Kiss Kiss Bang Bang

Shane Black schreibt wieder: Mit Kiss Kiss Bang Bang ist ihm eine rasante und äußerst selbstreferenzielle Actionkomödie gelungen.

Kiss Kiss Bang Bang

Harry Lockhart (Robert Downey Jr.) ist ein erfolgloser und etwas einfältiger Kleinganove in New York. Als er nach einem Einbruch in einen Spielwarenladen vor der Polizei fliehen muss, findet er sich plötzlich in einer Audition für Filmschauspieler und so kurz darauf zu Probeaufnahmen in Los Angeles wieder.

Um sich auf seine Rolle vorzubereiten, soll der vermeintliche Schauspieler den Privatdetektiv Perry van Shrike (Val Kilmer) auf dessen Observationen begleiten. Zufällig beobachten die beiden, wie zwei Männer den Körper einer toten Frau in einem See versenken; kurz darauf taucht die Leiche im Bad von Harrys Hotelzimmer wieder auf.

Kiss Kiss Bang Bang

Währenddessen hat Harry bereits Harmony Faith Lane (Michelle Monaghan) wiedergetroffen, für die er bereits in der High School geschwärmt hatte; als ihre Schwester tot aufgefunden wird, scheint es auf einmal so, als habe ihr Tod etwas mit der Leiche aus Harrys Badezimmer zu tun.

Shane Black hat länger nichts von sich hören lassen. Aus seinen Drehbüchern – unter anderem schrieb er an der Lethal Weapon-Reihe (1987-1998) mit und verfasste die Bücher für Last Action Hero (1993) sowie Tödliche Weihnachten (The Long Kiss Goodnight, 1996) – lassen sich zwar leicht massenkompatible Filme stricken, doch liegen Ton und Thema immer jenen gewissen Hauch neben dem Mainstream, der sie zu interessanten Auseinandersetzungen mit ihrem jeweils eigenen Genre macht.

Kiss Kiss Bang Bang

Wie schon in Last Action Hero zieht Black nun in Kiss Kiss Bang Bang, bei dem er auch Regie geführt hat, eine Ebene in die Filmhandlung ein, die den Film als Medium thematisiert. Immer wieder wird die Handlung durch Harry selbst unterbrochen, der alle Ereignisse mit schier nicht enden wollenden Erzählungen aus dem Off kommentiert, die Zuschauer direkt auf ihre Seherwartungen anspricht und – darin dem Erzähler aus David Finchers Fight Club (1999) nicht unähnlich – sogar den Film anhält und zurückspult, um sie auf etwas hinzuweisen, das sie sonst vielleicht übersehen hätten, aber gewiss für die Filmhandlung noch von großer Bedeutung sein wird.

Black tritt mit diesem Kunstgriff die Flucht nach vorne an: Die Handlung eines solchen Detektivfilms, in der ein Underdog gegen verborgene Bösewichte antreten muß, kann nur noch ein Spiel mit Versatzstücken sein. Also macht er daraus eine fröhlich postmoderne Komödie, die ihre Konstruiertheit mit großem Vergnügen und schon im Titel ausstellt: „Kiss Kiss Bang Bang“ ist nicht umsonst ein Oberbegriff für Agenten- und Detektivfilme wie etwa die Lemmy Caution-Reihe aus den 1950er und 1960er Jahren, in denen viel geküsst und viel geschossen wurde – und James Bond erhielt gar den Spitznamen „Mr. Kiss Kiss Bang Bang“.

Kiss Kiss Bang Bang

Den Darstellern hat die Arbeit an diesem klugen kleinen Film offensichtlich Freude gemacht. Val Kilmer spielt seinen „Gay“ Perry – ein Schwuler, der die Witze über Homosexuelle gleich alle selbst macht – mit einer abgehobenen Arroganz, dass es eine Freude ist, und Robert Downey Jr. stürzt mit großen, immer ahnungsloser werdenden Augen von einer Katastrophe in die nächste.

Denn natürlich kann es in Kiss Kiss Bang Bang nicht anders zugehen als in den von Harry und Harmony (dieser Name!) so geschätzten Johnny Gossamer-Krimi-Groschenromanen: alles wird immer verschlungener, bis der Held nach abenteuerlichen Wendungen in einem großen Finale aberwitzig viele Gegner auf einmal ausschaltet.

Bis dahin aber klappert der Film so viele Klischees ab, wie nur hineingehen, bis hin zu einer Hauptdarstellerin im knappen Weihnachtsfrauenkostüm. Was sein muß, muß halt sein.

Kommentare


Coal

Nach Sin City ist dies hier DER Film 2005. Weniger Brutal, dafür umso witziger. Ein Flop an den Kinokassen aufgrund mangelnder Promotion. Eigentlich das Ideale für Leute, die Tarantino und co für zu krass befinden aber PulpFiction trotzdem mögen...


Ralf

Glückwunsch zu der gelungenen Rezension! Ich kann meinem Vorgänger bei den Kommentaren nur zustimmen, ein etwas irrer, aber gerade deshalb absolut charmanter Film, der alles hat, was man für einen genialen Filmabend so braucht! und leider bisher echt fast ein Geheimtipp! aber das trägt ja nur zum Charme bei!






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