Krabat

Die Besetzungsliste von Krabat liest sich bisweilen wie ein Who-Is-Who deutscher Jungstars, doch neben Daniel Brühl und Robert Stadlober hat die Literaturverfilmung noch einiges mehr zu bieten.

Krabat

Der Dreißigjährige Krieg neigt sich dem Ende zu. Durch eine triste Winterlandschaft, die von einem Gemälde Caspar David Friedrichs stammen könnte, wandert der jugendliche Krabat (David Kross) mit seinen gleichaltrigen Freunden von Dorf zu Dorf um als Musikant für einen Hungerlohn aufzutreten. Eine mysteriöse Stimme veranlasst den Jungen sich von seinen Freunden loszusagen und eine Lehre als Müllergeselle anzutreten. Auf dem Hof seines Meisters (Christian Redl) findet Krabat einen neuen Freund in dem Gesellen Tonda (Daniel Brühl) und gerät unerwartet in Kontakt mit finsteren Kräften. In einer Vollmondnacht werden statt des üblichen Getreides Knochen zu Mehl verarbeitet, die der Gevatter Tod in Person herangeschafft hat. Schnell wird Krabat klar, dass er und die übrigen Gesellen nicht nur das Müllern lernen, sondern auch in den Künsten der schwarzen Magie unterwiesen werden sollen.

Der nach einer sorbischen Volkssage entstandene Jugendroman Krabat (1971) von Otfried Preußler stand lange Zeit im Lehrplan des Mittelstufen-Deutschunterrichts. Regisseur und Drehbuchautor Marco Kreuzpaintner nutzt die bekannte literarische Vorlage jedoch nicht, um Schulfernsehen im Filmformat abzuliefern, sondern schafft stattdessen eine Seltenheit des deutschen Films: Genrekino. Die Initiationsgeschichte in Krabat eignet sich hervorragend, um waschechtes Fantasy-Kino auf die Leinwand zu bringen.

Krabat

Der rigorose Einsatz von Spezialeffekten und schwertragender Filmmusik scheint den Vergleich mit der filmischen Umsetzung des thematisch verwandten Stoffes der Herr der Ringe-Trilogie (2001-2003) wie auch der in den Grundzügen mit Krabat fast identischen Star Wars-Saga (1977-2005) geradezu herauszufordern. Mag dieser Vergleich, wenn auch selbst herbeigeführt, ein wenig unfair erscheinen, hält ihm Krabat dennoch erstaunlich gut stand. Sieht man von einigen weniger elegant umgesetzten Anleihen ab wie dem teils unmotivierten Einsatz des sogenannten Stroboskop-Effekts, der die Zerlegung von Bewegungen in Einzelbilder sichtbar werden lässt und den Ridley Scott in den Schlachtenszenen seines Galadiator (1999) salonfähig machte, dann gelingt es Kreuzpaintner die Vorlage in eine ausgewogene Inszenierung zu packen. Denn bei allen Möglichkeiten des digitalen Effektkinos bleibt der Film nah an den Hauptfiguren und nutz das Setting des Romas, um eine Männergemeinschaft, aus der Frauen ausgeschlossen sind, mit einem detailverliebten Blick zu porträtieren.

Dabei scheinen Kreuzpaintner insbesondere Texturen jeglicher Art besonders wichtig zu sein, aus denen er eine in sich geschlossene Welt erschafft. Die Oberflächen der Stoffe und Gegenstände spielen dabei eine ebenso große Rolle, wie das Erscheinungsbild der Darsteller. Selten sieht man eine Riege deutscher Jungschauspieler, zu denen neben David Kross, der in Detlev Bucks [filmid: 445]Knallhart (2006) im Mittelpunkt stand, auch Robert Stadlober und Hanno Koffler zählen, die in ihrer Körperlichkeit durch Schwitzen, Bluten und Frieren in so ausgewiesener Form in Szene gesetzt ist. Die regelrechte Versessenheit auf Oberflächenreize, dank derer Kreuzpaintner seiner Welt einen besonders bodenständigen Look, hervorgerufen durch den steten Eindruck des Abgenutzten und Gebrauchten, verleiht, erinnert bisweilen an Terry Gilliams Inszenierungsstil, der auf vergleichbare Weise den historischen Settings seiner Filme Jabberwocky (1977) und [filmid: 323]Brothers Grimm (The Brothers Grimm, 2005) Leben einhauchte.

