Knight and Day

James Mangold dreht eine leichte Sommer-Actionkomödie mit einem aufgeblasenen Gockel und einem ungeschickten Weibchen.

Knight and Day

Mit Knight and Day hat James Mangold (Walk the Line, 2005) einen typischen Film für das Sommergeschäft gemacht. Traditionell werden die Zuschauer in den heißen Monaten mit leichterer Kost in die Kinos gelockt, und auch Mangolds neuer Film dient in erster Linie der unbeschwerten Unterhaltung.

Die unbedarfte June (Cameron Diaz) lässt sich am Flughaufen auf einen Flirt mit dem smarten Roy Miller (Tom Cruise) ein. Kurze Zeit und eine Flugzeugentführung später ist June in eine Verschwörungsaffäre geraten und dem undurchsichtigen Roy, der sich als Geheimagent ausgibt, ausgeliefert. Auf der Flucht vor Regierung und Armee müssen die beiden eine mysteriöse Batterie beschützen und fliehen dafür um die halbe Welt.

Knight and Day

Die meisten Filme versuchen eine geschlechterübergreifende Zielgruppe zu erreichen, Knight and Day macht dies aber auf eher ungewöhnliche Weise. Es werden Romantic Comedy und Actionfilm miteinander kombiniert, ohne bei einem der Genres Abstriche zu machen. June bleibt die gesamte Zeit über Identifikationsfigur, und der Film nimmt auch ihre Perspektive, vor allem ihren schwärmerisch erotisierenden Blick auf Roy, ein. Gleichzeitig setzt Knight and Day auf rasante Action und wirkt besonders durch einen hohen Leichenverschleiß und explizite Gewaltdarstellungen als starker Kontrast zu der albernen Liebesgeschichte.

Zwar sorgt diese Mischung grundsätzlich für eine spannende Dissonanz, allerdings schafft es Mangold nicht, den vorgenommenen Genre-Mix zu bewältigen. Bereits die Slapstickeinlagen aus der ersten Hälfte des Films sind nur mäßig lustig. Während June im Flugzeug mal kurz auf der Toilette verschwindet, schaltet Roy in der Zwischenzeit die gesamte Belegschaft des Flugzeugs aus und empfängt sie mit zwei frisch gemixten Cocktails. Die Rollenverteilung dieser Szene behält der Film im weiteren Verlauf konsequent bei. Die Witze funktionieren nach dem immer gleichen Muster. Wenn June nicht gerade ungeschickt mit einer Schusswaffe herumhantiert, dann sagt oder tut sie etwas Dummes, das der ritterliche Roy schließlich ausbaden muss.

Knight and Day

Das Actionkino arbeitet traditionell mit unverwüstlichen Helden. Roy wird aber geradezu mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattet. Als komödiantischer Effekt ist es eine Weile noch ganz lustig, wenn er es im Alleingang mit einer ganzen Armee aufnimmt, ohne einen Kratzer abzubekommen. Allerdings erschöpft sich das Prinzip, immer noch eins draufzusetzen, schnell. Spätestens wenn der Film seinen Schwerpunkt von einer überdrehten Slapstick-Komödie auf eine ernsthafter inszenierte Liebesgeschichte verlagert, wirken die Superkräfte der Hauptfigur reichlich albern. June muss sich in einem vom CIA belagerten Zimmer nur den Bruchteil einer Sekunde umdrehen, schon ist Roy unbemerkt vom Erdboden verschwunden.

Als Gegenpart eines solchen Kraftmeiers ist die Protagonistin dazu verdammt, eine überwiegend dekorative Funktion einzunehmen – dass die Rollenverteilung am Schluss kurz umgedreht wird, ist nicht mehr als eine lahme Pointe. Während der zahlreichen Verfolgungsjagden zieht Roy June wie ein Gepäckstück hinter sich her. Vor jeder gefährlichen Situation setzt er sie, ganz der ehrenhafte Gentleman, zu ihrem eigenen Schutz unter Drogen. Wenn June immer wieder das Bewusstsein verliert und der Film am Höhepunkt einer Szene abblendet, ist das nicht nur ein Running Gag, sondern auch eine bequeme Art, sich um eine Auflösung zu drücken. Wie die beiden aus einer unausweichlichen Situation wieder herauskommen, versucht der Film erst gar nicht zu erklären. Stattdessen folgt lediglich eine Aufblende der schlafenden June.

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Kommentare


Sebastian

Schade, dass in dieser Kritik die interessanten Aspekte immer als negativ dargestellt werden.
Zu einer ernsthaft inszenierten Liebesgeschichte wirde der Film meiner Meinung nach nie. Durch Roy's fast übernatürliche Kräfte und der absichtlichen Vorenthaltung der Fluchten aus den ausweglosen Situationen, lässt sich durchaus eine Parodie auf Bondfilme vermuten. Der Film wird aus June's Sicht erzählt. Sie sieht einen Helden, einen Agenten und einen verrückten in Roy und irgendwie ist er auch von allem etwas. Auch wenn die Figuren im Film an sich recht flach eingeführt werden, ist zumindest ein deutlicher Wandel der June-Figur zu erleben. Von einer etwas "dattrigen" Figur, die verständlicherweise mit den schnellen und wirren Umständen Probleme hat, wird eine irgendwie immer noch "dattrige" Frau, die die wirren Umstände dann einfach auf sich einbrasseln lässt, sich später sogar in diese einbinden kann, um ihrem Roy näher zu kommen und zuletzt in diesen Umständen eine gewisse Selbstsicherheit gewinnt und Gefallen an diesem wilden Leben findet.

Zusammenfassend finde ich den Film frisch, unterhaltsam, wunderbar übertrieben, eben schräg, nicht ernst zu nehmen und dafür dass er keine reine Komödie ist, lustig genug... ein guter Film für den
günstigeren Kinodienstag!


Joshua Dietz

Warum müssen Filmkritiker immer alles negativ beurteilen? Wem Actionkomödien zu seicht sind, der sollte sie gar nicht anschauen und schon gar keine Kritiken darüber schreiben.
Knight and Day ist eine wunderbare Actionkomödie mit viel Witz und Charme, 2 liebenswerten Hauptdarstellern und einer für eine Actionkomödie sehr guten Story. Ich wurde selten besser unterhalten und nach dem Film fühlt man sich herrlich beschwingt und freut sich über das Happy End und die nette Schlußpointe. So muß Kino sein. Sehr empfehlenswert!






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