King of California

Mit Vollbart und wirrem Harr agiert Michael Douglas als weiser Irrer in einer warmherzigen Independent-Komödie, produziert von Sideways-Regisseur Alexander Payne.

King of California

Von Vater und Mutter verlassen, muss sich die erst sechzehnjährige Miranda (Evan Rachel Wood) allein durchs Leben schlagen. Die Schule hat sie geschmissen, um als Angestellte bei McDonald’s zu jobben und sich eine bescheidene Existenz aufzubauen. Da taucht unversehens ihr mittelloser und leicht wunderlicher Vater Charlie (Michael Douglas) wieder aus der Versenkung auf, frisch entlassen aus einer psychiatrischen Anstalt. Besessen von der fixen Idee, den angeblich vergrabenen Goldschatz eines spanischen Eroberers aus dem 17. Jahrhundert zu bergen, wirbelt er das geordnete Leben seiner Tochter reichlich durcheinander und begibt sich mit ihr auf eine Schatzsuche in L.A.’s Suburbia.

King of California

Von Adoleszenz und den Turbulenzen einer kaputten Familie handelte schon der preisgekrönte Roman A Nixon Man von Michael Cahill. In seinem Debütfilm variiert Cahill die Themen „Familie“ und „Heranwachsen“ auf ironische und tragikomische Art. Der Generationenkampf wird auf den Kopf gestellt, wenn sich die Tochter als schützende und ordnende Instanz ihres rebellischen, nicht gehorchen wollenden Vaters beweisen muss – eine ganz und gar unorthodoxe Version der typischen Eltern/Teenager-Story, an deren Ende nicht etwa wie üblich die Reife des Erwachsenentums winkt. Im Gegenteil: Miranda soll von der naiven Energie des verrückten Charlie mitgerissen werden. Er kommt, um die Barrieren ihrer drögen, sinnentleerten Alltagswelt niederzureißen und diese mit kindlicher Fantasie und Abenteuerlust zu füllen. Die wahre Reife besteht hier in der Fähigkeit zur Regression.

King of California

Verrücktsein als einzige Form, um dem Wahn des Lebens angemessen zu begegnen? Für Charlie geht die Rechnung auf. Er ist ein moderner Don Quijote, glücklich in seinem Kampf gegen Windmühlen während die Normalos im alltäglichen Einheitstrott zermahlen werden. Das Setting des Santa Clarita Valleys, ein Vorort von Los Angeles, erscheint als eine Art brave new world der Gegenwart, eine Wohlstandswelt der Konformität, in der der Mensch durch Luxus und Konsum ruhiggestellt ist, darüber hinaus aber sein Mensch-Sein vergisst. Fastfood-Ketten, Shopping Malls und Reihenbauten prägen ein vordergründig sorgenfreies, tatsächlich jedoch menschenwidriges Umfeld, in dem sich Charlie und Miranda, samt ihrem viktorianischen Haus wie Relikte der Individualität ausnehmen. Cahill wirft einen entlarvenden Blick auf seine suburbane Lokalität, die mit ihrem Drang zur Homogenität alles Eigene und Andersartige wie ein schwarzes Loch aufsaugt. King of California wird somit zu einer Kritik unserer postmodernen Zeit der Wiederholung und Reproduktion.

Seinen Reiz erzielt Cahills Film vorrangig aus der Konfrontation zweier romantisch veranlagter Hauptfiguren mit einer durch und durch prosaischen Umgebung. Ihre Suche nach dem Schatz verläuft durch Einkaufszentren und Baustellen, über Parkplätze, Highways und Golfanlagen hinweg. Durch seinen unbeirrbaren Glauben an das Gold – seinen persönlichen heiligen Gral – erfüllt Charlie eine Welt der Banalität mit verloren gegangener Bedeutung. Er führt den Kampf eines Gläubigen gegen eine spirituell verarmte Welt und vermittelt seiner Tochter dabei den Wert von Transzendenz. Mit seinem Vollbart und den langen Haaren ist Charlie ein Jesus-Lookalike, das seiner Nächsten Erlösung bringt.

King of California

Auch wenn King of California interessante gesellschaftskritische und ironisch-religiöse Ansätze bietet, macht sich leider Cahills relative Unerfahrenheit im Umgang mit dem Medium bemerkbar. Insbesondere seine unmotivierten Spielereien mit Erzählmustern (Freeze Frame- und Animationssequenzen innerhalb der Spielfilmhandlung) wirken wie die Demonstrationsversuche eines jungen Regisseurs, der sein Ideenreichtum unter Beweis stellen möchte. Gerade im Vergleich zu Alexander Payne, der hier erstmals als Produzent fungierte, wird Cahills Debütantentum augenscheinlich. Man kann sich des Eindrucks nicht erwähren, der Film sollte im Geiste solcher Payne-Werke wie About Schmidt (2002) oder Sideways (2004) gedreht werden, heraus kam aber nur eine Light-Version derer: trotz satirischer Bemühungen weit weniger bissig, stilistisch und erzähltechnisch lange nicht so präzise. Vor allem der schwierige Balanceakt zwischen Tragik und Komik, den Payne so meisterlich beherrscht, mag Cahill nicht vollends gelingen. Das Reißbrettartige der Figuren und der damit einhergehende Mangel an Empathie seitens des Zuschauers mindert das Tragische. Und dort, wo der Film Komik intendiert, schafft er durch Defizite in Tempo und Timing nicht selten nur Amüsement.

Wer allerdings die Meßlatte nicht allzu hoch legt, dürfte sich von einem Film unterhalten fühlen, der zum Schmunzeln und Warm-ums-Herz-fühlen einlädt.

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