King Arthur: Legend of the Sword – Kritik

Titanenkämpfe und Goldgeklimper: In Guy Ritchies King Arthur prallen die Rhythmen der Vorzeit und der modernen Großstadt ungehemmt aufeinander. Doch Rhythmen sind eine zerbrechliche Sache.

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Es beginnt mit einem mächtigen Stampfen, erst nur auf der Tonspur, dann auch bildlich: Durch die engen Täler eines frühmittelalterlichen Englands zwängen sich monströse, hundert Meter hohe Elefanten, Kriegstiere im Angriff auf die steinerne Festung Camelot. Es ist ein brutaler Einbruch, der hier stattfindet, ein Einbruch, dessen Wucht vor allem aus dem Missverhältnis der Dimensionen entsteht: Ohne Wissen um die zerstörerischen Zwecke, denen sie dienen sollen, bahnen sich die schwerfälligen Kreaturen ihren Weg durch eine Landschaft, die nicht mehr die ihre ist. Das Reich der Fürsten von Camelot hat bereits begonnen, die eigene mythische Vorzeit hinter sich zu lassen, bald wird es ihr vollends enteilt sein – und diese Loslösung erscheint in den ersten Szenen von King Arthur als ein schmerzvoller, nur unter dem Einsatz von Gewalt zu vollziehender Prozess.

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Doch gibt es in Guy Ritchies Film auch die gegenläufige Vision eines nahezu lückenlosen Einklangs zwischen der Umwelt und den Wesen, die sie bevölkern. Statt Uther Pendragon und Vortigern heißen die Menschen hier Flat-Nose-Mike und Chinese George, statt mit Schwertkämpfen schlägt man sich hier mit Taschendiebstahl und dem illegalen Fellhandel durch, statt aus adeligem Blut speist die Macht sich hier aus klimpernden Geldstücken. In den engen Gassen von Londinium, in denen der vertriebene Königssohn Arthur aufwächst, gibt es keinerlei Missverhältnis der Dimensionen, hier sind sowohl die Bewegungen als auch die Sprache leichtfüßig und ständig veränderbar, hier herrschen keine uralten, gesichtslosen Gewalten, sondern nur menschliche List und Durchtriebenheit. Über weite Strecken bezieht King Arthur seine Spannung aus der Unvereinbarkeit ebendieser beiden rhythmischen Ordnungen, und aus der daraus entstehenden unsicheren Stellung des Films zwischen dem Tolkien-Epos, das er nicht mehr ist, und der Cockney-Gangsterkomödie, die er noch nicht sein kann.

Der freie Rhythmus des menschlichen Geistes

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Es ist, als würden in King Arthur sämtliche Ereignisse in dieser Lücke zwischen Vergangenheit und Zukunft versinken – einer Lücke, die doch nie zu einer greifbaren Gegenwart wird. Permanent springt der Film zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her, das Geschehen wird nie unmittelbar präsentiert, sondern als eine letztlich unerreichbare Wirklichkeit immer nur umkreist. Man sieht etwa die Anfangsmomente einer sich Stück für Stück durch Camelot vorarbeitenden Revolte und, parallel dazu, die verzweifelte Flucht der Königsfamilie, für die bereits alles verloren ist – der Aufstand beginnt und ist gleichzeitig schon vollzogen, man kann der Katastrophe nie unmittelbar begegnen, man kann sie nur resigniert und im Nachhinein zur Kenntnis nehmen. Eine Reise in die von magischen Kreaturen bevölkerten dark lands, ein Attentat auf den unrechtmäßigen König, selbst ein harmloser kleiner Faustkampf – alles vollzieht sich in King Arthur immer nur als ein derartiges Geflecht von zeitlichen Vor- und Rückgriffen, in dem nur selten tatsächlich ein Moment des Handelns oder des Entstehens durchschimmert. Doch gerade durch diese Verweigerungshaltung gewinnt der Film zunächst eine mitreißende Dynamik, denn an die Stelle des schwerfälligen Gangs äußerer, kausal verknüpfter Ereignisse tritt der freie Rhythmus des menschlichen Geistes, das ungeordnete Wechselspiel von Erwartung und nachträglicher Verarbeitung.

Das Publikum wird schon wissen, was es mit diesen Bildern anfangen soll

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Leider gerät diese Verschränkung und Gegenüberstellung unterschiedlicher Rhythmen schnell aus den Fugen. Ein Rhythmus ist schließlich eine zerbrechliche Sache, schon eine kleine Störung des Bewegungsablaufes reicht aus, um einen Läufer ins Stolpern zu bringen und zu Boden krachen zu lassen. Irgendwann, noch deutlich während der ersten Hälfte des Films, wird das Hin- und Hereilen zwischen verschiedenen Zeitebenen nur mehr zu einem verzweifelten Aneinanderreiben von Bildern und Ereignissen, die keinen wirklichen Bezug mehr zueinander aufweisen. Irgendwann verlässt sich King Arthur beinahe ausschließlich auf die einpeitschende Wirkung der mächtig trommelnden Filmmusik, um den dargestellten Abläufen einen Rest an Dringlichkeit zu verleihen. Vor allem mit den Zwängen des Actionkinos geht King Arthur zunehmend hilflos um: Da gibt es denn lange Verfolgungsjagden ohne innere Dramaturgie und ein Herumgehacke auf gesichtslosen Fußsoldaten, das auch durch die immer wieder eingestreute Zeitlupe nicht abwechslungsreicher wird. Nachdem Arthur zum ersten Mal die übernatürliche Kraft seines Schwertes Excalibur entfacht und mit einer mächtigen Schockwelle zig Verfolger zu Boden geworfen hat, hört man für lange Sekunden nichts als sein erschöpftes Keuchen. Es ist, als würde auch der Film nach einer langen Anstrengung wieder Luft holen, in der Hoffnung, dass nun endlich die Arbeit getan und die Pflicht erfüllt wurde.

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Doch bevor es tatsächlich soweit ist, muss King Arthur sich noch einmal gewaltig aufbäumen und in einem großen Schwall ikonenhafte Bilder ausspeien: einen Lichtschwerterkampf, einen von Feuer gekrönten Turm, und eine monströse Schlange in altem Gemäuer. Den Gegensatz zwischen mythischer Urzeit und moderner Urbanität hat Ritchie zu diesem Zeitpunkt beinahe völlig aus den Augen verloren, und auch die Spannung zwischen Arthurs eigentlicher Identität als gewiefter Gauner aus der Gosse und seiner neuen Rolle als mittelalterlicher König wird kaum erkundet – die Aufforderung des neuen Königs an einen Gesandten der dänischen Wikingerstämme, sich Englands Forderungen zu unterwerfen oder eine Tracht Prügel einzustecken, ist in dieser Hinsicht dann doch eher dürftig. Stattdessen werden einzelne Motive der Artus-Sage noch lustlos eingestreut, doch scheint der Film sich keiner tieferen Bedeutung oder Resonanz dieser Motive bewusst zu sein. Das Publikum, so die Geste, wird schon wissen, was es mit diesen Bildern anfangen soll. So enthüllt Arthur am Ende des Films mit großer Feierlichkeit die von ihm selbst geschreinerte Tafelrunde – und eigentlich wünscht man sich nur, er würde mit seinen Rittern an dem runden Tisch Platz nehmen, reihum die Karten ausgeben und den Mindesteinsatz auf fünf Goldstücke festsetzen.

Trailer zu „King Arthur: Legend of the Sword“


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