennt, kennt auch kein Zaudern vorm Musikregal. Von Richard Sandersons Dreams Are My Reality kriegt hier keiner genug. Während die Party eine Form ist, ist der Stehblues in deren Inneren ein reines Gefühl. Außen inzwischen – a different kind of reality – versammeln sich die Eltern vorm Haus, wo die besagte Party stattfindet. Aus der Telefonzelle erreicht man die Feiernden nicht, da irgendjemand ewig die Leitung besetzt, das Kabel um den Finger wickelnd. Die Eltern also – es werden immer mehr – warten nervös, rauchend, sich gegenseitig die Schuld zuschiebend, sich nicht nach oben trauend.

Sie küssten und sie schlugen sich

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Während die Teenager mit der ersten Liebe klarkommen müssen, tun die Erwachsenen dasselbe mit der ihren. In den Erzählsträngen hier wie dort küsst man und schlägt man sich, fährt in Sachen Gefühl hoch und herunter, kehrt auf halber Strecke auch gerne mal um. Mutter-, Vater- und Oma-Affekte führen sich auf, machen Theater, bekommen das Theater auch gerne von den anderen gemacht. Vics Vater, von Claude Brasseur gespielt, der filmgeschichtlich ganz Mann ist, ist hier ein Trottel, weil er seine blendend schöne Ehefrau mit einer deutlich weniger attraktiven Liebhaberin betrügt. Wie so oft im Kino, ist Paris ein Dorf, in dem man sich stets über den Weg und in die Arme läuft. Die Ehe geht um ein Haar aus dem Leim, aber es gibt nichts, was nicht wieder gutzumachen wäre. Die Probleme, auch sie schaufeln die Figuren, schaufelt der Film leger beiseite. In Folge und ohne inneren Hader erzählt, hält der Film auch von heute aus gesehen sein Versprechen. Der La Bäm! Verleih, der zum Berliner City Kino Wedding gehört, beschert La Boum in den kommenden Wochen eine kleine Kinotour.

Trailer zu „La Boum – Die Fete“


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