Kombat Sechzehn

Im Zentrum dieses unausgegorenen Jugenddramas steht der Westfrankfurter Georg, der sich mit Ostfrankfurter Neonazis auseinandersetzen muss und beinahe ihren Lockungen erliegt.

Kombat Sechzehn

Der Osten ist die Hölle.

So oder ähnlich sieht es Georg, der Protagonist von Kombat Sechzehn und durch ihn der Zuschauer. Frankfurt ist nicht gleich Frankfurt. Am Main war sein Leben in Ordnung, inklusive Qualifikation für die hessischen Taekwondo-Meisterschaften. An der Oder ist die neue Wohnung kleiner, die Klassenkameraden sind naturgemäß fremdenfeindlich und unfreundlich, die Sportclubs sind vehement schlechter und die Geliebte fern. Was liegt da näher, als zum Rechtsradikalismus zu konvertieren?

Nachdem Bruce Lee zu Beginn der Siebziger Jahre eine Kung-Fu-Welle losgetreten hatte, erlangte Karate im Actionkino der Achtziger Jahre eine prominente Stellung. Nach dem früheren Lee-Opponenten Chuck Norris schafften auch andere Kampfsportler wie Steven Seagal und Jean-Claude Van Damme den Sprung zum Star der großen Leinwand. Im Gegensatz zu den meist reaktionären und bis ins pornographische brutalen vermeintlichen Erwachsenenfilmen dieser und anderer Darsteller steht die Karate Kid-Tetralogie (1984-1994) beinahe als Teenagerphänomen dieser Epoche da. Durch junge Darsteller, die Rücknahme des Kampfes und simplen metaphorischen Ebenen konnten diese Streifen ein Massenpublikum mobilisieren. Es ging dort nicht um Kampf, sondern um Kunst, um Sport und um dessen Bedeutung für das Leben. Die Kämpfe eines Karate Kid waren immer auch Stationen einer Initiationsgeschichte, eines Reifungsprozesses und eines Lernens am Leben.

Kombat Sechzehn

Kombat Sechzehn stellt sich in diese Tradition, wenn es darum geht, welche Lebensschlüsse Georg aus seinem Sport ziehen kann. „Das wahre Ziel des Lebens ist der Frieden“ drischt sein Lehrer die Phrase, doch auch Freunde rechter Gesinnung wissen Jahrtausende alte Lehrsätze in ihrer Ideologie zu nutzen.

Karate Kid wirkte schon zu seiner Zeit eher banal, bestenfalls naiv, heute betrachtet man es wohlwollend als verkitschtes Zeitkolorit. Kombat Sechzehn möchte aktuell sein und weiß von den Problemen Ostdeutschlands zu erzählen: Arbeitslosigkeit, Rechtsextremismus, trostlose Bauten. Der Film ist auch ästhetisch in seiner Zeit verhaftet, vor allem ein Blaustich und wechselndes Bildmaterial zeugen davon. Doch wie schon Karate Kid und andere Filme des Genres leidet der Film an einem großen Dilemma: Vordergründig steht die Begeisterung für einen Kampfsport und dessen Ästhetik im Zentrum. Eigentlich ist das Milieu jedoch nur Szenerie für ein persönliches, ja soziales und gar politisches Drama. Auch Kombat Sechzehn verzichtet fast durchgängig auf Action, der renommierte Kameramann Alex Fischerkoesen filmt nur zwei Kämpfe: einen äußerst dürftig inszenierten zu Beginn des Films und einen durchweg erstaunlichen gegen Ende. Der Stoff jedoch wird oberflächlich wie in einem Actionfilm präsentiert, denn zwischen genannten Szenen rackert sich Regisseur Mirko Borscht mit einem von ihm und Jana Erdmann verfassten Drehbuch ab, das nur selten richtige Töne trifft und von Klischees überfrachtet ist, die auch noch entsprechend ins Bild gesetzt sind. Ist Georg frustriert, schlägt er ein Schild ein. Fährt er zu seiner Jugendliebe in den Westen, erwischt er sie prompt in flagranti. Als Reaktion dafür bleibt ihm und dem Publikum nur Zweierlei: Wütend einen Spiegel einschlagen (wenn gerade kein Schild in der Nähe ist) und sich die Haare rasieren. Damit ist er immerhin Trendsetter, denn die eigentlichen Nazis waren noch nicht auf die Idee gekommen.

