Klimt

In einer Koproduktion mit Beteiligung von vier Ländern behandelt Raoúl Ruiz Leben und Werk des Malers Gustav Klimt - visuell teilweise anregend, jedoch dramaturgisch nicht leicht zugänglich.

Klimt

Das ist kein gewöhnliches Bio-Pic. Es nimmt den Zuschauer nicht mit auf die Reise durch wichtige, chronologisch geordnete Lebensstationen, wie es in den letzten Jahren zum Beispiel Ray, De-Lovely[filmid], The Aviator (alle 2004) oder Walk the Line (2005) getan haben. Regisseur und Drehbuchautor Raoúl Ruiz hat für Klimt eine ähnliche Methode gewählt wie auch schon für seinen Film Die wiedergefundene Zeit (Le temps retrouvé, 1999) über Marcel Proust. Er will das Leben des Malers ganz offensichtlich nicht nacherzählen. Vielmehr setzt Ruiz den Zuschauer einer Abfolge von Bildern und Dialogen aus, die nur sehr schwer in einen Zusammenhang zu bringen sind.

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Ein Vorwurf, den Klimts Zeitgenossen immer wieder aufbrachten, war, seine Kunst sei zu ornamental, reine Fläche ohne Tiefe. Das passt in gewisser Weise auch auf den Film. Ruiz inszeniert schwelgerische Tableaus in Wiener Kaffeehäusern, lässt die Kamera lukullisch an leckeren Torten vorbeifahren, drapiert nackte Frauen auf der Leinwand und filmt Dialoge, die - in ihrem Bemühen, die damalige Diskussion um Kunst abzubilden - hölzern werden. Da Klimts Gemälde Allegorien sind, will der Film auch eine Allegorie sein, und schafft ständig Bilder, die an ihrer Steifheit und vorgegebenen Bedeutungsschwere zu ersticken drohen. In einer Bordellszene etwa tragen die Kunden Affenmasken und ein Mädchen einen halben Schnurrbart, aber der Anblick fügt sich zu nichts. Ein als „Sekretär“ vorgestellter Charakter (Stephen Dillane) erscheint dem von John Malkovich etwas gelangweilt dargestellten Maler von Zeit zu Zeit, um Fragen der Kunst und der Politik zu besprechen, also als Ausdruck von Klimts Auseinandersetzungen mit der Bürokratie. Gustav Klimt war als Mitbegründer und langjähriger Präsident der Secession auch politisch einflussreich. Der Sekretär ist natürlich ebenfalls eine Allegorie. Zwischen den beiden kommt es zu Wortwechseln wie diesem: „Was lesen Sie?“ - „Dante.“ - „Ja, und hilft Ihnen das denn?“

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Wer über Klimt viel weiß, mag viel wieder erkennen. Wer nichts weiß, wird durch den Film nichts lernen. Die Geschichte beginnt 1918 am Totenbett Klimts, wo ihn der befreundete Maler Egon Schiele (Nikolai Kinski) besucht. Sein Leben zieht dann in unchronologischen Rückblenden an seinem inneren Auge vorbei, eine Erzählhaltung, die zu einigem Durcheinander in der Szenenfolge führt. Von Paris (Weltausstellung) über Wien (Gründung der Secession) und zurück, mit zeitlichen Sprüngen, ist schnell der Überblick verloren. Gerade noch sitzt Klimt in der Küche einer verflossenen Geliebten, während ihr chinesisches Kind draußen spielt, bald darauf diniert er wieder im Kaffeehaus und malt mit Schiele um die Wette. Die Struktur von Klimt ist ganz offensichtlich mit voller Absicht nicht plotgesteuert, insofern mögen solche Vorwürfe müßig sein. Aber es gibt auch nichts anderes, das den Film zusammenhielte. Und, was wirklich erstaunt, die Handlung steckt voller Sackgassen: Das chinesische Kind, vorhin noch mit einiger Bedeutungsschwere eingeführt, taucht nie wieder auf.

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Einige Mühe verwendet Ruiz auf das Thema Erotik, auf Klimts Beziehungen zu unterschiedlichen Frauen und auf die libertäre gesellschaftliche Stimmung jener Jahrhundertwendejahre. Saffron Burrows spielt eine geheimnisvolle Tänzerin, die den Maler in sexuelle Verwirrungen stürzt. Aber auch diese Episode versandet in den lose herabhängenden Streifen der Handlung.

Manchmal gelingt es Ruiz und seinem Kameramann Ricardo Aranovich, einen Hauch des Zaubers zu transportieren, der die Gemälde Klimts ausmacht. Typische Versatzstücke wie Spiegel, optische Spielereien mit Fragmentierungen und ein Goldregen, der die Kinoleinwand langsam auffüllt, gehören ebenso dazu wie die goldenen Lippen von Klimts platonischer Gefährtin Emilie Flöge, der Veronica Ferres Gestalt gibt. Die Kamera selbst hält sich meist zurück und begnügt sich mit der Abbildung der schwelgerischen Jugendstil-Dekors, nur manchmal wird mit drehenden Hintergründen gespielt. Dann wirkt es, als tanze der Zuschauer mit dem Film Walzer.

Neben der 97-Minuten-Version gibt es einen Director’s Cut von rund zwei Stunden, der bisher nur auf Festivals zu sehen war. Der Verdacht liegt nahe, dass die vorliegende, an einen chaotischen Rohschnitt erinnernde Fassung des Films einer brutalen Kürzung geschuldet ist.

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