Krabat

Trotz dieser inszenatorischen Stärken kann Krabat nicht alle Fallen, die das Genre bereitet, umschiffen. Wenn sich Kreuzpaintner auch reichlich Zeit für die Skizzierung der männlichen Charaktere nimmt, geht dies doch auf Kosten der beiden weiblichen Figuren, Kantora (Paula Kalenberg) und Worschula (Anna Thalbach), die in der Funktion des jeweiligen Liebchens von Krabat und Tonda auf fast sträfliche Weise unterentwickelt bleiben. Somit wurde leider ein Klischee des Fantasy-Films übernommen, das mit Produktionen wie der Herr der Ringe-Trilogie eigentlich schon überwunden schien: die Marginalisierung weiblicher Charaktere. Wenn am Ende Kantora in anteilnahmsloser Pose in Krabats Armen liegt banalisiert dies nicht nur dessen Erlösung von den dunklen Kräften, auch Kreuzpaintners akribisch erschaffene Welt fällt dann in sich zusammen.

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Kommentare


June

"Wenn sich Kreuzpaintner auch reichlich Zeit für die Skizzierung der männlichen Charaktere nimmt, geht dies doch auf Kosten der beiden weiblichen Figuren, Kantora (Paula Kalenberg) und Worschula (Anna Thalbach), die in der Funktion des jeweiligen Liebchens von Krabat und Tonda auf fast sträfliche Weise unterentwickelt bleiben."

War das denn wichtig? Es geht um die Männergemeinschaft und dann um die Liebe. Ich finde, es war nicht nötig, die weiblichen Charaktere deutlicher zu zeichnen, da sie ihre Rolle als Objekt der Sehnsucht und des Regelbruchs, der Gefahr auch so erfüllen.


Gustl

Der Film war in Ordnung. Die Schauspieler an sich waren echt Klasse und professionel. ABER:
Die Ansätze waren echt Top, nur man konnte viel viel mehr drauß machen. Man konnte viel mehr auf den Bettler Jungen, der nach Krabat ankam, eingehen oder auf die Geliebte von Krabat. Auch die Magie konnte mehr gezeigt werden, bzw... die Verwandlung zur Rabe usw.... Ja und sonst waren alle Rollen gut besetzt, gut gespielt, Respekt.


Adrian

War heute drin und fand den Film einfach nur schlecht, schlechte Darsteller (bis auf Brühl), noch schlechtere Dialoge, schlechtes Szenenbild, insgesamt schlechte Filmqualität, Kamera teilweise unruhig gehalten, keine Spannung.

Zum ersten mal hatte ich vor während einer Vorstellung den Saal frühzeitig zu verlassen - aus Höflichkeit meiner Begleitung habe ich mir diesen Schrott angetan.
Manche Szenen waren so lächerlich das das Publikum sogar darüber lachen musste. Mir sind auch noch nie so viele Filmfehler aufgefallen wie in diesen Film.

Wer das Buch gelesen hat sollte sich den Film nicht anschauen.


christiane

Grottenschlechter Film.
Mühelos hingeklatscht. Die Personen des Films wurden wie Abschaum hingestellt. Das lernen von Krabat völlig daneben. Es ging um Geistige Wissenschaften und nicht darum wie sie mit einem Stock hauen. Worschula war schon Tod als Krabat in die Mühle kam. Die Dialoge schlecht. Die Handlung so völlig daneben das ich mich als Autor fragen würde ob mein Beruf wirklich sinn macht.


Christian

leider eine Sehr schlechte Umsetzung.
viele wichtige Deteils aus dem Buch, die zum Verständnis wichtig sind wurden einfach weggelassen.

Die Laienhafen Kameraaufnahmen wurden häufig zu dunkel aufgenommen und weisen dadurch ein viel zu starkes Bildrauschen auf.

Die digital erzeugten Raben wirken sehr künstlich und lieblos.


Strawbeeeeri

Ich fand den Fil echt gut! ich habe das Buch gelesen und den Fil gesehen. Obwohl viele Details vom Buch weggelassen wurden fand ich daqs das Buch gut verfilmt wurde.






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