Kombat Sechzehn

Leider fehlt es diesem Debütfilm völlig an Gefühl für Montage und Übergänge. Plötzlich ist Georgs Freundin Jasmin vor Ort, um sofort eine Konfrontation auszulösen und sich schnell mit den Worten „Du bist nicht mehr der Georg, den ich kannte!“ zu verabschieden. Die Orte wechseln rasend und die Figuren treten beinahe wie am Theater auf. So wird Georg urplötzlich von seinem Vater aus dem selbstgebauten Trainingszimmer seines neuen Freundes Thomas abgeholt. In einer späteren Szene nimmt ihn auf dem langen Weg nach Hause ausgerechnet eine Sozialarbeiter-Taekwondotrainer-Kombination mit, die ihn dann flugs auf dem Felde akrobatisch trainiert und bald darauf in eine weitere unwirtliche Sporthalle führt.

Wenn man bedenkt, wie Andreas Dresen reale Locations in seinen Filmen über Menschen in ostdeutschen Städten nutzt, dann ist es schon traurig, dass es die Kamera hier immer wieder in absurde Trainingshallen, ein detailarmes Klassenzimmer, schlecht ausgeleuchtete Wohnungen, oder auf eine vermeintliche Vernissage zieht. Diese Lieblosigkeit in der Gestaltung und Aufnahme von Räumen gepaart mit den Drehbuchmängeln und der ambitionierten aber unreifen und wenig eleganten Bildsprache kann leider keinesfalls von packendem Spiel wettgemacht werden. Florian Bartholomäi agiert durchgehend hölzern und gibt damit den Schauspielton an. Nur Ludwig Trempte kann Thomas, der interessantesten Figur des Films, einige Nuancen abgewinnen. All dies ist wirklich bedauerlich, da Kombat Sechzehn in den Anfangsminuten einen Mut zu eigenständigen Einstellungen und Einstellungsfolgen beweist und kurz vor dem Ende mit einer herausragend dramatisierten Sequenz überrascht. Allein, dies reicht nun wirklich nicht bei einem Film über Erwachsenwerden und die Versuchungen durch Gewalt und falsche Kameradschaft. Da schaue man doch lieber Mean Creek.

Kommentare


Die kleine Svenja

Hallo,
der film war ja soooo doof


Gerit

Der Film ist echt geil schon allein weil ich aus der ecke Frankfurt Oder bin leider findet man den Soundtrack nicht dazu.


el^bandito

hammer deep der film!


stomper

also ich muss sagen der film war gut aber nicht so wie ich es mir erhofft hatte!is echt schlimm aber in diesem film wird der osten als totales asoziales gebiet dargestellt wo selbstverständlich alles nazis sind! die darstellung der "möchtegernnazis" war eher lächerlich...!!!so rennt kein richtiger skin rum...,und ich muss das wissen!!!;-) mfg...


Maxoro

Also ich fand den Film bezeichnend für den Osten. Natürlich ist das übertrieben, aber ohne übertreibung, kann man auch nichts ausdrücken. Der Film zeigt eindeutig, dass ein Mensch von seinem Milieu beinflusst und oft auch bestimmt wird. Denn im Film wird aus einem normalen Jungen, der eine dunkelhäutige Freundin hat und viele Ziele hat, ein dummer Nazi, dem alles scheißegal is, auf deutsch gesagt! Und wenn ich sehe, dass in meinem Bundesland (Sachsen) die Nazis schon im Landtag sitzen und sich freuen, dass sie Aufmerksamkeit erlangen, dann bin ich der Meinung, dass man sowas auch im Fernsehen bringen soll, auch wenn übertrieben! Alles in allen, ein gelungener Film zum nachdenken.
Mfg Max


patrick stania

ich fad den film gut,kommt es nicht dabei auf die story an?die räume sind doch scheiß egal ich find ihn mindestens so gut wie american history x!aber jedem das seine


patrick stania

ja so laüft echt keine nazi oder skin rum aber nun ja das ist ne schande ich selber bin skinhead UND SKINS SIND KEINE NAZIS aber trotzdem DIE STORY DIE STORY


Nina

Ich finde diesen Fim einen sehr gelugenen Fim, für leute in meienm alter wird in diesem Fim auch sehr schnell klar, das man wenn man die falschen Freunde hat ein ganz anderer Mensch werden kann und das man Nazis lieber nicht so nah kommen soll. Naja jeder hat halt seine eigene Meinung


Nina

Ich finde diesen Fim einen sehr gelugenen Fim, für Jugentliche in meinem Alter wird in diesem Fim auch sehr schnell klar, dass man wenn man die falschen Freunde hat ganz schnell ein anderer Mensch werden kann und das man Nazis lieber nicht so nah kommen soll. Naja jeder hat halt seine eigene Meinung


friederike

man lässt den film nicht wie viele tausende antinazi-filme hinter sich.
ich finde man nimmt ihn auf.
mich hat er sehr berührt und das nicht aus falscher betroffenheit über die schlechte welt, sondern weil er einfach den punkt trifft.
vllt. passt seine stimmung einfach in diese zeit...


friederike

und der ort der handlung etc sind echt nebensächlich


Hellmut Fletsch

Sehr guter Film, zeigt wunderbar wie die Nazijugenden aufgebaut sind, vergleichbar mit American History X! Sehr gut! 9 von 10 Punkten!


