Klopka – Die Falle

Bereits jetzt zählt Klopka – Die Falle zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres in seinem Entstehungsland Serbien. Angereichert mit sozialer Kritik erzählt das Psychodrama von einem unbescholtenen Bürger, der aus Not zum Mörder wird.

Klopka – Die Falle

Anfangs ist es noch ein ganz gewöhnliches Leben in der Mittelschicht, das Bauingenieur Mladen (Nebojša Glogovac) führt. Zusammen mit seiner Frau Marija (Nataša Ninkoviæ) und dem gemeinsamen Sohn Nemanja (Marko Ðuroviæ) gelingt es ihm, im nachkriegszeitlichen Belgrad über die Runden zu kommen. Wie fragil das vordergründig sichere Familienglück tatsächlich aber ist, zeigt sich, als bei Nemanja eine lebensbedrohliche Herzkrankheit diagnostiziert wird, die eine kostenreiche Operation im Ausland erfordert. Sämtliche Versuche, die notwendigen sechsundzwanzigtausend Euro aufzutreiben scheitern - bis ein ominöser Fremder (Miki Manojloviæ) an den verzweifelten Vater herantritt und ihm die erforderliche Summe anbietet. Als Gegenleistung soll Mladen einen Mann töten, einen skrupellosen Geschäftsmann, dessen Tod das Leben seines unschuldigen Kindes retten könnte. Zunächst sträubt er sich gegen das unmoralische Angebot, doch als Nemanja einen beinah tödlichen Anfall erleidet, nimmt sich Mladen des Auftrags an.

Während ein Großteil des serbischen Kinos in den letzten Jahren damit beschäftigt war, die politische Vergangenheit des Landes aufzuarbeiten, widmet sich Klopka seiner problematischen Gegenwartssituation. Das skizzenhafte Bild, das Regisseur Srdan Goluboviæ in kalten Grautönen von seiner Heimat zeichnet, ist ein tief pessimistisches, in dem das noch immer instabile Serbien der Post-Milosevic-Ära sich allein an ökonomischen Werten orientiert und dabei das moralische Gleichgewicht aus den Augen verliert. Das tyrannische Regime Milosevics, so scheint es, wurde durch ein anderes, gleichfalls inhumanes ersetzt. Es ist das Gesetz des Geldes, das die Straßen Belgrads nun beherrscht und dabei ein perfides Klima der Unmenschlichkeit schafft, in dem jeder nur auf den eigenen finanziellen Vorteil bedacht ist, die Nöte Anderer aber ausblendet.

Klopka – Die Falle

Mit dem Blick für die soziale Realität Belgrads, manchmal aber schon etwas überdeutlich macht Goluboviæ den Gegensatz zwischen Arm und Reich auf: Luxusstraßenkreuzer fahren neben schrottreifen Kleinwagen, ein Kind sehnt sich nach einem Handy, während ein anderes den Lebensunterhalt erbetteln muss. Ein gemeinschaftliches Gefühl, das Fundament jeder intakten Gesellschaft, ist in dieser Zweiklassenwelt nicht möglich – das zeigt auch Klopkas Bildsprache der Isolation. Je mehr der Held von Goluboviæs Film seine anfängliche Unschuld verliert und sich auf der Suche nach dem nötigen Geld moralisch verstrickt, desto häufiger treten Inszenierungen von Räumen auf, in denen die Figuren verloren wirken oder keinen Kontakt mehr zueinander herstellen können. Die Stärke des Films liegt denn auch in der psychologisch weitgehend überzeugenden Schilderung des Weges eines anfänglich glücklichen Familienvaters in die totale Vereinsamung eines Mörders.

Trotz der marxistisch angehauchten Kritik an einer mörderproduzierenden Gesellschaftsmentalität, die – so deutet Goluboviæ an - durch die aus dem Westen importierte freie Marktwirtschaft entsteht, ist Klopka keineswegs ein politischer Film. Zu vage bleibt dazu seine Analyse der sozialen Gegebenheiten. Diese bilden vielmehr Rahmenbedingungen und Ausgangspunkt für eine Mixtur aus psychologischem Drama und Thriller. Goluboviæ fokussiert dabei den Niedergang eines Menschen, der, in der Tradition des dostojewskischen Helden Raskolnikow aus Verbrechen und Strafe (1866) stehend, durch eine kriminelle Tat Schuld auf sich lädt und diese sühnen muss.

Klopka – Die Falle

Dem Film gelingt es jedoch nicht, die Glaubhaftigkeit seiner Geschichte immer aufrechtzuerhalten. Dann und wann verwässern klischeehafte Situationen das psychologische Porträt oder stören Konventionen den realistischen Ansatz. Da erweisen sich jene Frau und deren Tochter, die Mladen vom Spielplatz seines Sohnes kennt, zufälligerweise als Witwe und Halbwaise des von ihm Getöteten. Etwas arg konstruiert wirkt diese Figurenanordnung, die die Schuldgefühle des reuigen Mörders ankurbeln soll. An anderer Stelle wird der Zerfall von Mladens Familie in 08/15-Manier abgehandelt: Er, ein nervliches Wrack, schlägt seine Frau; sie, entsetzt über die Gewalttätigkeit ihres Mannes, verlässt ihn und zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus. So wie sein Held tappt also auch Goluboviæ ab und an in die kommerzielle Falle, wenn er altbekannte Genremuster übernimmt und damit eine berechnete und berechenbare Dramaturgie an den Tag legt.

Klopka hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck, weil er einerseits zwar eine durchaus spannende Grundsituation entwickelt, die fundamentale Fragen und Probleme menschlichen Daseins aufwirft, andererseits aber durch den wiederholten Rückgriff auf geläufige Erzählformen und einen gelegentlich rührseligen Ton (Stichwort: Hauptfigur mit Hundeblick) allzu leicht konsumierbar wird. Vielleicht hätte das schwergewichtige Thema eine gewisse Unverdaulichkeit verdient.

 

Kommentare


Martin Z.

Solide gemachter Krimi mit zuschauererhaltender Spannung. Da werden die Rollen getauscht: der mafiöse Auftraggeber entpuppt sich als armes alleinstehendes Schwein und der brave übertölpelte Familienvater wird anscheinend zum brutalen Killer. Hektische Szenen wechseln mit ruhigen Passagen, die ein Nachdenken über die Situation der Eltern ermöglichen und deren Ratlosigkeit bzw. deren Gewissenskonflikte nachempfinden lassen. Dafür und für die Ehekrise gibt es viel Platz. Hier ist die Kommunikation gestört, weil er in die machohafte Emigration geht und die Frau ihm wie immer nur das Eine unterstellt. Nachdem man auf ein Happy End setzt, überrascht der Schluss und hinterlässt Fragezeichen, weil alles so schnell geht, ohne Dialog und der Zuschauer guckt von einer gottvatergleichen Position etwas distanziert zu. Es ist ein Spagat zwischen Sozial- und Mafiadrama mit leichter Tendenz zur zwischenmenschlichen Problematik. Immerhin noch erheblich über dem Durchschnitt der meisten Krimis.






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