Kontroll

Der in Cannes mit dem Jugendpreis ausgezeichnete Erstling von Nimród Antal beschreibt die Sisyphusarbeit Budapester Kontrolleure. Eine spannende und zugleich unterhaltsame Momentaufnahme im gekonnt inszenierten Dunkel der U-Bahn.

Kontroll

Kontrolleure sind nicht besonders beliebt. Das wissen auch Bulcsú, Muki, Lecsó, der Professor und Tibis. Zu ihrem Alltag in der Budapester U-Bahn gehören Schlägereien mit den immergleichen zahlungsverweigernden Kunden, ein mysteriöser Mörder, der seit einiger Zeit Fahrgäste vor Züge schubst und Bootsie, ein ihnen immer wieder entkommender Schwarzfahrer. Die fünf Kontrolleure haben sich für die dunkle, märchenhafte Welt entschieden, die nicht nur aus Mangel an Sonnenschein verkommen wirkt. Und doch gibt es für die Fünf keine greifbare Alternative zu diesem Job. Denn zugleich ist das Finstere ihres Arbeitsortes ihr Refugium, ein zwar durchlässiger aber für sie in sich geschlossener Raum in dem sie sich ihren gesellschaftlichen und familiären Pflichten entziehen können.

Nimród Antal hat für seinen ersten Langspielfilm ein beeindruckendes Setting gefunden. Er schafft ein Bild der U-Bahn der ungarischen Hauptstadt, das vom Spiel mit dem Kontrast, den gigantischen Lüftern, dem auf den Rolltreppen einfallenden Licht und der Variation zwischen grellem Licht und mysteriösem Dunkel geprägt ist. Antal, der bisher vor allem Werbefilme und Musikvideos realisierte, bleibt hier keineswegs einer Videoclip-Ästhetik verhaftet. Er zeichnet einen durch die atmosphärische Musik und die brillante Kameraarbeit (Gyula Pados) getragenen, komischen und spannenden Film.

Kontroll

Die Mischung von Elementen der Komödie, des Thrillers, des Märchens und des Dramas erinnert an den in einer phantasmagorischen Welt spielenden Die Stadt der verlorenen Kinder (La cité des enfants perdus, 1995) von Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro. Die Stärke von Kontroll liegt aber vielmehr in der Schilderung eines Lebensgefühls als in der Nachzeichnung einer Entwicklung. Dass sich Antal dann für das Ende an Konventionen des Geschichtenerzählens orientiert, und die Auflösung aus den nur oberflächlich motivierten Veränderungen in Bulcsús Leben speist, muss demnach etwas enttäuschen. Antals Momentaufnahme des Alltags von Fahrkartenkontrolleuren weist aber weit über diesen kleineren Mangel hinaus und bietet einen vergnüglichen, visuell und akustisch berauschenden Kinoabend.

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