Raik

Hallo,

ich sah jetzt den Film auf Video. Leider hat e mich total entäuscht.
Die Grundidee als solche ist sicher gut, aber die Umsetzung peinlich und unrealistisch.
Wie eine Art Endzeitdrama, mit vielen düsterne Szenen.
Nebenbei gesagt fährt so eine Straßenbahn überhaupt nicht mehr durch Frankfurt, schon seit mindestens der Wende nicht mehr...., sondern moderne Niederflurbahnen.
Ich habe bis zum Jahr 2000 in Frankfurt(Oder) gewohnt und fahre heute auch noch wegen meiner Tochter und meinen Eltern einmal im Monat wenigstens nach Frankfurt,jetzt wohne ich in Berlin, aber das was dieser Film zeigt diese düsteren Bilder ist nicht Frankfurt. Es gibt dort sehr viel grün und ich mpinde das als Beleidigung den Menschen die dort leben gegenüber wie sie dargestellt werden. Ebend typisches Klischee...auch das mit den Glatzköpfen...dabei weiß man schon längst das sich die rechte Szene nicht so auffällig mehr benimmt....
Auch die Trainingssituation, Frankfurt, hat deutsche und internationale Meister im Kickboxen hervorgebracht, vielleicht sollte hier mit den Recherchen erstmal sorgfältiger begonnen werden.
Um nicht falsch verstanden zu werden, Frankfurt hat seine Fehler wie viele andere Städte auch, aber diesen Film und Darstellung - bzw. Sichtweise hat die Stadt nicht verdient!

Grüße von Raik

PS.: Übrigens in der Heimatstadt des Regiseurs, Cottbus, gibt es eine mindestens ebenbürtige rechte Szene.........


Pogo

mal zur städtewahl - lieber, sich auf den schlips getretender frankfurter, ich glaube wenn man den film in cottbus gedreht hätte hätte ein cottbusser angefangen sich darüber zu muckieren das cottbus nicht dem film entspricht ...

ich denke mal es ging eher darum den versuch zu unternehmen das umfeld bzw gründe darzustellen wieso es evtl zu so etwas kommt. man hätte auch marzahn als schauplatz wählen können oder andere städte. ein schauplatz in betuchten gegenden (nobelvierteln) wäre wohl eher unpassend gewesen. wer sich die mühe macht den film mit kommentaren anzusehen (DVD-Zusatzmaterial) und sich die letzte gewaltszene noch einmal in ruhe zu gemüte führt versteht evtl. was ich meine.


Silvia

Hallöchen! Ich habe heute den Film ,,Kombat Sechzehn" mit meiner Klasse im Knio gesehen. Der Film ist genial,ich fande ihn sehr gut. Es soll nich heißen das ich Rechts bin aber man kann sich doch als ,,normalo" diesen Film angucken wie die Rechten untereinader verprügeln und so! Der Film war an manchen stellen echt heftig gemacht worden aber nahe getreu gedreht!! liebe grüße an die Schauspieler!


Maria

Hallo Silvia!
Ich habe den Film am 8.12 auch im Kino mit meiner Klasse gesehen! Ich fand den Film einfach zu brutall!
Ich mein klar es zeigt nur das wahre leben, so wie es heut zu Tage ist, aber ich mein ich hätte das echt nicht sehen müssen!

Trotzdem war es ein super film, super schauspieler einfach klasse!


Peter

Habe den Film gerade im mdr gesehen und bin absolut entsetzt über die Grausamkeiten die tagtäglich auf unseren Straßen passieren oder passieren können!
Nicht der Film ist die Ursache, sondern das Leben, welches sich heute so oder ähnlich abspielt, trotzdem wünschte ich mir, diesen Film würde es nicht geben!!!
Peter


ricogee

Also ich hab den film auch eben im mdr gesehen.. und war ziemlich erschrocken das in dem film noch ausdrücke vorkommen wie zb. "Zone" "Drüben" ich glaub sowas sagt einfach keiner mehr und das es gleich an der ehemals ostdeutschen grenze von nazis wimmelt ist wohl auch ein bisschen weit hergeholt.. warum muss man denn alles dramatisieren? ich hätte mir gewünscht das der "drahtzieher" der typ der die propagandamaterialien verteilt hat mehr in szene gerückt wird.. um die leute geht es nämlich und nicht um die marionetten mit bomberjacken! ( wie die szene im zug zeigt ) " guck dir den an, der ist noch erziehbar" oder sowas kam da.. so gut jetzt .. ich muss schlafen ..


