Kommissar X – Drei gelbe Katzen

1966 – Papas Kino bebt (12): Rudolf Zehetgrubers Beitrag zur Kommissar X-Reihe führt an touristisch ergiebige Schauplätze in Ceylon und hält sich nonchalant an die Regeln des Eurospy-Genres, mit dem das deutsche Trivialkino in die große weite Welt ausschlug.

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Dass der Handknöchel eines trainierten Karatekämpfers so hart und wirkungsvoll sein kann wie eine Revolverkugel, demonstriert während eines internationalen Fachkongresses in Singapur Tom Rowland, Chef des New Yorker Morddezernats, mit einem konzentrierten Faustschlag auf einen Metallklotz, wofür er von den anwesenden Pressevertretern ungläubig bestaunt wird. Wie gefährlich diese im Westen gerade erst populär gewordene Kampfsportart ist und wie sie „in den Händen der Unterwelt, von skrupellosen Elementen missbraucht, zu einer unheimlichen, zu einer lautlosen, zu einer tödlichen Waffe“ werden kann, darauf stimmte man den Kinozuschauer von 1966 vorsichtshalber noch im szenischen Rahmen einer Pressekonferenz ein.

Nationale Identität spielt keine Rolle

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Mitten aus dieser Veranstaltung wird Tom Rowland dann aber nach Ceylon beordert, wo ein Schurkentrio gerade versucht hat, die Tochter des amerikanischen Botschafters zu entführen, wobei ein Mitarbeiter der Botschaft getötet wurde – mit einem Karateschlag. In Ceylon trifft Rowland alsbald auf seinen Kumpel, den Privatdetektiv Joe Walker aka Kommissar X, der sich ebenfalls dem Entführungsfall annehmen muss, und gemeinsam jagen sie dem Schurkentrio hinterher. Sie durchqueren touristisch ergiebige Schauplätze, die das Produktionsteam mit dem Dienstleistungspartner Ceylon-Tours ausgesucht hat: Vom prächtigen Kolonialhotel am Indischen Ozean geht’s ins Landeinnere über den „Todessee“ zur einer monumentalen Felsenfestung, in der sich die Zentrale der Schurken befindet: der geheime Tempel der „Gelben Katzen“.

Die Werbeschlagzeilen dieses Kommissar X-Abenteuers verheißen „Hochspannung vor exotischer Kulisse“ in einem „Thriller von internationaler Klasse“. Keine Frage: Mit den Eurospy-Genre schlug das deutsche Trivialkino endgültig in die große weite Welt aus. Damals habe so etwas wie eine nationale Identität der Filme gar keine Rolle gespielt, schreibt in einem Nachruf auf den Schauspieler Sieghardt Rupp (der in diesem Film nicht mitspielt, aber gut reinpassen würde) der epd-Film-Autor Gerhard Midding: „Meist entstanden die Filme als Co-Produktionen und erschlichen sich eine anglo-amerikanische Genrekompetenz. Solcher Wildwuchs war eben möglich, als europäisches Kino noch aus dem Wunsch und Wille der Produzenten entstand und nicht als Nebeneffekt der Bürokratie.“

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1966, das war das große Jahr von Kommissar X; gleich drei Filme der Reihe hat das Produzentenduo Hans A. Pflüger und Theo Maria Werner in die deutschen Kinos gebracht (und vier sollten in den folgenden Jahren noch dazukommen). Dazu haben sie sich die Rechte der gleichnamigen Heftromanserie gesichert, die seit 1956 im Pabel Verlag erscheint und als Reaktion auf die populäre Jerry-Cotton-Serie (Bastei Verlag) zu verstehen ist. Zwar hat Jerry Cotton auch bei den Verfilmungen die Nase vorn: vor dem ersten Kommissar X-Film gab es schon drei Kinoeinsätze mit George Nader als Jerry Cotton. Aber Kommissar X kann dafür mit demonstrativer Leichtigkeit und einer wohldosierten Prise Ironie aufwarten, die Jerry Cotton eher abgeht.

„Winzige Späne in einem reißenden Strom“

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Gespielt wird die Titelfigur vom ehemaligen italienischen Fotoromanzi-Star Tony Kendall (eigentlich Luciano Stella), der aus der Ferne leicht mit „007“ Sean Connery verwechselt werden kann und wie dieser nunmehr die Rolle seines Lebens gefunden hat. Sein Kumpel Tom Rowland wird von dem amerikanischen Bodybuilder Brad Harris dargestellt, der vorher im Cinecittà-Exil an einigen Sandalenfilmen beteiligt war, zeitweise als Second-Unit-Regisseur Beschäftigung fand und für die K-X-Reihe zum Stuntkoordinator aufgestiegen ist. Für die Drei gelben Katzen hat er aus den Staaten den hünenhaften und kahlköpfigen Dan Vadis, ebenfalls Ex-Bodybuilder, mitgebracht. Dieser spielt einen grausamen Karatekämpfer, verkörpert also jene „lautlos-tödliche Waffe“, vor der eingangs so nachdrücklich gewarnt wurde. Mit Dan Vadis muss sich Brad Harris zum guten Schluss und folgerichtig noch ein mörderisches Karate-Duell liefern. Neben Vadis gibt es noch andere Schurken, darunter Siegfried Rauch, der damals munter durchs Euro-Kino vagabundierte, hier spielt er den fiesen Nitro, der gezielt mit Nitroglyzerinfläschchen um sich wirft. Erwähnenswert ist noch ein von Philippe Lemaire dargestellter Lebemann, der sich als korrupt-fatalistischer Lump erweist und Sätze von (pseudo-)shakespearescher Wucht aufsagen darf: „Was sind wir Menschen schon? Winzige Späne in einem reißenden Strom, Mäuse, die an der unantastbaren Oberfläche der Ewigkeit nagen.“

„Eine verrohende und verbildende Wirkung“

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Es wird also gekämpft und getrickst, kombiniert und räsoniert, es kommt zu halsbrecherischen Kampfszenen, zu atemberaubenden Stunts, zu Explosionen und zu heißen Flirts, denn, eh klar, ein paar überaus attraktive Frauen sind natürlich mit von der Partie: die damals heiß gehandelte Dänin Anne Smyrner als smarte Tochter des Botschafters und die exotische, leider ziemlich unbekannt gebliebene Französin Michèle Mahaut als undurchschaubare Hotelmanagerin. Beide sind keineswegs zur reinen Passivität verdammt, sie dürfen tatkräftig mithelfen, ein gigantisches, millionenschweres Erpresserkomplott zu vereiteln, bei dem um ein Haar eine bakterienverseuchte Bombe zum Einsatz gekommen wäre.

Aber Regisseur Rudolf Zehetgruber will keinem das Fürchten lehren. Er hält sich vielmehr nonchalant an die gebotenen Genreregeln, weshalb Drei gelbe Katzen sich mit den anderen K-X-Filmen und neben all den handelsüblichen, ähnlich gelagerten Trivialstücken aus dieser Zeit immer noch ganz gut behaupten können. Nur auf Elemente der Verblüffung oder gar Subversion wartet man vergeblich. Verblüffend aus heutiger Sicht bleibt allein, dass die FSK die K-X-Filme damals ab 16 Jahren freigegeben hat, da die „Massierung von Prügelei und Schießerei und die Sexualbezüglichkeit der Handlung eine verrohende und verbildende Wirkung haben, die nicht durch den klamaukhaften Charakter des Films ausgeglichen werden kann.“

Trailer zu „Kommissar X – Drei gelbe Katzen“


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