Küss den Frosch

Back to the roots: In Disneys 49. abendfüllendem Kinofilm findet das Studio zurück zum klassischen Erzählstoff, aus dem Kinder- und Märchenfilme gemacht sind.

Küss den Frosch

Eine Geschichte, wie man sie schon unzählige Male gelesen, gehört oder gesehen zu haben meint: Die Handlung beginnt im New Orleans der Jahrhundertwende vor dem Ersten Weltkrieg. In diesem Krieg verliert die junge Kellnerin Tiana (Cassandra Steen) ihren Vater, woraufhin sie und ihre Mutter auf sich alleine gestellt sind. Tiana arbeitet Tag und Nacht, um das Andenken an ihren Vater zu wahren und um seinen sehnlichsten Traum, eines Tages ein eigenes Restaurant zu eröffnen, schließlich doch noch wahr werden zu lassen.

Küss den Frosch

Zur selben Zeit kommt der Prinz Naveen (Roger Cicero) in New Orleans an, der zwar auf Brautschau ist, sich aber nicht nur als eitler Draufgänger entpuppt, sondern nebenbei auch noch pleite ist. Durch die Hochzeit mit Charlotte, der Tochter des reichen Industriellen „Big Daddy“ La Bouff, will Naveen seinen Haushalt wieder ausgleichen. Jedoch hört der Voodoozauberer Dr. Facilier (Thomas Amper) den Plan Naveens mit und wittert hier seine Chance auf das große Geld: In Komplizenschaft mit Lawrence, dem Diener des Prinzen, verwandelt er Naveen in einen Frosch. Lawrence, nun mit dem guten Aussehen des Prinzen ausgestattet, soll dessen Platz einnehmen, um so an das Geld La Bouffs heranzukommen.

Küss den Frosch

Auf der Kostümfeier zu Ehren des Prinzen hilft Tiana als Kellnerin aus und trifft abseits des Partyrummels auf den Frosch. Bewandert in den Grimm’schen Märchen, bittet Naveen Tiana, ihn zu küssen. Und der Zauber wirkt ... jedoch in die entgegengesetzte Richtung: Zu ihrem Entsetzen ist nun auch Tiana ein Frosch. Gemeinsam mit Naveen, dem trompetespielenden Krokodil Louis (Bill Ramsey) und dem verliebten Glühwürmchen Ray (Robert Missler) muss sie nun die berüchtigte Mama Odie (Marianne Rosenberg) finden, die den Zauber rückgängig machen könnte. Der böse Facilier ist ihnen dabei stets auf den Fersen.

Küss den Frosch

Küss den Frosch bedeutet für Disney vor allem einen Bruch mit dem Neuen und die Rückkehr zum Bewährten. Erst 2004 hatte das Studio mit dem Film Die Kühe sind los! (Home on the Range, 2004) die traditionelle Animation hinter sich gelassen (von den in Zusammenarbeit mit Pixar entstandenen Filmen einmal abgesehen) und schwimmt nun mit der Rückkehr zur Klassik gegen die Welle der 3-D-Filme, die nicht nur im Animations-Bereich zurzeit in die Kinos kommen. Dass hinter diesem Schritt mit aller Wahrscheinlichkeit auch ökonomische Gründe stehen und man an die Erfolge der Jahre vor 2004 anknüpfen will, liegt wohl auf der Hand und soll als Kursrichtung von Disney erst einmal beibehalten werden.

Küss den Frosch

Der Film ist dabei nun ein seltsames Werk, eine Mischung aus Puderzucker, Musical und Palimpsest. Er bietet alles, um den Zuschauer in einer Melancholie aufgehen zu lassen, die einen zurückbringt zur eigenen Disneysozialisation, die für den Rezensenten mit  Bernhard und Bianca – Die Mäusepolizei (The Rescuers, 1977) begann, mit Arielle, die Meerjungfrau (The little Mermaid, 1989) ihren Höhepunkt fand und sich dann in der wiederholten Sichtung von Der Glöckner von Notre Dame (The Hunchback of Notre Dame, 1996) erschöpfte. Und tatsächlich ist der Film ein richtiges Potpourri des Disney-Werkes (ohne damit gleich als postmodern zu gelten) und führt so zurück in die eigene Disney-Vergangenheit, der früheren Filme und Seherfahrung. Das Motiv der Verwandlung spielt erneut die zentrale Rolle im Film – wie in Arielle und Die Schöne und das Biest (Beauty and the Beast, 1991), wo auch nur der „Kuss der wahren Liebe“ Rettung versprach. New Orleans weckt Erinnerungen an den Unterschlupf der bösen Medusa aus Bernhard und Bianca, und der Voodoo-Priester Facilie sieht aus wie die moderne Version des Großwesirs Jafar aus Aladdin (1992). Und dazu wird gesungen und getanzt.

Küss den Frosch

Und doch sind die Änderungen, erscheinen sie auch nur marginal, nicht von der Hand zu weisen: Nicht nur, dass Disney nun – ohne durch die Handlung dazu gezwungen zu sein – eine Farbige in den Mittelpunkt der Geschichte stellt (die aus ärmlichen Verhältnissen kommt und – natürlich! – reinen Herzens ist), sondern auch Krieg wird thematisiert, und an manchen Stellen ist der Film düsterer als seine Vorgänger. So fällt nicht nur Tianas Vater im „Großen Krieg“, sondern auch einer der Reisebegleiter lässt am Ende des Films sein Leben, natürlich nicht ohne in einer kitschigen Zeremonie (mit anschließender Wiedergeburt – Disneys Theologie eben) gewürdigt zu werden. Und alleine der Voodoo-Themenblock mit seiner schwarzen Magie, dem Draht ins Jenseits und blutigen Ritualen ist nur bedingt für Kinder jeder Altersstufe geeignet.

Böswillig könnte man also sagen, Küss den Frosch ist gesungener Schmalz, der einen besorgt an den eigenen Insulinspiegel denken lässt. Damit erfüllt Disney die Erwartungen vollends, ganz gleich ob sie positiv oder negativ besetzt sind.

Trailer zu „Küss den Frosch“


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