Peter

Auch ich habe gestern Abend/heute früh den Film im mdr gesehen. Leider wirkte der Film auf mich wie eine Kopie von Karate-Kid nur mit pseudo-aktuellem Material angereichert. Nahezu verwerflich finde ich den Vergleich/die Gegenüberstellung der Ideale des Kampfsports mit denen der rechten Szene. Noch grausamer empfand ich die Darstellung des grauen Ostens mit seiner latenten "braunen Gefahr". Als ob der Osten nur von Nazis besiedelt ist! Das schlimme daran ist, dass solche Filme meist einen wesentlichen Aspekt der Meinungsbildung junger Leute darstellt und damit das reale Bild völlig verzerrt. Sicher ist es absolut notwendig das Thema der rechten Gewalt in den neuen Bundesländern zu diskutieren aber doch bitte auf einer halbwegs realistischen Basis.
Als Schauspieler konnte mich leider auch nur der Thomas (Ludwig Trempte) überzeugen. Ich kann den Schauspielern nur wünschen, dass sie in Zukunft bessere Gelegenheiten erhalten ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

MfG

Peter


Kai

Ich habe den Film vor einiger Zeit auf DVD gesehen und habe ihn mir anschl. direkt gekauft.Die Geschichte ist einfach super erzählt.Da ich aus NRW komme bin ich wahrscheinlich recht weit von der "Zonenpolitik und vom Zonenaltag" entfernt, aber im Gegensatz zu anderen Personen die hier ihre freie Meinung geschrieben haben, denke ich, dass sehr viel Wahrheit in diesem Film steckt.Und ich glaube auch, dass diese Wörter wie"Zone" und "drüben" immer noch verwendet werden.Und Respekt und Lob an die Macher dieses Films für 1.die Musikauswahl 2. Die Auswahl der Darsteller und 3. dass sie gezeigt haben, dass man mit einem kleinen Budget große Filme machen kann.

Herzlichen Dank also für diesen Film, über den ich noch sehr lange nachdenken musste und auch mit Freunden drüber gesprochen habe.
Und das macht doch einen guten Film aus.
Also: Wenn Du wirklich willst, versetzt Du Berge und aus Riesen werden Zwerge!!!


Sven Rochler

Ich schreibe gerade meine Examensarbeit zu dem o.g. Film.
gar nicht lang und breit meine Meinung
Ich muss sagen, dass ich ihn sehr gut finde und dass dieser Film Jugendliche und junge Erwachsene anspricht und anrührt - beste Voraussetzungen für fruchtbare Arbeit in der Schule. Ich willschreiben. Nur kurz: Der Film ist meiner Meinung nach (zumindest in einigen wichtigen Punkten) nicht überlastet mit Klischees: Gerade bei den Rechten wird ja menschlich (und besonders bei Thomas) gezeigt, wie man zu einem Nazi werden kann. Diesen Punkt haben viele kritisiert und vergessen, dass Nazis auch Menschen sind. Dieser Film zeigt eben dies und ist dennoch ein starkes Plädoyer gegen Rechtsradikalismus und Menschenverachtung. Spitze!

Dann finde ich gar nicht, dass der Osten nur negativ gezeigt wird - Georg findet ja eben einen guten Teakwondo-Trainer DORT. Und nebenbei, viele viele viele Menschen sind ja unzufrieden in den Neuen Länder und rechte Gewalt ist dort (und in Frankfurt/O.) wesentlich höher als in den Alten Ländern.

So wie für den Kritiker hier bei dem Film Übergänge und Montagen fehlen, sage ich, dass so das Leben ist: Unerwartet passieren Dinge, und so werden sie auch dargestellt. So ist es auch Zufall, dass Georg einen Teakwondo-Lehrer kennen lernt.

Meiner Meinung nach ist und war Georg im gesamten Verlauf nie Nazi (!!!!!!) (man muss schon den Film genau sehen um das wahrzunehmen), sondern tolerant und manchmal natürlich, was kritisiert werden kann, gleichgültig.

Was ich bedauere ist, dass es kaum Identifikationsfiguren für Mädchen gibt (aber auch da lässt sich kreativ etwas finden).

Ich finde den Film klasse, und werde ihn sicherlich in der Sekundarstufe II einsetzen.

P.S. Mean Creek habe ich meinerseits einmal gesehen und kann mich nicht an den offenbar besonderen Inhalt erinnern.

Gruß von der Examensfront






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