Kiss and Run

Wenn sie schon immer wissen wollten, was das Wembley-Tor mit männlicher Potenz zu tun hat, müssen Sie diesen Film sehen.

Kiss and Run

Emma (Drehbuchautorin Maggie Peren), potentielle Schauspielerin ohne Rolle, wird 25. Ihr Alltagsleben zwischen Fahrstuhl, Castingvorraum und Videothek ist so trüb und trist wie ihre Frankfurter Hochhaussiedlung. Als das Video-Paradies einem Sonnenstudio weichen soll, steht fest: so kann es nicht weitergehen. Doch zum Glück erweist sich das Leben mal wieder als sein eigener Zitatenschatz: Das Gute liegt oft so nah…

Kiss and Run erinnert über weite Strecken an eine Melange aus Liebe mich wenn du dich traust (Jeux d’enfants, 2003) und Gus Van Sants Elephant (2003). Ähnlich wie in dem französischen Werk greift auch der deutsche Film die ungewöhnliche Entwicklung einer Kinderliebe auf und weist formal aus dem amerikanischen Beispiel bekannte Strukturen auf: Verschiedene Kleingruppen Jugendlicher werden von der Kamera verfolgt, bis sich ihre Wege kreuzen und ein gleichsam geometrischer wie sozialer Raum entsteht.

Dabei setzt dieser als Kleines Fernsehspiel entstandene Film alles daran, trotz der stereotypen Geschichte Eigenständigkeit zu beweisen, wozu die Stilisierungswut in Sachen Farbgebung gar nicht nötig gewesen wäre. Denn die Regiedebütantin Annette Ernst beweist ein ausgebildetes Bildgefühl. Ihr sich Zeit nehmendes aber nie stockendes Erzählen entwickelt tatsächlich beinahe eine Sogwirkung, unterstützt von einem besonders dezenten und pointierten Musikeinsatz.

Die Ästhetik und Geschichte von Pornofilmen ist ein prominentes Thema innerhalb dieses Liebesfilms und im Grunde genommen ist Kiss and Run ein sehr romantischer, sehr weiblicher Gegenentwurf, der seinen Diskurs in vitale Dialoge kleidet. Da Regisseurin Ernst im Spiel mit der Sentimentalität, Melancholie und Märchenhaftigkeit immer die Balance wahrt, gelingt ihr beinahe ein Paradox: eine sehenswerte deutsche Romantic Comedy.

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