Kong: Skull Island

Ein Gorilla zwischen Vietnamkrieg und Pastiche: Kong: Skull Island zeigt den größten King Kong, den es je gab, und bombardiert ihn mit so vielen Referenzen, dass er seine eigene Identität vergisst.

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Wann zeigt sich die Bestie? Wie viel narrativen Vorlauf benötigt ein 30 Meter hohes Ungeheuer? Fragen, die jeder Monsterfilm auf die eine oder andere Art beantworten muss. Kong: Skull Island wählt eine selbstbewusste Antwort: Nach kaum fünf Minuten Laufzeit erscheint Kong in voller Lebensgröße auf der Leinwand. Damit schlägt der Film gleich zu Beginn eine andere Richtung ein als seine Vorgänger, die sich zwischen 40 und 60 Minuten Zeit nahmen, den Riesengorilla auf die Leinwand loszulassen. Der neue Kong hat das Vorspiel nicht nötig, das seine Vorfahren und sein ebenfalls neuaufgelegter Nebenbuhler Godzilla (2014) noch in Anspruch nahmen.

Starpower gegen Muskelberge

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Als eigentlichen Vorlauf der Geschichte nutzt der Film das Ende des Vietnamkriegs, das nur wenige Tage zurückliegt. Entsprechend setzt sich das Team, das Skull Island erkunden soll, aus einer Gruppe von Vietnam-Veteranen zusammen. Angeführt von Lieutenant Colonel Packard (Samuel L. Jackson), fliegen die Soldaten die unerforschte Insel in Helikopterformation an. Mit an Bord sind die Wissenschaftler Randa (John Goodman) und Brooks (Corey Hawkins) sowie Ex-Elitesoldat Conrad (Tom Hiddleston) und die Kriegsfotografin Mason Weaver (Brie Larson). Es dauert nicht lange, bis dieses All-Star-Team auf den Wolkenkratzer aus Muskelmasse stößt, der Kong genannt wird. Eine Formel, die der Film sogleich spektakulär ausspielt, als der Riesengorilla anfängt, die perfekte Formation der Helikopter, die seine Insel mit „seismografischen“ Bomben bewirft, mit den Fäusten auseinanderzunehmen. Nach ein paar Ohrfeigen Kongs trudeln Maschine und Besatzung hilflos durch die Luft, während die Kamera den Affen aus dem Inneren des Hubschraubers fixiert. Mit jeder Rotation findet Kameramann Larry Fong eine neue Perspektive auf dessen gewaltige Ausmaße, während die Zeitlupe die Sekunden vor dem Einschlag dehnt wie ein Bungee-Seil.

Das fröhliche Herz der Finsternis

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Die Schockwirkung von Riesenaffe und Absturz bleibt den abgestürzten Helden noch im Dschungel von Skull Island erhalten. Während Packard und seine Crew sich auf einen Rachefeldzug gegen Kong begeben, versucht das Wissenschaftsteam, geführt von Conrad, die Evakuierungszone zu erreichen und die Insel wieder lebend zu verlassen. Gut und Böse bleiben gut sortiert in der langen Dschungel-Exkursion, die der Film unternimmt, bespickt mit Artefakten des Vietnamkriegs, von bemalten und mit Waffenöl gezierten Helmen bis zu Kleinbild- und 8mm-Kameras. Besonders Apocalypse Now (1979) dient dabei den Drehbuchautoren und Regisseur Jordan Vogt-Roberts als schier endlose Quelle von Referenzmaterial, von Helikopter- bis hin zu Napalmangriffen und der unvermeidlichen Bootsfahrt durch den Dschungel. Doch bleibt der Film im Grunde eine heitere Reise ins Herz der Finsternis, eingefangen in saftigen, digitalen Farbtönen und ausgeschmückt mit einem gefälligen Mix aus Black Sabbath, Jefferson Airplane, CCR und David Bowie. Um Joseph Conrad oder seine Vietnam-Adaption endgültig in die digitale Exotik des Films zu überführen, taucht schließlich John C. Reilly als Marlow auf. Oder besser: als postmodern überdrehte Abwandlung von Conrads Marlow. Doch selbst als Verballhornung verschiedener Charaktere bleibt Reilly in seinem Dennis-Hopper-Outfit und der Balance zwischen Tragik und Klamauk, in der er die Figur hält, noch die größte nicht-digitale Attraktion des Films.

Pastiche als Kraftakt

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Doch sind es die digitalen Attraktionen, aus denen Kong: Skull Island seine Kraft schöpft. Die aufwändig animierten Wesen, die in Momenten auftreten, in denen die B-Movie-Energie frei fließen darf. Etwa wenn die GIs gegen eine Riesenspinne antreten, wenn Tom Hiddleston mit Gasmaske und Katana durch grünen Nebel auf eine Riesenechse zusprintet oder wenn Kong auf seine Brust trommelt und damit Basswellen aussendet, die den Dschungel vibrieren lassen.

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Leider kosten diese Sprints aber eine Menge Energie. So wuchtet sich der Film nur mit großer Mühe zwischen B-Movie-Spaß, Vietnam-Pastiche und Abenteuerfilm hin und her. Für das eigene Filmerbe fehlt dann gänzlich die Kraft: Viel mehr als eine kurze Begegnung mit der blonden Frau und den Waffen der Vietnamsoldaten bleibt vom tragischen Monster aus den 1930er Jahren nicht übrig. King Kong ist keine tragische Figur mehr, keine einsame Kreatur, das an einer unerfüllten Liebe zugrunde geht. Er ist jetzt Teil des MonsterVerse und hat keine Zeit mehr für die eigene Tragödie. Er bleibt, so sehr der Film ihn seinen besten Momenten vergrößert, doch nur ein kleines Äffchen in der großen Welt der Franchises.

Trailer zu „Kong: Skull Island“


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